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„Um den Tom sind wir total dankbar“: Dekan Martin Steinbach (re.) und Kirchenvorstand Thomas Nether, der den Tölzer Kirchen-Haushalt verantwortet. 

Kandidaten gesucht 

Warum evangelische Kirchenvorstände mehr Verantwortung als ihre katholischen Pendants haben

Ob es um die Renovierung einer Kirche, die Finanzen oder die Einstellung eines Pfarrers geht: Der Kirchenvorstand einer evangelischen Gemeinde trägt viel Verantwortung. Im Oktober werden die Gremien neu gewählt. Gesucht: Kandidaten.

Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach – Rund 31 000 Gemeindemitglieder zählen die zwölf evangelischen Kirchengemeinden im Dekanat Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach. Dekan Martin Steinbach aus Tölz unterscheidet, salopp gesagt, zwischen den Münchner „Speckgürtel“-Gemeinden wie Geretsried, Wolfratshausen, Holzkirchen, Miesbach und zum Teil auch Tölz, wo von der Struktur her viele junge Familien leben und sich kirchlich engagieren. Ein Kindergarten sei ein gutes Indiz für diesen „Typus“. In den „Urlauber“-Gemeinden im Tegernseer Tal, in Lenggries oder Kochel gebe es andere Erfordernisse.

So oder so. Die Kirchenvorstände der jeweiligen Gemeinden tragen viel Verantwortung, deutlich mehr als ihre katholischen Pendants, die Pfarrgemeinderäte. Kirchenvorstände entscheiden zum Beispiel nicht nur über die Finanzen einer Kirchengemeinde, sondern auch übers Personal. Sogar der Pfarrer wird immer abwechselnd vom Landeskirchenrat vorgeschlagen oder vom Kirchenvorstand aus einer Dreier-Vorschlag ausgewählt. Wenn Dekan Steinbach Ende 2020 in den Ruhestand geht, ist übrigens der Landeskirchenrat an der Reihe.

Kirchenvorstand arbeitet beim Bundesamt für Strahlenschutz

Ein verantwortungsvoller Job also? „Ja“, sagt Thomas Nether aus Tölz, der seit 18 Jahren das Amt innehat und quasi von Jugend an dabei ist. In diesen 18 Jahren habe er mitbekommen, wie Kirche und Gremienarbeit funktionieren und wie sich Kirche vor Ort entwickelt. „Das hat mich persönlich weitergebracht.“

„Um den Tom“, sagt Steinbach, „sind wir total dankbar“. Der 36-jährige Beamte beim Bundesamt für Strahlenschutz managt in großer Selbstständigkeit den 1,5-Millionen-Haushalt seiner Kirchengemeinde. Zwei Drittel dieses Haushalt entfallen übrigens auf den Kindergarten.

Nether tritt wieder an, wenn am 21. Oktober, eine Woche nach der Landtagswahl, die Mitglieder der zwölf Kirchengemeinden im Dekanat ihre Kirchenvorstände für sechs Jahre neu wählen. An die Urne dürfen auch schon 16-Jährige und alle Konfirmierten. Erstmals ist heuer in der evangelisch-lutherischen Landeskirche auch Briefwahl möglich. Das hat schon bei den Katholiken zu einer deutlich besseren Wahlbeteiligung geführt.

Die Zahl der Kirchenvorstandsmitglieder orientiert sich an der Größe der Kirchengemeinde. Tölz, Geretsried und Wolfratshausen haben zum Beispiel neben den Pfarrern acht gewählte und zwei berufene Mitglieder. Letztere sind etwa Personen, die aus fachlichen Gründen ausgewählt werden. Nether nennt auch den Fall, dass man aus Proporzgründen ausgleichen möchte.

Gibt es Probleme bei der Nachwuchssuche für die Kirchenvorstände? „Schwierig wird’s, wenn viele gleichzeitig aufhören“, antwortet Nether. Kein Problem ist es, wenn in der Gemeindearbeit Zug herrscht, sagt Martin Steinbach und nennt das Beispiel Miesbach, „die ein Lutherjahr vom Feinsten“ auf die Beine gestellt hätten. „Da läuft’s bestimmt problemlos.“

Info für die Wahl

Am 21. Oktober werden die in Bayern die Kirchenvorstände gewählt. Bis spätestens 17. Juni müssen die Kandidaten benannt sein. Wer Interesse für das Amt hat, soll sich möglichst bald bei seiner jeweiligen Kirchengemeinde melden.

Christoph Schnitzer

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