Kopf an Kopf: Die Wahl zum Bundespräsidenten in Österreich war ein richtiger Krimi. Am Ende setzte sich Alexander van der Bellen (li.) knapp gegen Norbert Hofer durch. Foto: dpa

Wahl zum Bundespräsidenten

So haben die österreichischen Partnergemeinden abgestimmt

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine knappe Entscheidung in der Stichwahl zum Bundespräsidenten in Österreich. Am Ende setzte sich der Grüne Alexander van der Bellen knapp mit 50,3 Prozent der Stimmen gegen den Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ, Norbert Hofer, durch.

In Hinterriss verfolgte Manfred Reindl am Montag die Auszählung der Briefwahlzettel. „Bei so einer knappen Wahl merkt man, dass es auf die eigene Stimme ankommt“, sagt der Wirt des Gasthofs Post. Seine Meinung: „Die Leute haben van der Bellen nicht gewählt, weil er Grüner ist, sondern weil sie nicht wollten, dass es ein Blauer wird.“ So oder so sei es ein großer Strafzettel für die Regierung. Die Jugend, so Reindl, habe sich eher für den Rechtspopulisten Hofer entschieden. „Sie will mit den etablierten Parteien abrechnen.“ Die meisten Gemeinden in Tirol hätten den Kandidaten der FPÖ gewählt. Wobei laut Reindl die konservativen Bürger zu van der Bellen tendierten. „Ich glaube, sie haben Hofer nicht ganz getraut – mit seinen Drohungen, dass er notfalls die Regierung entlassen würde, ist er übers Ziel hinausgeschossen.“ Er selber habe damit gerechnet, dass es ein knappes Ergebnis werde – mit positivem Ausgang für van der Bellen.

Nicht überrascht war Gerhard Zapfl (SPÖ) davon, dass in seiner Gemeinde Nickelsdorf fast 65 Prozent der gut 1500 Einwohner für Hofer stimmten. „Wir haben hier im Burgenland eine spezielle Lage“, sagt der Bürgermeister. Die Partnergemeinde von Geretsried habe vergangenes Jahr die Flüchtlingswelle „geballt“ getroffen: „300 000 Menschen sind hier über die Grenze gekommen. Wir sind von der Bundespolitik im Stich gelassen worden.“ Das sei ein großer Faktor gewesen. Er selbst habe die Wahl relativ ruhig beobachtet: „Als Sozialdemokrat stehe ich weder auf der einen noch auf der anderen Seite.“ Dass am Ende van der Bellen gewann, liegt laut Zapfl daran, dass durch den Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann das Signal für einen Neubeginn gegeben wurde. „Aber die Erkenntnis dieser Wahl lautet: Ein Sieg der Freiheitlichen kann nur verhindert werden, wenn alle an einem Strang ziehen – und das ist bei den Nationalratswahlen 2018 fast unmöglich.“

Mit über 75 Prozent stimmten die Einwohner von Königsdorf im Burgenland – Partnergemeinde von Königsdorf im Landkreis – für Norbert Hofer. Das sei zu erwarten gewesen, sagt Bürgermeister Dieter Wirth (ÖVP). Die Stimmung sei aufgrund der Flüchtlingskrise aufgeheizt. „Wir sind das erste Bundesland hinter der Grenze zu Ungarn. Bei uns sind vergangenes Jahr die Flüchtlingsströme durchgekommen. Wir haben die Ohnmacht der Behörden direkt mitbekommen.“ Am Sonntag habe er selbst die Stimmzettel mit ausgezählt. „Ich habe schon gedacht, dass die Wahl nicht in ganz Österreich eindeutig für Hofer ausgehen wird. Aber ich dachte trotzdem, dass er gewinnt.“ Seiner Meinung nach hätten die Leute im Ort nicht für den FPÖ-Politiker gestimmt, „weil er so ein Sympathischer ist, sondern weil sie Angst haben und verunsichert sind“.

Roswitha Beyer aus Wolfratshausen hingegen ist erleichtert, fast euphorisch. Die gebürtige Kärntnerin und langjährige SPD-Stadträtin hat am Montagabend sogar die Sektkorken knallen lassen, so sehr hat sie sich über den Wahlsieg von Alexander van der Bellen gefreut. Die Wahl zum Bundespräsidenten war ihr ein besonderes Anliegen, denn für Norbert Hofer und seine FPÖ hat die ehemalige Siemensmitarbeiterin rein gar nichts übrig. „Die FPÖ lebt ausschließlich von Destruktion und ist nur auf Angriff gebürstet“, zürnt die Lokalpolitikerin. Van der Bellen attestiert sie ein gutes diplomatisches Geschick. „Ich denke, er wird ein Bundespräsident werden, wie es sich gehört.“

Wahlergebnisse aus befreundeten Gemeinden:

Gemeinde    Hofer     v. d. Bellen

Vomp             57,58          42,42

Eben               56,09          43,91

Schwaz           57,01          42,99

Flaurling         46,90          53,10

Nickelsdorf     64,97          35,03

Königsdorf     75,70          24,30

Stans               55,26         44,74

 

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