Josef Mayr

Vize-Polizeichef Josef Mayr im Ruhestand   

Verfolgungsjagd am Friedhofsberg

Bad Tölz - Stets gern in der Arbeit, aber nun auch gerne im Ruhestand: Die Polizei verliert mit Josef Mayr ein echtes Tölzer „Gwachs“. Der 60-jährige Polizei-Vize hat einiges als „Schandi“ erlebt. Spektakulär war die Verfolgungsjagd eines Dreifachmörders in Tölz.

Nein, es klingt nicht so, als sei Josef Mayr gerade in ein großes Loch als Neu-Pensionär gestürzt. Knapp 12 Stunden nach Antritt des offiziellen Ruhestands meldete sich der 60-Jährige gestern per Handy von der „Sunntratn“. „Mir geht’s gut. Ich bin gesund.“ Die Saisonkarte fürs Brauneck ist bereits geordert. Im Polizeidienst wäre das undenkbar gewesen. Ein bisserl „oldtimern“ will der Gaißacher jetzt auch. Eine alte Herkules, Horex und BMW warten auf kundige Schrauberhände, genau wie ein 1974er-Alfa-Romeo. Silbern, nicht rot, wie Mayr hinzufügt. Dazu hat er zwei Landwirte in der Familie, die sich auch über einen weiteren Helfer freuen. Wie gesagt, das Loch, in das der frischgebackene Ruheständler stürzen wird, ist überschaubar.

Blick zurück: Der gebürtige Tölzer hat einst mit 16 Jahren als Praktikant bei der Tölzer Polizei angefangen. Der Einstellungsberater der Polizei war damals durch die Schulen getingelt und hatte „sehr überzeugend“ gewirkt.

Es gab Stationen bei der Bereitschaftspolizei in Dachau, in Geretsried und an der Fachhochschule in Fürstenfeldbruck. Im Grunde, sagt Mayr, kreiste seine Karriere aber immer „irgendwie um Tölz“. Viele Jahre war er dort Dienstgruppenleiter, 2010 wurde er zum stellvertretenden Inspektionsleiter berufen. „Das war ein Wunschtraum von mir“, sagt Mayr, „der eigentlich nicht vorgesehen war.“ Aus dem eigenen Haus wird so eine Führungsstelle nämlich so gut wie nie besetzt.

Das ist übrigens auch im aktuellen Fall so. Mayrs Nachfolger kommt von auswärts. Der Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl kennt den Namen, kann ihn aber noch nicht nennen. Zu seinem bisherigen Vize fällt Gigl derweil nur Positives ein. Man habe auf einer „sehr gemeinsamen Wellenlänge“ zusammengearbeitet. „Das ist immer super gelaufen.“ Gigl staunt immer noch. Er habe nicht einen Tag erlebt, wo Josef Mayr schlecht gelaunt gewesen sei. Und so spricht Gigl in seiner Presseerklärung zum Ruhestand Mayrs von der „desaströsen Wirkung einer Urkunde“. Der Ruhestandsurkunde nämlich, mit der sich der Polizeihauptkommissar nach 43 Dienstjahren Dienst im Isarwinkel verabschiedet.

Apropos Isarwinkel: Wie schätzt er denn nach so vielen Jahren seine Pappenheimer ein? „Na ja“, sagt er, „ein guter Schlag. Im Grunde ehrlich und aufrichtig. Manchmal ein bisschen schlitzohrig.“

Und was war das aufregendste Erlebnis? – „Oh, da muss ich überlegen“, sagt der 60-Jährige, hat dann aber doch noch eine richtige Räuberpistole parat. Sie handelt vom Dreifachmörder Albert B., der Anfang der 1980er-Jahre noch nicht wegen seiner Gewaltverbrechen in Vorderriß, am Kindergarten in Tölz sowie in München überführt war, aber wegen anderer Straftaten im Bernauer Gefängnis saß. Ihm gelang bei Außenarbeiten die Flucht. Er überfiel einen Mercedes-Fahrer, kaperte das Fahrzeug und war auf der Staatsstraße 2072 in Richtung Tölz unterwegs. Die Polizei war ihm da allerdings schon auf den Fersen.

Mayr und ein jüngerer Kollege kehrten zur selben Zeit mit einem zivilen Audi von München nach Tölz zurück. Etwa auf Höhe Hechenbergs waren Mayr und sein Kollege direkt hinter Albert B. unterwegs, der richtig Gas gab. Eine Straßensperre am Walgerfranz durchbrach er und raste am Friedhofsberg mit hoher Geschwindigkeit auf dem Fußweg nach oben. Immer hinterdrein Mayrs Audi. „Das war absolut grenzwertig und spektakulär“, erzählt Mayr. Sogar einen Warnschuss gab Mayrs Kollege ab. Ohne Erfolg. Die Verfolgungsjagd führte über den Hintersberg zur Kalvarienbergkirche, wo Albert B. zwischen Kirche und Zaun seinen Mercedes zum Stehen brachte und zu Fuß weiter fliehen wollte.

Mayr und sein sportlicher Kompagnon konnten ihn aber kurz hinter der Kerkerkapelle stellen und überwältigen. Noch heute amüsiert sich Josef Mayr darüber, dass auch die Anwohner den Schuss, die Verfolgungsjagd und die Festnahme mitbekommen und angenommen hatten, dass es sich um Dreharbeiten für einen Film handelte.

Christoph Schnitzer

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