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Eine über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinausgehende Radwegeplanung ist im Vorentwurf für die Fortschreibung des Kapitels Verkehr auch festgeschrieben.

Planungsverband

Von Radschnellwegen bis S7-Verlängerung: Diese  Verkehrsziele hat die Region Oberland

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Wie soll sich der Verkehr in der Region Oberland entwickeln? Mit dieser Frage befasst sich derzeit der Planungsverband - auch beim Treffen in Bad Tölz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach und nach werden die einzelnen Kapitel des Regionalplans fortgeschrieben. Für den Bereich „Verkehr“ stehen die Oberland-Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und Weilheim-Schongau noch ziemlich am Anfang. Einen „für Diskussionen offenen“ Vorentwurf präsentierten die Regionsbeauftragten Matthias Schuh und Thomas Bläser in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses der Region Oberland im Tölzer Landratsamt.

Vorangestellt ist dem Kapitel ein Leitbild. Als Ziel definiert ist hier die Weiterentwicklung des Verkehrssystems „zu einem nachhaltigen Mobilitätsangebot durch vorrangigen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und des Fahrradverkehrs“. Um unnötige Fahrten – vor allem mit dem Auto – generell zu vermeiden, wird „die Region der kurzen Wege“ angestrebt. Das heißt beispielsweise auch, dass die künftige Siedlungsentwicklung – egal, ob Wohn- oder Gewerbegebiet – so gestaltet werden sollte, dass die meisten Alltagswege zu Fuß oder mit dem Rad oder zumindest mit Öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden können.

Die Verkehrsinfrastruktur sollte „flächensparend“ ausgestaltet werden. Geht es um den Ausbau beispielsweise von Straßen sollte dies unter Berücksichtigung der Belange des Umwelt- und Lärmschutzes erfolgen. Wichtig wäre auch eine bessere Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsmittel. „Man kommt oft gut bis zum Bahnhof. Aber die sogenannte letzte Meile bis zum eigentlichen Ziel kann nicht abgewickelt werden“, so Schuh.

Der ÖPNV soll eine echte Alternative zum Auto werden

Für die verschiedenen Verkehrsarten gibt es Leitlinien in dem Vorentwurf. Allgemein geht es dabei um den Ausbau des ÖPNV, um eine echte Alternative zum Auto zu bieten, um das Schaffen von Bus-Querverbindungen in einem System, das derzeit vor allem nach München ausgerichtet ist und um das Vereinheitlichen des Tarifsystems in der Region. „Die Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen haben hier ja schon ein klares Zeichen gesetzt, dass wir im ÖPNV eine Einheit wollen“, sagte der Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak mit Verweis auf die Beitrittsbestrebungen zum MVV. „Vielleicht könnten das angrenzende Landkreise ja auch noch“, sagte er mit Blick auf die etwas zögerliche Haltung in Sachen MVV in Weilheim.

Für den Bereich Schienenverkehr wird ein Ausbau beispielsweise für die BOB-Strecken, aber auch für die Verbindung Weilheim-Garmisch-Partenkirchen anvisiert. Die S7-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried ist ebenfalls ein Ziel. „Trassen für den künftigen Ausbau schienengebundener Verbindungen sollen von den Kommunen freigehalten werden“, lautet ein weiterer Grundsatz.

Im Bereich Busverkehr geht es um die verbesserte Anbindung der Bahnhöfe, von Gewerbegebieten und Freizeiteinrichtungen sowie Touristenzielen. Der Alpenbus – eine Ost-West-Expressverbindung von Rosenheim nach Murnau/Weilheim – ist als Ziel ebenso definiert wie ein regionsweit getaktetes Hauptbusnetz, das größere Orte und Ortsteile mit mehr als 1000 Einwohnern, aber auch frequentierte Touristenziele mindestens im Stundentakt verbindet.

Radschnellwege sind auch ein Ziel

Im Bereich Radverkehr geht es um den Ausbau des Wegenetzes für Alltags- und Freizeitradler, eine lückenlose Beschilderung, eine auch über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinaus abgestimmte Wegeplanung oder auch um die Schaffung von Radschnellwegen.

Im Bereich Straßenverkehr gehört zu den übergeordneten Leitlinien, dass das Straßennetz leistungsfähig erhalten und bedarfsgerecht ergänzt werden soll, dass ein Ausbau einem Neubau vorzuziehen ist und generell flächensparende Lösungen bevorzugt werden. Bedürfnisse von Radlern und Fußgängern sowie die Anforderungen des Busverkehrs sollten im Zuge von Straßenplanungen berücksichtigt werden.

Einige Diskussionen gab es über die Formulierungen mancher Ziele. Für die Hauptverkehrsachsen, wie die B472 oder die B2, auf denen auch der überregionale Schwerlastverkehr rollen soll, ist beispielsweise definiert, dass sie „ortsdurchfahrtsfrei zu gestalten sind“. Das war der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer nicht deutlich genug. „Für uns wäre eine scharfe Formulierung wichtig, weil es für uns hier um Tunnel und andere kostspielige Projekte wie Umfahrungen geht.“ Für Rzehak wiederum ist die gewählte Aussage schon zu strikt, denn Umgehungsstraßen seien eben nicht immer die beste Lösung und der Regionalplan sollte den Gemeinden hier nicht zu viel vorschreiben. „Waakirchen ist hier das beste Beispiel. Der halbe Ort ist für die Umgehung, der andere dagegen.“ Er könne diese Formulierung nicht mittragen. „Wir überlegen uns eine bessere“, versprach der Tölzer Landrat und Planungsverbandsvorsitzende Josef Niedermaier.

Der Vorentwurf wird nun in den Landkreisen weiter diskutiert, ausgearbeitet und in der Sitzung Ende Juli erneut vorgelegt. Vermutlich im Herbst beginnt dann das Anhörungsverfahren.

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