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Laden zu ihrer Ausstellung ein (v. li.): Peter Fischer, Susanne Zunhammer, Jörn Pfennig und Helmut Zunhammer. 

Am Höhenbergweg 

Vor Abriss eines Wohnhauses: Kunstausstellung als Hommage an die Erbauer-Generation 

Die Ausstellung „Shelter in Transition“ wird mit einem Knall enden: Nämlich mit dem Abriss des Wohnhauses, in dem die Ausstellung stattfindet.

Bad Tölz – Das Bewohner-Ehepaar deutlich über 60, die Kinder längst aus dem Haus, das zu große Gebäude reparaturanfällig, die Gartenarbeit mühsam geworden – und das Hanggrundstück am Höhenbergweg sehr viel mehr wert als das Wohnhaus.

Helmut und Susanne Zunhammer haben sich zu einem Entschluss durchgerungen, der ökonomisch betrachtet logisch erscheint und häufig getroffen wird: Sie lassen das Gebäude abreißen, verkaufen eine Grundstückshälfte und finanzieren damit einen kleineren, energetisch fortschrittlichen Neubau, der ihren veränderten Ansprüchen gerecht wird.

Soweit die Normalität. Doch sie haben den für Juni geplanten Abbruch zum Anlass genommen, dem Haus und seiner „Geschichte“ einen würdevoll-fröhlichen Abschied zu bescheren und es zu einem Kunst-Objekt auf Zeit zu transformieren. Weil jedes Haus eng mit dem Schicksal seiner Bewohner verbunden ist und damit auch selbst eine Seele hat, tun sie das mit einer Würdigung der Großeltern- und Erbauer-Generation, verbunden mit ihrer Installation „shelter in transition“ (frei übersetzt: „Schutz im Wandel“) zu Fragen der Sozial- und Schutzfunktion jeglicher Behausung.

Helmut Zunhammer, selbst Künstler, hat die Ausstellung zusammen mit den befreundeten Kollegen Peter Fischer und Wolf Jaenicke konzipiert. Was beim Betreten des Hauses nachdenklich macht, ist die Halbwertszeit moderner Wohnbauten: Dieses Haus, das erst 1965 erbaut wurde, hat seine Funktionsfähigkeit verloren. Die Ausstellung ist in der 1990 zur Pflege des Vaters und Erbauers Gebhard Zieher ausgebauten Einliegerwohnung zu sehen. Gebhard war Goldschmied und Restaurator, ihm und seiner Familie ist mit alten Fotos und anderen archivarischen Fundstücken ein Teil der Ausstellung gewidmet.

Darüber hinaus haben Zunhammer, Fischer und Jaenicke versucht, das Haus mit freigelegten Mauern, Wandreliefs und Bauschutt, Wand- und Deckenmalereien, plastischen Objekten und Lichtprojektionen, mit Höhlen- und Spiegelungseffekten als eine Bühne für ihre künstlerische Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Behausung im Wandel der Zeit zu nutzen. Auf eine andere Weise hat sich dazu der namhafte Lyriker Jörn Pfennig dem Thema angenähert.

„Mit dem Abriss des Hauses im Juni wird die Ausstellung beendet und zerstört, alles kehrt in den Kreislauf von Werden und Vergehen zurück“, sagte Peter Fischer bei der Vernissage. Bis zum 9. Juni ist die Ausstellung jeden Sonntagabend von 19 bis 20 Uhr geöffnet; an den Samstagen 5. und 26. Juni um 19 Uhr wird Jörn Pfennig seine „poetischen Hand- und Fußnoten“ vortragen.

Rainer Bannier

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