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Marianne Hilger arbeitet gerne mit roten Farbtönen. Die Künstlerin verbindet damit Kraft und Weiblichkeit. „Rote Farben sind so pulsierend.“

Kunst

Was bedeutet Frausein heute? Ausstellung im Kunstforum „öha“

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Marianne Hilger beschäftigt sich mit dem Thema Frausein. Ihre Ausstellung ist ab Donnerstag im Tölzer Kunstforum „öha“ zu sehen. 

Bad Tölz– Die Augen, der Blick, die Figur. Irgendwo schon mal gesehen, aber spontan kann man die Umrisse auf der Lithografie nicht einordnen. Marianne Hilger lächelt. „Das ist Barbie.“ Denn hinter diesem schlanken, schematisch dargestellten Frauenkörper wölbt sich ein viel breiterer: hängende Brüste, großer Bauch – eine Venusfigur, die an die rund 30 000 Jahre alte Skulptur aus Willendorf erinnert, vermutlich die älteste Frauendarstellung der Welt.

Es sind Gegensätze wie diese, die Marianne Hilger in ihrer Ausstellung „Bild der Frau/Frau im Bild“ herausarbeitet. Am Donnerstag beginnt die Schau im Kunstforum „öha“ am Tölzer Jungmayrplatz. Der doppeldeutige Titel ist Programm.

Marianne Hilger studierte Kunstgeschichte und christliche Archäologie. „Weibliche Chiffren haben mich schon immer interessiert“, sagt Hilger, die seit 2005 in Bad Tölz lebt. Die künstlerische Auseinandersetzung damit sei „wie eine Explosion gewesen“, nämlich, als sie mit Hilfe von Gabriele Lampadius und auf der Heilbrunner Kunstakademie „EigenArt“ lernte, wie man Lithografien fertigt. Das war heuer im Frühjahr. In den Jahren zuvor fertigte Hilger Installationen und Videoarbeiten und zeigte diese in Memmingen und München. Die nun beginnende Schau ist Hilgers erste große Einzelausstellung in Bad Tölz.

Die Werke tragen Titel wie „Ekstase“ oder „Oh my Godness: Female Sexiness“. Letzteres sind 18 Transferdrucke auf Papier unter Verwendung von Öl-und Acrylfarben, und zwar allesamt in unterschiedlichen Rot-Tönen. Rot ist für Hilger die Farbe des Kraftvoll-Weiblichen. „Es ist so pulsierend.“

„Frauenpower“-Emoji

Für die Lithografien hat Hilger entweder Schablonen gefertigt oder Frauen-Darstellungen aus (Kunst-)Katalogen ausgeschnitten, zum Beispiel antike Venus-Figuren und Göttinnen der griechischen, römischen und sumerischen Mythologie. Die Besucher werden auch ein zeitgenössisches „Frauenpower“-Emoji von Whatsapp entdecken, nämlich eine schwungvolle spanische Tänzerin.

In einem speziellen Verfahren bannt Hilger diese schwarz umrahmten Figuren auf einen farbigen Hintergrund. Manchmal befindet sich die Figur auf den Umrissen einer Gebärmutter. „Eine künstlerisch tolle Form“, schwärmt Hilger. „Sie erinnert mich immer an einen Schmetterling. Sie hat so etwas Kraftvolles.“

Interpretationen jedoch überlässt Hilger dem Betrachter – und findet es immer wieder interessant, was die Besucher in diesen Bildern entdecken und schlussfolgern. Da gibt es zum Beispiel Frauengestalten, die aus den uralten Venus-Darstellungen Kraft zu ziehen scheinen; andere wollen daraus ausbrechen. Hilger beschreibt ihre Ausstellung selbst als ein „Kaleidoskop“: „Ich gebe keine Antworten.“ Die Bilder sollen zum Nachdenken anregen, sagt sie. Auch darüber, was denn „Frausein“ in unserer heutigen Gesellschaft bedeutet – einer Welt, in der nicht selten das Urteil der Männer eine große Rolle spielt.

Als Feministin möchte sich Hilger nicht bezeichnen. „Das klingt mir zu militant.“ Die Künstlerin will dazu einladen, sich mit möglichst vielen Bildern übers Frausein zu beschäftigen, positiven wie negativen. „Frausein hat viele Facetten. Es gibt nun mal Phasen im Leben, da läuft es ganz anders als geplant.“

Infos zur Ausstellung

Die Schau „Bild der Frau/Frau im Bild“ wird am Donnerstag, 30. November, um 19 Uhr im Kunstforum „öha“ am Tölzer Jungmayrplatz eröffnet. Die Ausstellung, übrigens die letzte in der Galerie von Christian Stadelbacher, ist diesen Freitag, Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Info-Telefon: 0176/ 30 07 66 00

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