Lernen im Klassenzimmer oder zu Hause: Ab der achten Klasse ist Wechselunterricht angesagt.
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Lernen im Klassenzimmer oder zu Hause: Ab der achten Klasse ist Wechselunterricht angesagt.

Ein Tag zuhause, einer in der Schule

Vom Livestreaming bis hin zu Arbeitsblättern: So wechselhaft ist der Wechselunterricht

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Der Wechselunterricht ist wieder da. Zumindest für alle Jugendlichen ab der 8. Klasse, mit Ausnahme der Abschlussjahrgänge. Die Lehrer setzen auf Live-Streams und Lernvideos bis hin zu den guten alten Arbeitsblättern. Manches funktioniert gut, anderes weniger.

Bad Tölz-Wolfratshausen – So sieht moderner Unterricht in Zeiten von Corona aus: Ein Teil der Klasse wird in der Schule vom Lehrer unterrichtet, der andere Teil ist via Live-Stream zugeschaltet. „Wir können die 11. Klassen komplett parallel beschulen – in Präsenz und Distanz“, freut sich Thomas Bastecky, Mitarbeiter in der Schulleitung der Fachoberschule und der Berufsoberschule Bad Tölz (FOS/BOS).

Seit Monaten haben sich Schulleiter Andreas Stefan und sein Kollegium auf das Szenario vorbereitet, das Anfang der Woche eingetreten ist. Um die Corona-Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, lernen bis zu den Weihnachtsferien alle Schüler ab der 8. Klasse im Wechsel, also einen Tag in der Schule und einen Tag zuhause. Die Abschlussjahrgänge dürfen regulär in die Schule gehen. Im Fall der FOS/BOS bleiben 370 Schüler der 12. und 13. Jahrgangsstufen im Präsenzunterricht. Rund 110 Zehnt- und Elftklässler werden dank Microsoft Teams seit Mittwoch im Wechsel unterrichtet. „Wir sind sehr stolz, dass wir sofort reagieren konnten und alles holperfrei funktioniert“, sagt Schulleiter Andreas Stefan. Zu verdanken sei das dem Engagement der Lehrer. Die technische Grundausstattung sei von Anfang an da gewesen. Den richtigen Umgang mit den Programmen eigneten sich die Pädagogen sukzessive in den vergangenen Wochen und Monaten an – zum Wohl ihrer Schützlinge. „Die Schüler sitzen nicht einfach nur zuhause und bekommen einen Arbeitsauftrag nach dem anderen rein“, sagt Thomas Bastecky. Keine Unterrichtsstunde gehe so verloren, die Schüler hätten ihren Lehrer als Ansprechpartner und eine feste Tagesstruktur. Der Idealfall sei das trotzdem nicht. Den persönlichen Kontakt ersetzt eben keine Technik der Welt.

Technische Probleme machen Lehrern und Schülern das Leben schwer

Am St.-Ursula-Gymnasium in Lenggries ist das mit dem Streamen so eine Sache. „In manchen Räumen ist das Signal für eine stabile Verbindung zu schwach“, musste stellvertretender Schulleiter Thomas Gampl dieser Tage feststellen. Blieb nur, die Raumpläne zu ändern, damit die 182 vom Wechselunterricht betroffenen Schülerinnen digital im Unterricht anwesend sein können. Livestreams werden Gampl zufolge aber nur in einigen Fächern und Klassen eingesetzt. „In anderen Fächern erhalten die Schülerinnen Arbeitsaufträge, zum Beispiel über die schuleigene Lernplattform.“ Manches laufe überraschend gut, bilanziert Gampl. Anderes wie die Internetverbindung nicht. „Das muss man ehrlich sagen.“

Rund 1700 Berufsschüler betroffen

Wohl am stärksten von der neuen Regelung betroffen ist die Berufsschule Bad Tölz. Alle rund 1700 Schüler lernen nach Angaben von Schulleiter Franz Hampel seit Mittwoch ausschließlich zuhause. „Der Distanzunterricht wurde bei den Berufsschulen für alle Klassen ohne eine Ausnahme für die Abschlussklassen angeordnet“, sagt Hampel. Ein Großteil dieser Schüler wird dem Oberstudiendirektor zufolge ausbildungsbegleitend nur in Teilzeit beschult. „Daher sind nicht jeden Tag alle Schüler im Unterricht.“ Im Durchschnitt werden deshalb an den drei Standorten in Bad Tölz und Wolfratshausen täglich insgesamt rund 600 Schüler beschult.

Der Unterricht findet laut Hampel in verschiedenen Formen statt – angepasst auf die jeweilige Fachrichtung. „Die Vielfalt an verschiedenen Ausbildungsberufen vom Bäcker bis zum Bankkaufmann bringt sehr unterschiedliche Lerninhalte mit sich, deren Vermittlung ganz unterschiedliche Methoden erfordert.“ Von Livestreams über Lernvideos auf Mebis bis hin zu Aufgabenblättern in Dateiform sei alles dabei. Grundsätzlich können die Schüler am Distanzunterricht per Smartphone teilnehmen. Ein größerer Monitor und eine separate Tastatur erleichterten die Arbeit aber natürlich. „Viele unserer zum Teil schon erwachsenen Schüler haben eigene Geräte“, sagt Hampel. Alternativ stehen den meisten Laptops, Tablets und Co. in der Familie oder im Ausbildungsbetrieb zur Verfügung. Auch die Schule bietet Leihgeräte an.

An der Mittelschule Lenggries können sich die 54 betroffenen Achtklässler ebenfalls bei Bedarf Tablets ausleihen. „Probleme gibt es eher bei der Internetverbindung“, sagt Rektor Bernd Kraft. Obwohl der Wechselunterricht nicht unerwartet kam und die Schule Konzepte erarbeitet hat, empfinden Lehrer und Schüler die Maßnahme laut Kraft als „große Zusatzbelastung“. Bei den Mittelschülern sieht Kraft zusätzlich die große Gefahr, dass sie ihren Rhythmus verlieren.

Gut findet Bernd Kraft hingegen, dass im Gegensatz zum Frühjahr nicht mehr wöchentlich, sondern täglich gewechselt wird. Im Frühjahr hätten die Schüler zum Teil den Bezug zur Schule verloren. „Beim tageweisen Wechsel kann auf Probleme oder Schwierigkeiten schneller und besser reagiert werden.“

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