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Geld statt Punkte ist einer der zentralen Punkte, der „wee“ von anderen Bonus-Systemen wie „Payback“ unterscheidet. Das Foto zeigt das Plakat neben dem Parkhaus an der Bockschützstraße in Bad Tölz, das die Blicke vieler Passanten auf sich zieht.

Wirtschaft

Revolution des Einkaufens?

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Im Landkreis soll schon bald ein neues, revolutionäres Bonus-System namens „wee“ eingeführt werden. Das erklärte Ziel ist es, den lokalen Einzelhandel zu stärken und den Kunden attraktive Rabatte zu gewähren. Die Idee dazu hatte der gebürtige Tölzer Cengiz Ehliz.

Bad Tölz– Cengiz Ehliz hat eine Vision: Der 46-Jährige will „die Zukunft des Einkaufens weltweit revolutionieren“. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er ein neuartiges Cashback-System namens „wee“ entwickelt, das es dem Unternehmer zufolge bereits in 23 Ländern gibt. In naher Zukunft soll sich das Projekt auch in Deutschland etablieren. Da der gebürtige Tölzer den Landkreis nach wir vor als seine Heimat ansieht, soll er einer der ersten Landstriche werden, wo „wee“ eingeführt wird.

„Wir wollen 100 000 Euro in die Region investieren“, sagt Ehliz. „Unser Ziel sind 20 000 Neukunden für den lokalen Einzelhandel, die unsere Karte nutzen.“ Zunächst aber müssen die Einzelhändler mit ins Boot geholt werden, weshalb derzeit Vertriebspartner der weeCONOMY AG zur Akquise in den Geschäften, Gastronomie-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben unterwegs sind. „Bislang machen 15 Shops mit“, sagt Ehliz, der noch keine Namen nennen will. Der Unternehmer geht davon aus, dass es bis Ende des Monats 40 sein werden. Insgesamt seien weltweit bereits rund 10 000 Händler Teil der „wee“-Gemeinschaft.

Cengiz Ehliz, Unternehmer mit Tölzer Wurzeln

Hinzu kommen Ehliz zufolge über 1000 Online-Shops wie „Otto“ oder „Saturn“. Denn „wee“ hat es sich laut dem Unternehmer zum Ziel gemacht, den lokalen Einzelhandel mit der Online-Shopping-Welt zu verbinden. Die Kunden, sagt Ehliz, kaufen sowieso im Internet ein, worunter der Einzelhandel logischerweise zu leiden habe. Genau an diesem Punkt setzt Ehliz an, denn online gesammelte „wee“ können nur im lokalen Handel eingelöst – oder direkt über das eigene Girokonto ausbezahlt werden (siehe Kasten).

Ganz nebenbei kann man so auch noch etwas Gutes tun: Wer will, kann von seinen „wee“ etwas an „wee-Charity for Kids“ spenden. Die Organisation unterstützt benachteiligte Kinder in aller Welt. „100 Prozent der Spenden fließen in die Projekte, ohne Bearbeitungsgebühr“, betont Ehliz, der übrigens der Onkel des bekannten Eishockey-Nationalspielers Yasin Ehliz ist, der seine Karriere beim EC Bad Tölz begonnen hat. Deshalb werden bei den Playoffs derzeit auch „wee“-Karten verteilt.

Klingt alles recht vielversprechend. Dennoch gab es in der Vergangenheit auch die eine oder andere negative Schlagzeile, wonach es sich beim Vertrieb von „wee“ um ein angebliches Schneeballsystem handle. Die Vorwürfe treffen Ehliz nach eigenen Angaben hart, sie seien nachweislich Teil einer Cyber-Mobbing-Kampagne gegen ihn. „Je erfolgreicher man ist, desto mehr Neider hat man“, sagt der zweifache Vater, der mit seiner Familie heute in Starnberg lebt. „Ich finde das mittlerweile echt beängstigend und lasse das juristisch auch verfolgen.“ Wäre an den Vorwürfen etwas dran, argumentiert Ehliz, wäre er sicher auch nicht vor Kurzem in den Europäischen Wirtschaftssenat berufen worden.

Wichtiges Thema für die Stadt

Der Tölzer City-Manager Falko Wiesenhütter will sich kein Urteil über „wee“ erlauben. Er beobachte das Projekt aber interessiert, da sich auch die Stadt viele Gedanken darüber mache, wie man den lokalen Einzelhandel in Zeiten der Digitalisierung stärken kann. „Das ist ein sehr wichtiges, aber auch ein sehr schwieriges Thema“, sagt Wiesenhütter. Im Moment gebe es sehr viele Anbieter, die auf diesen Zug aufspringen wollten. „Es meldet sich bestimmt einmal pro Woche jemand, der über mich an das Händlerverzeichnis rankommen möchte.“ Ein Vertreter von „wee“ war bislang nicht darunter.

Beispiel: So funktioniert das „wee“-System

Wenn der Verbraucher mit seiner „wee-Karte“ oder der entsprechenden App im Internet oder im Handel vor Ort einkauft, erhält er einen bestimmten Rabatt. Die Höhe des Nachlasses bestimmt der Händler selbst, der natürlich auch Mitglied der „wee“-Gemeinschaft sein muss. „Die meisten“, sagt Cengiz Ehliz, „gewähren Rabatte zwischen dreieinhalb und zwölf Prozent.“Bei Lidl beispielsweise seien es zehn Prozent. Diese Rabatte werden in „wee“ umgerechnet. Dabei entspricht ein „wee“ einem Euro. 

Der Kunde kann sich diese entweder direkt auf sein Giro-Konto ausbezahlen lassen oder – und so soll der lokale Einzelhandel gestärkt werden – der Verbraucher kauft mit seinen im Internet gesammelten „wee“ beim Händler vor Ort ein. Die „wee“ werden sofort angerechnet. Der Kunde erhält für seine Treue also keine Punkte, die er irgendwann gegen „unnütze Prämien“ (Ehliz) eintauschen kann, sondern bares Geld

Und die Händler? Die bekommen aus Sicht des Unternehmers unter anderem die Möglichkeit, ihr Firmenprofil in der digitalen Welt – also auf der Homepage von „wee“ – zu präsentieren und so wettbewerbsfähig zu bleiben. Darüber hinaus werden dem Händler über virtuelle Promotion kostenlos neue Kunden zugeführt. „wee“ spricht von einem „globalen Online-Marktplatz“. Im Gegenzug zahlen die Händler ein Service-Entgelt, das nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in der Schweiz zum Beispiel in die Entwicklung der IT und der App fließt. Wie hoch dieses Service-Entgelt ist, hängt von der Höhe des Rabatts ab, den der Händler gewährt. Die Hälfte davon bekommt der Kunde als Cashback (englisch für „Geld zurück“). Die anderen 50 Prozent gehen an „wee“. 

Aus dem Englischen übersetzt heißt „wee“ übrigens so viel wie„winzig“. Diesen Namen hat Cengiz Ehliz gewählt,weil er „aus etwas Winzigem etwas Großes“ machen möchte – und weil der Markenname noch frei war.

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