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Afghanische Spezialitäten: Jamal Faraki und seine Frau Ingela (Mitte) spendierten den Besuchern einen landestypischen Snack. Ursula Menke (li.) vom Kreisbildungswerk und Laura Röthel von der Caritas hatten die Veranstaltung initiiert. 

Kreisbildungswerk und Caritas

„In Afghanistan droht den Flüchtlingen Schreckliches“

Auf großes Interesse stieß der Vortrag des Afghanen Jamal Faraki im Kleinen Kursaal. 

Bad Tölz – Wie sicher ist Afghanistan? Während die Bundesregierung Flüchtlinge dorthin abschiebt, warnt das Auswärtige Amt vor Reisen nach Afghanistan und spricht von einer „unübersichtlichen Sicherheitslage“ und von einer „Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte“.

Vor diesem aktuellen Hintergrund konnten Kreisbildungswerk und Caritas mit der Einladung eines aus Afghanistan stammenden Referenten einen großen Erfolg verbuchen, der laut Ursula Menke „unsere Erwartungen weit übertroffen hat“. Über 125 Besucher füllten den Kleinen Kursaal an diesem Abend.

Jamal Faraki ist 58 Jahre alt. Als Angehöriger der tadschikischen Volksgruppe ist er 1981 – zwei Jahre nach dem Einmarsch der Russen – aus seiner Heimat geflüchtet, hat in Frankfurt Asyl beantragt und wurde 1985 anerkannt. 1990 erhielt er einen deutschen Pass und fand Arbeit.

Seine Darstellung der geschichtlichen und politischen Entwicklungen in Afghanistan war interessant, ließ aber einige Fragen offen – zu verworren sind die Verhältnisse. Während seiner Jugendzeit war Afghanistan ein fortschrittliches Land mit guten Zukunftsperspektiven. „Wir hatten eine schöne Zeit, und wir waren frei“, erinnerte er sich – bis 1978 die Kommunisten an die Macht kamen und bald darauf russische Truppen das Land besetzten. Seitdem herrscht dort nur noch Krieg – halb Bürgerkrieg verfeindeter Milizen, halb Stellvertreterkrieg ausländischer Mächte.

Erst kämpften von den USA und den Saudis unterstützte Mudschaheddin erfolgreich gegen die Besatzer, doch nach deren Abzug 1989 übernahmen 1996 die Taliban die Macht und errichteten mit Unterstützung von al-Kaida eine islamistische Terrorherrschaft. Nach dem 11. September stürzte der Westen im Herbst 2001 die Taliban. Doch das kriegsgeschundene Land kommt nicht zur Ruhe. Das Hauptproblem besteht für Jamal Faraki schon lange darin, dass „Pakistan Einfluss gewinnen will und das Land destabilisiert“.

Seit 2001 ist er mehrfach nach Afghanistan gereist, um den Menschen zu helfen. Er zeigte Bilder von der Zerstörung, aber auch von einem schönen Land jenseits des Krieges, das fast doppelt so groß wie Deutschland ist und von grandiosen Hochgebirgslandschaften und Seen, Wüsten und fruchtbarem Kulturland geprägt wird.

Viel Glauben an ein Ende des bald 30-jährigen Kriegs konnte man bei Jamal Faraki nicht heraushören. Daher hofft er, dass seine jungen Landsleute, die in den vergangenen Jahren wieder verstärkt nach Deutschland geflüchtet sind, hier bleiben dürfen: „In Afghanistan droht ihnen Schreckliches“, betonte er. In ihren Heimatdörfern würden sie von den wieder erstarkten Taliban als Verräter angesehen und ermordet.

Einige dieser jungen Flüchtlinge waren auch zum Vortrag in den Kleinen Kursaal gekommen. Sicher erscheint ihr Bleiberecht momentan nicht. Doch Faraki sprach ihnen Mut zu und lobte die deutsche Bevölkerung: „Uns schlägt hier eine überwältigende Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft entgegen, 1981 war das noch nicht so.“ (rbe)

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