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Viel diskutiert und rege nachgefragt: Die Neuausgabe von „Mein Kampf“. 

Buchhandel

Viele Vorbestellungen für „Mein Kampf“

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Tölzer Buchhandlungen verzeichnen rege Nachfrage. Es gibt einige Vorbestellungen für die  kommentierte Neuausgabe von "Mein Kampf". Doch sie  ist noch nicht lieferbar.

Es ist wieder da: Das Buch „Mein Kampf“ von Adolf Hitler ist seit wenigen Tagen in einer kommentierten Neuauflage auf dem Markt, nachdem der Freistaat als Rechteinhaber 70 Jahre lang den Druck des Werks untersagt hatte. Buchhandlungen im Landkreis verzeichnen eine rege Nachfrage – die sie jedoch vorerst nicht befriedigen können.

„Eine ganze Menge Vorbestellungen“ für „Mein Kampf“ liegen Susanne Löffler vor, der Inhaberin der Tölzer Buchhandlung Urban. „Aber mit der Auslieferung am 11. Januar hat es nicht geklappt. Jetzt ist sie für kommende Woche angekündigt“, sagt sie. Damit, Hitlers Pamphlet zu verkaufen, hat sie kein Problem. „Ich finde es grundsätzlich wichtig, so eine historische Quelle zugänglich zu machen“, sagt Löffler. Die Schrift mit Kommentaren moderner Historiker zu veröffentlichen, hält die Buchhändlerin für eine vernünftige Lösung. „Die Menschen sollen das ruhig lesen, um selbst zu sehen, was für eine bodenlose Zumutung das Buch ist. Ich halte die Leute für intelligent genug, dass sie nicht das Falsche herauslesen.“ Sie werde „Mein Kampf“ wohl nicht gerade im Schaufenster auslegen, „aber auch nicht verstecken“, sagt Löffler.

Ähnlich ist das Bild in der „Les(e)bar“ in Lenggries sowie in der Buchhandlung Rupprecht in Bad Tölz. „Wir haben das Buch schon lange vorher bestellt, aber keine Lieferung mehr bekommen“, sagt Rupprecht-Filialleiterin Sonja Schindlbeck. Auf Seiten der Kunden sei das Interesse groß, es gebe „etliche Vorbestellungen“. Sie selbst hält die Neuausgabe durch das Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ) für „eine gute Aufarbeitung der Geschichte“, doch sie sei auch „mit Vorsicht zu genießen“.

In der Tölzer Stadtbibliothek hat Leiterin Melanie Sappl noch keine Nachfrage nach „Mein Kampf“ registriert. Sie hat beschlossen, die Neuausgabe erst anzuschaffen, wenn sich Leser konkret danach erkundigen. Und das sei bisher nicht der Fall gewesen, trotz regen Besucherzustroms in den vergangenen Tagen. „Oft ist es ja so, dass es einen Riesentrubel um ein Buch gibt – und ob es der einzelne Bürger dann lesen möchte, ist eine andere Frage“, so Sappl. Lesern, die das Buch schon in Händen haben wollen, bevor es im Büchereiregal steht, bietet Sappl an, es über Fernleihe zu besorgen. Im Prinzip findet es die Bibliothekschefin „gut, dass das IfZ eine wissenschaftlich begleitete Ausgabe herausgebracht hat“, die das Werk ins rechte Licht rücke.

Im Geschichtsunterricht sieht Christoph Beck, Leiter des Gymnasiums Hohenburg, keinen großen Raum für die Neuauflage von „Mein Kampf“. „Auf Nachfrage werden wir sicher mit den Schülern darüber sprechen“, sagt er. „Aber es steht nicht auf dem Lehrplan.“ Beck zieht keine Anschaffung des Buchs für die Schulbibliothek in Betracht. „Ich denke, diese historisch-kritische Ausgabe geht sehr in die Feinheiten und ist mehr für Studierende und Historiker als für Schüler interessant.“

Als „zweischneidiges Schwert“ betrachtet Stefanie Regus, Geschichtslehrerin am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium, die Neuausgabe. „Aber wer das aus ideologischen Gründen lesen wollte, hatte auch bisher schon die Möglichkeit, an ein Exemplar zu kommen“, stellt sie fest. Für problematischer hält sie den Umgang mit Filmen wie „Er ist wieder da“, in denen das Thema Hitler komödiantisch aufgegriffen wird. „Das ist einfach etwas, über das man nicht lachen kann.“

Regus hält es für sinnvoll, in der elften Klasse das Für und Wider der Veröffentlichung von „Mein Kampf“ zu diskutieren. Ganz neue Möglichkeiten eröffne die Publikation für den Geschichtsunterricht aber nicht. „Auszüge standen auch bisher als Quelle zur Verfügung, und sie wurden in den Lehrbüchern auch entsprechend eingeordnet.“

Andreas Steppan

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