Kellner, der ein kühles Bier zapft.
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Viele Kneipen schließen wieder, weil eine Sperrstunde um 22 Uhr nicht wirtschaftlich ist.

Viele Kneipen schließen auf unbestimmte Zeit

Neue Sperrstunde: „Nur ein Bruchteil wird überleben“

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Die Corona-Ampel im Landkreis zeigt Rot an. Unter anderem bedeutet das für die Gastronomie, dass um 22 Uhr Ende ist. Am Stärksten betrifft das erneut Bars und Nachtlokale.

Bad Tölz – Das „Pistolero“ gab am Sonntagmorgen auf seiner Facebook-Seite bekannt, dass es aufgrund der verkürzten Sperrzeit nicht möglich sei, wirtschaftlich zu arbeiten. Wie Betreiber Johannes Mottl auf Anfrage sagt, sei dieser Schritt alternativlos gewesen. „Wir haben es am Samstag versucht, aber festgestellt, dass die meisten Leute nicht vor 20.30 oder 21 Uhr kommen.“ Das sei auch verständlich, da man ja zumeist erst nach dem Abendessen in einen Club gehe. Die, die da waren, hätten sich vorbildlich an alle Regeln gehalten. Wirtschaftlich sei das Ganze bei einer Auslastung von höchstens 20 Prozent allerdings hart an der Grenze gewesen. Da er damit rechne, dass die Lage sich nicht bessere, habe er „keinen Sinn“ darin gesehen, geöffnet zu lassen. „Wir sind ein Abend- und Nachtlokal. Die Einschränkungen sind für uns im Grunde ein Betriebsverbot.“ Ob und wie es weitergehe: Das könne er momentan noch nicht sagen. „Ich gehe davon aus, dass wir die nächsten Monate geschlossen haben.“

Schon vor dem Wochenende kündigte die Tölzer „Bar N19“ an, nicht mehr zu öffnen. Das „Kult“ meldet ebenfalls, dass weiterhin geschlossen ist. Geschlossen bleibt auch die „Eule“ an der Demmeljochstraße. „Die Kneipe ist einfach zu klein“, sagt Betreiberin Simone Spichala. Sie betreibt auch das nebenan liegende „Groovy Sue“ – und das habe sie bislang gerettet. „Weil wir dort auch Essen anbieten, hatten wir im Sommer ab 17 Uhr geöffnet und konnten den Biergarten betreiben.“ Sie lebe von ihren Stammgästen. „Aber das macht es uns auch leichter, den Überblick zu behalten.“ Angestellte habe sie derzeit keine, ihr Mann und sie selbst betreiben das Lokal zusammen. Wie sich die nun verkürzten Öffnungszeiten auswirken, weiß sie nicht. „Ab 20 Uhr ist eigentlich niemand mehr da.“ Sie sei sehr froh über ihre tolle Vermieterin, die viel Verständnis für die derzeitige Situation aufbringe. „Aber wir blicken in eine ungewisse Zukunft. Wer weiß, wie lange wir das so aufrecht erhalten können.“

Rocks Off-Betreiber: „Ich werde kämpfen“

Geöffnet hat derzeit noch das „Rocks Off“, auch wenn Betreiber Francesco „Dino“ Garrasi sagt: „Der Umsatz ist um 87 Prozent weniger, als vor Corona.“ Wenn er nun um 22 Uhr schließe, werde es noch schlimmer. „Aber ich werde kämpfen. Das Rocks Off gibt es seit 29 Jahren, 30 Jahre alt soll es auf jeden Fall werden.“

Er hat aber wie Mottl die Beobachtung gemacht, dass um 18 Uhr noch niemand in die Kneipe kommt. „Viele arbeiten dann noch oder wollen erst einmal Abendessen.“ Das könne er nachvollziehen. Er öffne nun am Freitag und Samstag von 19 bis 22 Uhr. „Das ist alles eine Katastrophe.“ Für die am Samstag angesetzte Halloween-Party habe ihn inzwischen eine Absage nach der anderen erreicht. Abhalten will er sie trotzdem für seine Stammgäste. „Das ist einfach als Dankeschön gedacht, auch wenn ich an dem Abend nicht wirklich etwas verdiene.“

Shelter Pub: „Es ist ein Glücksspiel, ob jemand kommt“

Philip Behler vom „Shelter Pub“ öffnete vergangenes Wochenende ab 18 Uhr. „Ich wollte das einfach ausprobieren.“ Letztlich seien aber nur wenige Leute gekommen, vier bis fünf Tische waren besetzt. „Meine Gäste kommen normalerweise ab 22 Uhr.“ Nach derzeitigem Stand wird er ab dem kommenden Wochenende nicht mehr aufsperren – „wenn nicht unerwartet viele Reservierungen kommen“. Doch die, die Tische reservierten, sagten alle wieder ab. „Wenn ich aufsperre, dann ist es ein Glücksspiel, ob wirklich jemand kommt“, sagt Behler. Das mache es unmöglich zu planen. Er gehe auch nicht davon aus, dass sich in der nächsten Zeit etwas an der Lage ändere. „Jeder ist am kämpfen. Wenn wir noch einmal fünf Monate schließen müssen, dann wird das nur ein Bruchteil der Nachtlokale überleben können.“

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