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Geht auf die Alm: Christina Hitzelsperger.

Valleyerin lässt alles hinter sich

Warum diese Erzieherin als Sennerin auf die Alm geht

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Einfach mal das alte Leben hinter sich lassen und etwas völlig Neues starten: Das wagt die Valleyerin Christina Hitzelsperger in diesen Tagen - und zwar auf einer Alm als Sennerin.

Valley – Die 31-jährige Erzieherin verbringt den Sommer als Sennerin auf einer Alm im Schlierseer Gebiet. Abschied nehmen hieß es kürzlich in der Kindertagesstätte Heilige Familie in Bad Tölz. Denn Erzieherin Hitzelsperger verließ ihre Gruppe, um einer neuen Berufung nachzugehen. „Ich hatte schon immer im Hinterkopf, dass ich einmal länger auf die Alm gehen möchte“, erzählt die 31-Jährige. Ihre Familie habe schon immer eine Alm gepachtet gehabt. „Schon in meiner Kindheit war ich oft oben. Da ist dieser Traum entstanden.“ Immer wieder zog es Hitzelsperger, die auf einem Hof in Valley aufwuchs, zu den Almen. „An der Hochalm habe ich eine Woche lang gelernt.“ Schließlich fasste sie den Entschluss: „Wenn ich es jetzt nicht mache, wann dann?“

Die Alm im Schlierseer Gebiet lernte sie bereits im vergangenen Jahr kennen. Über Bekannte erfuhr sie, dass dort eine Sennerin gesucht wird. „Ich habe vier bis sechs Kälber im Stall.“ Das heißt also jede Menge Stallarbeit. 15 bis 20 Stück Jungvieh stehen draußen auf der Wiese. „Die muss ich jeden Tag suchen, schauen, wo sie sind.“ Meistens seien die Tiere in Grüppchen unterwegs. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Weidepflege, beispielsweise das Ausreißen von giftigen Pflanzen und das Mähen. Auch kleine Bäume muss sie entfernen, Zäune kontrollieren und reparieren.

Drei Hühner hat Hitzelsperger bei sich. „Die habe ich von den Kolleginnen geschenkt bekommen.“ Für sie wurde ein eigener Stall errichtet. Jetzt freut sie sich auf frische Eier an jedem Tag.

Denn versorgen muss sich Hitzelsperger selbst auf dem Berg. „Ich kann mit dem Auto zwar zur Hütte hinfahren, aber das macht man nicht ständig.“ So werde es passieren, dass ihr Bekannte Lebensmittel mitbringen. Denn Besuch hat sich schon allerhand angekündigt.

Einsame Tage fürchtet die 31-Jährige nicht – auch wenn der nächste Nachbar erst hundert Meter weiter unten seine Alm hat. „Das hat mich noch nie abgeschreckt. So kann ich abends den Sonnenuntergang beobachten. Das ist ein ganz besonderes Gefühl.“ Und so ganz alleine sei sie ja nie. „Der Kontakt zu den Tieren, der ist immer da“, sagt Hitzelsperger. „Mit ihnen werde ich mich auch viel unterhalten.“ Dass es nur einen Fleck gibt, an dem sie Handyempfang hat – kein Problem. „Dafür muss ich erst einen Berg rauf und schauen, wo es geht. Aber ich mag ganz gerne mal nicht erreichbar sein.“

Hitzelsperger könnte sich vorstellen, längerfristig als Sennerin zu arbeiten. „Wenn es mir nach diesem Sommer immer noch gefällt, ist das gut möglich.“

Im Winter wird sie weiterhin als Erzieherin tätig sein, allerdings in einer anderen Einrichtung. „Ich habe ja auch diesen Job immer gerne gemacht.“ Und: „Manche Kinder haben sich ganz viele Gedanken gemacht und viel über die Alm gefragt“, erzählt sie. Natürlich waren viele auch sehr traurig. Aber sie musste sich entscheiden: „Ich habe schon immer geahnt, dass das genau das Richtige für mich ist.“

mel

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