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Warten aufs Zweirad: Lieferengpässe bei Fahrrädern

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Von: Melina Staar

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Das Rad der Zukunft? Martin Feneberg aus Benediktbeuern verkauft E-Bikes, deren Rahmen aus Bambus gefertigt wurde.
Das Rad der Zukunft? Martin Feneberg aus Benediktbeuern verkauft E-Bikes, deren Rahmen aus Bambus gefertigt wurde. © Arndt Pröhl

Es ist ein beliebtes Gefährt und wird immer beliebter. Doch wer ein neues Fahrrad haben möchte, muss etwas Geduld aufbringen. Fahrrad-Händler aus dem Landkreis spüren Lieferschwierigkeiten bei bestimmten Marken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Neue Fahrräder zu bekommen ist schwierig – so heißt es aktuell immer wieder. Doch ist es wirklich so extrem? Wie sieht die Lage im Landkreis aus? Seit Beginn der Corona-Krise gebe es Lieferschwierigkeiten bei allen Typen von Fahrrädern, vom Kinderrad bis zum Highend-Bike, heißt es von Zweirad Riedelsheimer aus Bad Tölz. Das Problem seien die extremen Vorlaufzeiten bei den Herstellern. „Vor Corona wurden die Räder im August auf der Radmesse bestellt und wurden dann ab Oktober ausgeliefert. Mittlerweile haben wir einen Vorlauf von bis zu 18 Monaten und können dadurch auf individuelle Kundenwünsche nicht mehr reagieren.“ Zumal man auch davon abhängig sei, was die jeweilige Firma zuteile. Besonders schlimm seien die Lieferzeiten bei Rennrädern und Gravelbikes. Auch Ersatzteile wie Verschleißteile hätten lange Wartezeiten. „Wir müssen uns deshalb entsprechend bevorraten, um die langen Lieferzeiten zu überbrücken“. Aufgrund der hohen Frachtkosten seien auch die Preise in den vergangenen beiden Jahren mehrmals angehoben worden.

Lieferschwierigkeiten seit dem Beginn der Corona-Pandemie

Die Lieferbarkeit sei sehr von der jeweiligen Marke abhängig, so die „Gipfelbiker“ aus Lenggries. „Es kommt darauf an, wo die Ware herkommt.“ Marken, die im asiatischen Raum produzieren oder viele Teile von dort beziehen, hätten es gerade schwerer. Hersteller aus Europa würden weiterhin liefern. Um den Kundenwunsch erfüllen zu können, sei es auch wichtig, dass sich die Händler untereinander vernetzen. „Wir reden miteinander und können uns oft mit den Rädern aushelfen.“

Auch bei den „Gipfelbikern“ ist ein Trend hin zum E-Bike festzustellen, wobei es in Lenggries noch ziemlich ausgewogen sei. „Hier gibt es viele Sportler, die legen eher Wert auf ein leichtes Fahrrad.“ Allerdings werde in den nächsten zehn Jahren die Nachfrage nach E-Bikes noch deutlich steigen, sind sich die „Gipfelbiker“ sicher.

„Die Liefersituation im Zweiradbereich ist immer noch sehr angespannt“, berichtet Peter Lindner von der „Baycicle Factory“ in Bad Tölz. In jeder Kategorie gebe es lange Lieferzeiten. Viele Räder würden ein bis eineinhalb Jahre im Voraus bestellt. Zwar erhalte er Fahrradlieferungen, „von denen sind aber die meisten schon von den Kunden vorab reserviert worden“. Die Nachfrage sei ungebrochen hoch. Zwar seien auch Ersatzteile nicht immer leicht lieferbar, aber „ich glaube, dass die meisten Fahrradhändler ihr Lager mit Ersatzteilen gut gefüllt haben“. Natürlich seien die Preise angestiegen. „Die Transportkosten auch für uns werden immer höher und der Verdienst an den Rädern und Ersatzteilen immer schlechter.“ Trotz der momentanen Schwierigkeiten ist Linder überzeugt, „dass die Fahrradbranche und speziell das E-Bike weiter boomen werden und, dass es immer mehr zum Fortbewegungsmittel der Zukunft wird“.

Räder mit Bestandteilen aus Asien haben besonders lange Wartezeiten

Seit 26 Jahren setzt Martin Feneberg von E-Bike Oberland aus Benediktbeuern auf nachhaltige elektrische Fahrräder, wie er betont. Und das zahlt sich für ihn nun aus. Fahrräder nach Kundenwunsch seien meist in unter zwei Monaten da. Er bezieht hauptsächlich E-Bikes eines Händlers, der seinen Sitz in Deutschland hat. „Räder, die keine Bestandteile aus Japan oder China enthalten, bekommt man auch derzeit gut“, sagt er. Entsprechend seien allerdings die Kosten höher – dafür aber die Ausstattung hochwertiger und das Rad langlebiger. Bis zu 50 000 Kilometer könne man laut Hersteller mit einem solchen E-Bike zurücklegen.

Feneberg hat auch etwas Spezielles im Angebot: Räder, deren Rahmen aus Bambus gefertigt ist. In Ghana hergestellt, dienen sie einem guten Zweck, denn ein Teil der Erlöse geht in soziale Projekte in dem afrikanischen Land. Doch bei speziellen Marken merkt auch Feneberg, dass die Lieferung schwierig ist. Auch seien die Kunden derzeit eher zögerlich, Geld in E-Bikes zu investieren. „Die Nachfrage ist zwar grundsätzlich hoch, aber den Krieg spürt man schon.“

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