+
Zu einer geheimnisvollen Ausstellung unter dem Titel Plus-Minus-Null wird derzeit in die Tölzer Wandelhalle geladen. Auf dem Foto ist das einzige Exponat zu sehen.

Kultur

Kunst aus Pappelschnee: Wandelhalle zeigt „geheimnisvollste Ausstellung, die es hier je zu sehen gab“

Eine Ansammlung von Pappelschnee auf dem Boden, sanft bewegt vom leisesten Lufthauch: So sieht das Kunstwerk aus, das in der Wandelhalle in Bad Tölz zu sehen ist. 

Bad Tölz – Wenig kann auch mehr sein – es kommt nur auf die Präsentation an. Unter dem Titel „+ - 0“ (Plus-Minus-Null) ist seit Kurzem in der Tölzer Wandelhalle „die geheimnisvollste Ausstellung zu besuchen, die es hier je zu sehen gab“. So jedenfalls kündigen sie die Tölzer Künstler Florian Hüttner und Till Krause an, die seit Jahren in dem monumentalen Gebäude an der Ludwigstraße international beachtete Kunstevents organisieren, gefördert vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sowie von Anton Hoefter und der Jodquellen AG.

„Alle Künstler, die hier in den vergangenen Jahren ausstellten, antworteten der Monumentalität des Bauwerks mit eigenem Muskelspiel. Die Größe der Halle verleitet zu Größe“, so Hüttner. Nun aber wird die Hamburger Künstlerin Ina Arzensek die feinen Dimensionen des Bauwerks ins Licht rücken, sind sich Hüttner und Krause einig: „Wir legen das Bauwerk in die Hände der Künstlerin, in deren Kunst sich die stillen, sensiblen, nahezu unsichtbaren Facetten eines Ortes entfalten können.“

Kunstwerk von Ina Arzensek in der Wandelhalle besteht aus Pappelschnee

Geheimnisvoll gestaltet sich schon der Zutritt zur einstigen größten Wandelhalle Europas, als Jodwasser-Trinkkuren internationale Gäste nach Bad Tölz brachten. Heute ist dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der Zahn der Zeit deutlich anzumerken. Die Interessenten dürfen das Gebäude nur einzeln betreten. Zu betrachten gibt es dann in der Mitte des riesigen Raums nur eine Anhäufung von Pappelschnee, den der kleinste Lufthauch in Bewegung bringt. Er besteht aus den Samenfasern der Pappel. In den Sommermonaten überzieht er die Landschaft oder in diesem Fall eben den Fußboden wie Schneeflocken.

Lesen Sie auch: Stadt Tölz und Anton Hoefter nehmen Dialog wieder auf

Eine Anleitung zum Kunstwerk gibt Hüttner in einem Begleittext zur Ausstellung: „Ina Arzenseks Kunstwerke bewegen sich oft an der Grenze zum Unsichtbaren und bestehen aus dem wunderschönen unsicheren Moment, ob und wie überhaupt etwas existent ist. Existiert das künstlerische Ereignis vielleicht erst dadurch, dass wir unsere Wahrnehmung so konzentriert darauf richten? So verfließen die Grenzen zwischen dem Kunstwerk, den konzentrierten Besuchern, der Wandelhalle, und alles wird für einen Moment zur Einheit.“ Gerade, weil sich Arzenseks Kunst allem Lauten und Monumentalen entziehe, „könnte unter ihren Händen die Wandelhalle zum ersten Mal zu einem Gesamtkunstwerk werden“.

Lesen Sie auch: CSU-Stadtgespräch: „Zustände im Badeteil sind unhaltbar“

Ob das allgemein so empfunden wird, muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden. Allerdings scheint sich die Galerie für Landschaftskunst, wie die Wandelhalle in Künstlerkreisen genannt wird, ohnehin immer mehr der Natur anzunähern. Der Eingang ist fast zugewachsen, vor den Fenstern gibt es vom Wind geschaffene Laubgebilde. 

Lesen Sie auch: Warum sich in der Wandelhalle Studenten in Badekleidung auf dem Boden räkeln

Insofern scheint die Präsentation der Künstlerin nur folgerichtig zu sein. Die Ausstellung in der Wandelhalle dauert bis 5. September. Besuchszeiten nur nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 0176/80446538.

Karl Bock

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Widerliche Entdeckung am Vereinsheim in Bad Heilbrunn
Wirklich unappetitlich sind die Taten, die die Polizei aus Bad Heilbrunn meldet. Unbekannte haben dort ein Vereinsheim derartig verschmutzt, dass der Fassadenputz …
Widerliche Entdeckung am Vereinsheim in Bad Heilbrunn
Kloster-Sanierung in Benediktbeuern: Start wird 2020 sein
Im Kloster Benediktbeuern laufen die Vorbereitungen für die umfangreiche Sanierung des Südarkadentrakts. Damit soll im Frühjahr 2020 begonnen werden.
Kloster-Sanierung in Benediktbeuern: Start wird 2020 sein
Knowhow aus Bichl für Nigeria
Auf Einladung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) informierten sich acht Frauen aus Nigeria über Wirtschaftskreisläufe im Oberland.
Knowhow aus Bichl für Nigeria
Winter-Wetter 2019/20: Kult-Orakel wagt mit uralter Methode Schnee-Vorhersage
An Kult-Orakel Sepp Haslinger und seinen Winterprognosen scheiden sich die Geister. Hier lesen sie, was er für das Winter-Wetter 2019/20 voraussagt. 
Winter-Wetter 2019/20: Kult-Orakel wagt mit uralter Methode Schnee-Vorhersage

Kommentare