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„Weiheämter auch für Frauen“: Mi t dieser Forderung stoßen die Initiatorinnen vom „Maria 2.0“ auf viel Zustimmung. 

„Maria 2.0“

„Was wäre die Kirche ohne Frauen?“

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Frauen sollen Diakoninnen und Pfarrerinnen werden können: Mit dieser Hauptforderung ruft diese Woche die katholische Initiative „Maria 2.0“ bundesweit zu Protesten auf. Von den Frauen im Landkreis gibt es viel Rückendeckung.

Bad Tölz-Wolfratshausen„Biblisch begründet spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, dass Frauen das Priesteramt ausüben“, sagt Schwester Margit Bauschke, Missionsdominikanerin aus Schlehdorf. Sie führt die Ostererzählung ins Feld, nach der Maria Magdalena, nachdem sie das Grab Jesu leer vorgefunden hatte, die Botschaft von der Auferstehung weitertrug. „Sie hat also das Amt des Verkündens ausgeführt“, sagt Schwester Margit. Ganz lebenspraktisch argumentiert die Missionsdominikanerin, dass Frauen bereits viele Tätigkeiten ausüben. „Was täte die Kirche ohne Frauen? Ich fände es nur ehrlich, wenn dieser Dienst nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit der Zulassung zu einem Weiheamt offiziell honoriert würde.“ Dass Frauen Diakoninnen werden können, sei ein realistisches Ziel.

Auch Marlene Fleischmann, Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Egling, zählt auf, welche Aufgaben Frauen in der katholischen Kirche erledigen. Sie teilen die Kommunion aus, tragen die Lesung vor, halten Wortgottesdienste, gestalten Maiandachten, geben „zu 90 Prozent“ Kommunionunterricht und halten die Firmstunden ab – und dem Eglinger Pfarrgemeinderat gehören sieben Frauen und zwei Männer an, zählt Marlene Fleischmann auf. Nur der Gedanke, dass eine Frau Pfarrerin wäre – „das wäre für mich schon gewöhnungsbedürftig“, gibt sie zu. Marlene Fleischmann hat auch die Sorge, ob eine Pfarrerin von den Gläubigen akzeptiert würde. Doch rein rational sagt sie: „Es wird wahrscheinlich so kommen, denn damit es überhaupt mit der Kirche weitergeht, muss sich etwas ändern.“

Margit Maier-Marth hingegen ist überzeugt: Frauen zu Weiheämtern zuzulassen, „wird nicht alle Probleme der katholischen Kirche lösen“. Die Münsinger Pfarrgemeinderatsvorsitzende war bis vor zehn Jahren selbst evangelisch und stellt fest: „In der evangelischen Kirche gibt es Pfarrerinnen. Aber die Probleme, dass es zu wenig Nachwuchs gibt, dass sie keine Leute in die Kirche bekommen und es viele Kirchenaustritte gibt, bestehen dort genauso.“ Natürlich, meint Margit Maier-Marth, sei es nicht gut, dass Frauen der Zugang zu Weiheämtern versperrt bleibe. Letztlich sei es aber „nur sehr wenig, was den Frauen in der katholischen Kirche verwehrt bleibt“. Daher würde sie selbst nicht auf die Barrikaden gehen. „Aber es ist gut, dass der Streik Themen von Kirche und Glauben ins Bewusstsein bringt.“

„Ohne Frauen in der Kirche geht es nicht“

Voll und ganz hinter der Aktion von „Maria 2.0“ steht Maria Öttl, Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Heiligen Familie in Bad Tölz. „Ich habe schon vor vielen Jahren gefordert, dass die Frauen in der Kirche in den Streik treten“, sagt sie. „Aber damals habe ich dafür nur schiefe Blicke geerntet.“ Es müsse jedem bewusst sein, „dass es ohne Frauen in der Kirche nicht geht“. Dabei werde allerdings vieles auf Ehrenamtliche „abgewälzt“, während „Einfluss und Anerkennung“ für die Frauen ausbleibe.

Das Diakonat für Frauen zu öffnen, „das hätte man schon vor 20 Jahren machen können“, sagt Johanna Öttl. Bei Pfarrern übrigens stoße der Wunsch nach mehr Gleichberechtigung übrigens nicht unbedingt auf taube Ohren, so Öttls Erfahrung. Ältere seien oft sogar offener als die Jüngeren.

Würde sie selbst gern Pfarrerin werden? „Die Frage habe ich mir noch nicht gestellt“, antwortet die Tölzer Gemeindereferentin Brigitte Blösl. „Ich arbeite gerne als Frau in der Kirche“, sagt sie. Aber es dürfe sich auch gerne etwas verändern. „Ich würde mich über das Frauen-Diakonat freuen“, sagt sie. Frauen in Weiheämtern würden aus ihrer Sicht dazu beitragen, dass die Kirche ein vielfältigeres Gesicht bekommt. Auch könnten Frauen dann ihren eigenen Blick und ihre eigene Art einbringen. Wenn Frauen jetzt streiken, findet das Brigitte Blösl gut. „Man merkt dann, was ohne uns in der Kirche fehlen würde. Und es drückt aus: Überlegt es euch noch mal, welchen Stellenwert ihr uns Frauen gebt.“

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