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Mitfahrerbänke sollen schon bald in etlichen Gemeinden im Landkreis stehen. Behindertenbeauftragter Ralph Seifert präsentierte kürzlich im Landratsamt zwei Gestaltungsmodelle – das linke fand eine Mehrheit.  

Neuartige Mitfahrgelegenheiten 

Vor allem das Land fährt auf die Mitfahrer-Bänke ab

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Für das Konzept der Mitfahrerbänke konnte Behindertenbeauftragter Ralph Seifert bislang vor allem ländliche Gemeinden begeistern. In den Städten zögert man noch.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Liste der Kommunen im Landkreis, die Mitfahrerbänke aufstellen wollen, wird immer länger. Das zeigte sich jüngst bei einem Treffen der interessierten Städte und Gemeinden im Tölzer Landratsamt. Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises und Initiator des Projekts, geht davon aus, dass die ersten Kommunen im Juni die Fertigung der Bänke in Auftrag geben werden.

Bad Heilbrunn, Dietramszell, Egling, Jachenau und Münsing: Das sind nur einige der Gemeinden, die schon deutlich signalisiert haben, dass sie mitmachen möchten. Das Konzept passt besonders gut

dorthin, wo es viele kleine, weit verstreute und schlecht angebundene Ortsteile gibt. Die Idee: Man stellt ein Bankerl an den Straßenrand, auf das sich jeder setzen kann, der von vorbeikommenden Autos mitgenommen werden möchte. Auf einem Schild mit umklappbaren Tafeln kann man anzeigen, zu welchem Ziel es gehen soll.

Die Resonanz sei „insgesamt sehr positiv“, erklärt Ralph Seifert. Bei dem Treffen im Landratsamt hatte er sogar schon zwei Bank-Modelle ausgestellt. „Die Mehrheit hat sich für die reine Holzausführung entschieden“, sagt er. Daneben hatte er eine Variante mit einem gusseisernen Seitenteil vorgestellt. Die Oberland-Werkstätten bieten an, die Bänke anzufertigen. Besprochen wurde zudem, dass ein Logo mit einem roten „M“ auf blauem Grund die Mitfahrerbänke kenntlich machen soll. Sobald das System in den ersten Gemeinden eingeführt ist, will Seifert es in Ortsversammlungen des VdK vorstellen.

Viele Verantwortliche der Gemeinden treiben hingegen noch Fragen um. Vor allem: Können die Kommunen haftbar gemacht werden, falls beim Mitfahren etwas passiert? Unfälle sind laut Seifert über die private Haftpflichtversicherung des Fahrers abgedeckt – genau so als würde er einen Anhalter mitnehmen. Doch was wäre im Fall eines Verbrechens? Hierzu will der Behindertenbeauftragte nun Erkundigungen beim ADAC einholen.

Gerade die Städte zeigen sich generell noch abwartend. Sabine Gus-Mayer, Seniorenbeauftragte des Geretsrieder Stadtrats, warnt davor, Erwartungen aufzubauen, „die dieses System nicht erfüllen kann“. Sie betont: „Wir brauchen verlässliche öffentliche Transportmittel, mit denen man weiß, dass man pünktlich zu einem Termin kommt.“ Bei der Mitfahrerbank habe man keine Garantie, ob und wann man mitgenommen wird – schon gar nicht, wenn man etwa einen Kinderwagen dabei habe. Auch sei das System der Mitfahrerbänke nicht für alle Generationen geeignet. „Unseren Kindern und Jugendlichen sagen wir schließlich, dass sie nicht zu Fremden ins Auto steigen sollen.“

Geretsried habe ein gutes Linienbusnetz, dazu gebe es noch den Stadtbus im Halbstundentakt. Letzteren lasse sich die Stadt ein jährliches Defizit von 300 000 Euro kosten. Da sei es bestimmt nicht Sinn der Sache, sich mit Mitfahrerbänken selbst Konkurrenz zu machen. Interessant seien Mitfahrerbänke dort, wo der ÖPNV nicht genug Flexibilität biete – konkret für die Strecke zwischen Friedhof und Gut Schwaigwall und dem dortigen Seniorenheim, eventuell auch die Verbindung nach Gelting. Gus-Mayer sieht darin ein Thema für die anstehenden Diskussionsgruppen zum Geretsrieder Stadtleitbild.

Nicht ganz schlüssig ist man sich auch in Bad Tölz. Bürgermeister Josef Janker hatte signalisiert, dass er – wenn überhaupt – die Zuständigkeit bei einer privaten Initiative sehe. Am Treffen im Landratsamt nahm nun Gerhard Grasberger von der Bürgerstiftung teil. Nach seiner persönlichen Meinung ist der Stadtbereich aber gut über den Stadtbus erschlossen. Mitfahrbänke seien eventuell nützlich, um die Nachbargemeinden besser mit Bad Tölz zu verbinden.

„Bis jetzt kann mir aber keiner sagen, wo konkret ein Mitfahrbankerl gewünscht wird.“ Schlauer sei man vielleicht, wenn eine aktuell laufende Umfrage zur Lebenssituation und Mobilität der Senioren in Bad Tölz ausgewertet sei. Als Alternative zur Mitfahrerbank kann sich Grasberger auch vorstellen, vorhandene Fahrdienste, wie sie etwa das Mehrgenerationenhaus anbietet, besser zu koordinieren.

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