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Kein Schmuckstück: der Tölzer Bahnhof.

Rathauschef nimmt Stellung

Tölzer Bahnhof: „Vom Makler eiskalt über den Tisch gezogen“

Bürgermeister Josef Janker erklärt im Stadtrat, warum die Stadt 2002 beim Kauf des Tölzer Bahnhofs nicht zum Zug kam.

Bad Tölz – Hat die Stadt eine Chance, den Besitzer notfalls sogar zu enteignen, um den Verfall des Tölzer Bahnhofs zu stoppen und eine Entwicklung zu fördern? Das fragt die Tölzer CSU und beantragte bei der Verwaltung, alle rechtlichen Möglichkeiten der Kommune aufzuzeigen (wir berichteten). „Wir wollen wissen, welcher Werkzeugkasten uns zur Verfügung steht“, begründete der mutmaßliche Bürgermeister-Kandidat Ingo Mehner (CSU) den Antrag im Stadtrat.

Bauamtsleiter Christian Fürstberger verpasste allzu hohen Erwartungen gleich mal einen Dämpfer. „Eigentum ist in Deutschland ein hohes Gut“, sagte er mit Blick auf die angesprochene Enteignung. Man prüfe aber gerade eine Vorkaufsrechts-Satzung, die beim Veräußerungsfall greifen solle. In einer der nächsten Sitzung werde man die rechtlichen Möglichkeiten vorstellen.

Bürgermeister Josef Janker lag „da noch etwas auf dem Herzen“. Er wollte Stellung nehmen zu den Aussagen von Bahnhofsbesitzer Erwin Fritz im Tölzer Kurier, der der Stadt vorgeworfen hatte, sich 2002 nicht am öffentlichen Bieterverfahren beteiligt zu haben. „Sie hätte ja auch ein Gebot abgeben können“, hatte er dem Tölzer Kurier gesagt. Das habe sie natürlich auch, ließ Janker nun das damalige Bieterverfahren nochmals Revue passieren. Es habe zunächst mehrere Interessenten gegeben, darunter die Stadt, die „klar und deutlich gesagt hat, dass sie großes Interesse an der Entwicklung des Bahnhofs hat“.

Da der damalige Bürgermeister Josef Niedermaier gewusst habe, dass am Bahnhof früher sehr viel schadstoffbelastete Flüssigkeiten und Materialien verladen worden waren, habe er noch ein von der Stadt bezahltes Bodengutachten abwarten wollen. Erst dann wollte er die weit fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem Makler (Janker: „Ein Notartermin stand bereits.“) abschließen. Damit habe er auch auf die Erfahrungen mit der Altlastenproblematik in der Kaserne reagiert.

Als Niedermaier beim Makler (aus dem Isarwinkel) angerufen habe, um wegen der Bohrungen um Erlaubnis zu fragen, habe der ihm lapidar geantwortet, „dass Untersuchungen nicht mehr nötig sind“. Er sitze gerade beim Notar und beurkunde den Verkauf des Bahnhofs an einen anderen Interessenten, eben Erwin Fritz.

Jankers Fazit: „So war die Geschichte. Das war mindestens unseriös und fragwürdig vom Makler. Wir sind von ihm eiskalt über den Tisch gezogen worden.“

Christoph Schnitzer

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