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Tag und Nacht, Licht und Finsternis: Erwin Wiegerling vor seinem „Erdball“ im Foyer des Landratsamts. 

„Erkennen – Bewahren – Sichtbar machen“

Vom Handwerker zum Künstler gereift: Ausstellung von Erwin Wiegerling im Landratsamt

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In wenigen Wochen wird Erwin Wiegerling vom Landkreis mit dem Kulturehrenbrief für sein Lebenswerk geehrt.  Die Ausstellung „Erkennen – Bewahren – Sichtbar machen“ zeigt, warum.

Bad Tölz – Eines Nachts packte es Erwin Wiegerling. Aus einer Holztafel schnitt er die Form. Einen Entwurf gab es nicht. Der Künstler und Restaurator aus Benediktbeuern legt einfach los. Färbte die Scheibe mit einem Durchmesser von zwei Metern mit Kobaltblau ein, verpasste ihr mit den Fruchtständen einer Dattelpalme eine Struktur aus Kalk und Ruß. „Ich bin auf Tag und Nacht, Licht und Finsternis gestoßen.“ Auf was der Betrachter stößt, darauf ist Wiegerling gespannt.

Derzeit zeigt er unter seinem Künstlernamen e.lin rund 20 seiner Objekte im Landratsamt. Hier hätte er bereits Anfang Januar den Kulturehrenbrief erhalten sollen, mit dem der Landkreis alle zwei Jahre das Lebenswerk eines Künstlers ehrt. Wegen des Katastrophenfalls fiel die Verleihung aus, soll aber in wenigen Wochen nachgeholt werden. Wiegerlings Kunstwerke sind bereits jetzt zu sehen. „Dafür bin ich mehr als dankbar“, sagt der 75-Jährige mit Blick auf die hohe Besucherfrequenz.

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Die Ausstellung steht unter dem Thema „Erkennen – Bewahren – Sichtbar machen“. Sie ist keine Rückschau auf die vergangenen mehr als vier Jahrzehnte, in denen Wiegerling künstlerisch tätig war. Die Werke wurden um die Jahrtausendwende oder später geschaffen. Zum Beispiel das Objekt „Der Erschöpfte“. Es entstand nach dem Ausbau seines Ateliers in Gaißach. „Das hat mich viel Kraft gekostet.“ Der riesige Baumstamm mit einem Stuhl und einer Puppe darauf, die völlig erschöpft herunter zu fallen droht, steht im Außenbereich. Josef Niedermaier konnte sich beim Pressetermin am Montag gut mit diesem Erschöpfungszustand identifizieren: Krankheitsbedingt brachte der Landrat kaum ein Wort heraus. Er sprach trotzdem, um seiner Faszination für Wiegerlings Werk Ausdruck zu verleihen. „Er ist ein ganz besonderer Künstler im Landkreis“, flüsterte Niedermaier. Einer, der vom Handwerker zum Künstler gereift sei.

Ausbildung zum Kirchenmaler

1943 in Augsburg geboren, absolvierte Erwin Wiegerling zunächst eine Lehre als Kirchenmaler. Bereits in seinen frühen Arbeiten ist in seinen Werken die Nähe zur Natur ablesbar, sind Materialien und Strukturen aus der Natur für sein Werk bestimmend. Bedeutende Meilensteine in seiner Karriere sind unter anderem die Ausführung des Altars für den Papstbesuch 2006 in München, die Neugestaltung des Westchor-Altars im Augsburger Dom sowie der Raum der fünf Weltreligionen im Terminal 2 des Münchner Flughafens.

Wichtig ist es Wiegerling, die Menschen zu erreichen. Herauszufinden, was seine Kunst in ihnen auslöst. Deshalb ist keines der ausgestellten Objekte beschriftet. Deshalb können die Besucher ihre Eindrücke zu Papier bringen und und in einen dafür vorgesehenen Briefkasten werfen. Dass er in Kürze für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, freut den Künstler. „Andererseits macht es mir bewusst, dass es sein kann, dass ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen muss.“

Weitere Infos

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. April während der regulären Öffnungszeiten des Landratsamts zu sehen. Führungen können unter Telefon 0 80 41/50 55 05 vereinbart werden.

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