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Einweihung des Kriegerdenkmals neben der Franziskanerkirche: Wie das Bild aus dem Tölzer Stadtarchiv festhält, sprach damals Alfons Stollreither mahnende Worte. Er war während beider Weltkriege Tölzer Bürgermeister.

Interview mit Florian Völler

Warum der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wichtig ist: 100 Jahre Kriegsende

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Der Name „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ klingt etwas sperrig. Doch der Volksbund erinnert an die Grauen und die Opfer von Krieg und Zerstörung - das ist gerade in diesen Tagen wichtig. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne endete am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge lädt am 100. Jahrestag an diesem Sonntag zum Internationalen Totengedenken auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Gmund ein. Im Kurier-Interview erklärt Florian Völler (34) aus Geretsried, Kreisbeauftragter des Volksbunds, was ihm an dem Gedenken wichtig ist und warum es aus seiner Sicht viele Missverständnisse um den Volkstrauertag gibt, der am Sonntag, 18. November, begangen wird.

Herr Völler, dieser Tage wird allerorten der Revolution von 1918 gedacht, man erinnert an das Ende der bayerischen Monarchie, und es werden 100 Jahre Freistaat gefeiert. Geht in dieser Jubiläumsflut der Jahrestag des Kriegsendes aus Ihrer Sicht zu sehr unter?

Untergehen würde ich nicht sagen. Tatsächlich häufen sich die Gedenktage natürlich. Da sind ja auch noch 80 Jahre Reichspogrom-Nacht und 100 Jahre Frauenwahlrecht – alle diese Ereignisse sind sehr wichtig. Im geschichtlichen Bewusstsein der Menschen ist der Zweite Weltkrieg sicher präsenter als der Erste. Der liegt nun vier Generationen zurück, Zeitzeugen gibt es keine mehr. Doch der Erste Weltkrieg wird oft als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet und hatte enorme Auswirkungen – auf die Entwicklungen, die zum Zweiten Weltkrieg führten, und bis in die Gegenwart hinein. Leider gehört das Gedenken an den Kriegerdenkmälern in den Köpfen vieler Menschen nicht mehr dazu. Dabei wäre genau dies meiner Meinung nach ebenso wichtig, wie gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße zu gehen.

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Warum halten Sie die Erinnerung für so wichtig?

Wir haben das große Glück, seit 73 Jahren in Frieden zu leben. Gerade in einer politischen Situation, in der rechtspolitische Kräfte so starken Zuwachs haben, ist es wichtig, daran zu erinnern, welchen hohen Preis wir für Frieden, Freiheit und Demokratie bezahlt haben.

Der Gedenktag fällt in die Woche, in der erstmals AfD-Abgeordnete an einer Sitzung des bayerischen Landtags teilnahmen. . .

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist erklärtermaßen parteipolitisch neutral und konfessionell ungebunden.

Sie haben – unter anderem in einem Projekt mit der Tölzer Montessorischule – viel über die Auswirkungen des Kriegs im Tölzer Land geforscht. Wie hat die Bevölkerung vor Ort den Krieg erlebt?

Wir haben zu den 173 gefallenen Tölzer Soldaten recherchiert. Das erste Tölzer Kriegsopfer war Josef Schretzenstaller, der am 25. August 1914 vermisst gemeldet wurde. Ihm konnte bis heute kein Grab zugeordnet werden. Der letzte Kriegstote aus Bad Tölz war der Lohnkutscher Isidor Bachleitner, der am 31. Mai 1919 in französischer Kriegsgefangenschaft starb. Für die ländliche Bevölkerung war es 1914 ein großes Problem, dass arbeitsfähige Männer zu den Waffen gerufen wurden – mitten zur Erntezeit. Die Kriegsbegeisterung war hier wohl nicht so groß wie in der Stadt. Hier gab es zudem die sogenannte „Heimatfront“, also das Leid und die Nöte, welche die Daheimgebliebenen zu bewältigen hatten: Hunger, Krankheit und Entbehrung.

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Das Kriegsende war dann ein Grund zur Freude?

Mein Eindruck ist, dass es ein Krieg war, den hier eigentlich keiner wollte, und den man danach versucht hat, möglichst schnell zu vergessen. Es ist das klassische Syndrom, das auch nach dem Zweiten Weltkrieg zu beobachten war und bis heute, etwa nach Auslandseinsätzen der Bundeswehr: Die Soldaten reden kaum darüber, was sie erlebt haben, und deswegen sind viele Informationen und die persönlichen Schicksale einer ganzen Generation in Vergessenheit geraten.

Wie wird die Gedenkveranstaltung in Gmund an diesem Sonntag aussehen?

International. Es nehmen Vertreter der Staatsregierung sowie der Landkreise Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen, des Konsularischen Korps aus mehreren Staaten sowie Bundestags- und Landtagsabgeordnete teil. Danach fahren wir zur britischen Kriegsgräberstätte in Dürnbach, um zusammen mit den britischen Kameraden der Toten zu gedenken. Das Ziel der „Versöhnung über den Gräbern“ ist uns sehr wichtig.

Ums Erinnern und ums Mahnen für den Frieden geht es auch eine Woche später am Volkstrauertag.

Leider wird der Volkstrauertag oft falsch wahrgenommen.

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Inwiefern?

Den ersten Volkstrauertag gab es 1922. Damals wurde aller Toten des Krieges gedacht. In der Zeit von 1933 bis 1945 haben die Nazis ihn dann in einen Heldengedenktag umgedeutet. Es ist bedauerlich, dass das in vielen Köpfen hängen geblieben ist und nun ein gewisses Desinteresse und falsche Interpretationen zusammenkommen. Seit 1950 gibt es den Volkstrauertag wieder. Es geht dabei aber nicht um Heldenverehrung, sondern um alle Opfer von Krieg, Terror, Gewalt und Verfolgung – sei es wegen Herkunft, Glauben oder sexueller Orientierung.

Zum Volkstrauertag haben Sie sich heuer etwas Besonderes überlegt.

Ja, am Abend ist eine besondere Gedenkfeier in der Marktstraße geplant. Dabei soll für jeden der 173 Tölzer Gefallenen des Ersten Weltkriegs eine Kerze angezündet werden. Ich persönlich wünsche mir hier eine rege Teilnahme aus der Bevölkerung, besonders der Schüler, in deren Händen unsere Zukunft ja liegt.

Der erste Weltkrieg dauerte vier Jahre an. 17 Millionen Menschen verloren ihr Leben.

Gedenkveranstaltungen

Sonntag, 11. November, 9.45 Uhr, Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Gmund; Sonntag, 18. November (Volkstrauertag), 10 Uhr, Gottesdienst Stadtpfarrkirche Bad Tölz, dann Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal; zirka 18 Uhr Gedenkveranstaltung in der Marktstraße.

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