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Volles Haus: Die Diskussion um die Öffnung der Bahnbrücke Gaißacher Straße für den Autoverkehr fand starkes Interesse bei den Tölzern.

Pro und Kontra Öffnung der Bahnbrücke  

Weg mit der Linksabbiegespur!

Das Thema brennt offenbar unter den Nägeln. Trotz schönsten Sommerwetters war das Infotreffen Pro und Kontra Öffnung der Bahnbrücke Gaißacher Straße im „Kolberbräu“ bestens besucht. Viele Gegner artikulierten ihre Sorgen. Aber auch einige Befürworter meldeten sich zu Wort.

Bad Tölz – Da staunten Franz Mayer, Camilla Plöckl, Ulrike Bomhard und René Mühlberger. Fraktionsübergreifend hatten sie zu einem Infotreffen eingeladen, nachdem über 320 Anlieger mit Unterschrift gegen die Wiederöffnung der jetzt maroden und künftig neuen Bahnbrücke Gaißacher Straße für den Autoverkehr protestiert hatten. Weit über 100 Tölzer kamen und wollten mitdiskutieren. Das geschah unter der Leitung von Andreas Wild geordnet, sachlich und zumeist sehr fair.

Die Gegner hatte sich gut vorbereitet und sogar eine kleine Powerpoint-Demonstration mit dem klangvollen Titel „Die Brücke“ vorbereitet. Die Kernaussage: Eine Öffnung der künftigen neuen Brücke werde in einem reinen Wohnquartier Schleichverkehr anziehen. Die Prognose aus dem Verkehrsentwicklungsplan, dass bis zum Jahr 2030 allenfalls 100 Autos mehr über die Brücke fahren werden, wurde – wie in zahlreichen Redebeiträgen – massiv angezweifelt. Wenn doch sogar für eine reine Anliegerstraße wie den nahen Winacker 1700 Fahrzeugbewegungen am Tag prognostiziert würden. Ein weiterer Kernsatz: Für 12 Häuser an der Osterleite werde ein ganzes Wohnviertel belastet.

Die Elternbeiratsvorsitzende der Südschule, Monica Schuster-Hervath, ergänzte die Ausführungen als „Stimme der Kinder“. Sie vermisste Schutzräume für Kinder, deren dort täglich zahlreiche unterwegs seien. Und sie war überzeugt, dass mit einer Öffnung der Bahnbrücke für Autos die Bemühungen der Schule, Kinder zum Gehen zu animieren, konterkariert würden. Der Schulweg werde für die Eltern viel zu gefährlich.

Franz Mayer (Grüne) hatte es eingangs übernommen, den Sachstand zu erläutern und Argumente für die Öffnung aufzulisten: Etwa die rechtliche Widmung als befahrbare Brücke, die nur mit fundierter sachlicher Begründung aufgegeben werden könne. Der Urzustand (geöffnet) müsse also wieder hergestellt werden. Die bessere Beweglichkeit innerhalb des Quartiers, die Entlastung des ohnehin vorhandenen Schleichwegs Ruhlandstraße sowie die Schaffung eines weiteren Rettungsweg waren weitere Gründe für die Öffnung, die Plöckl (SPD), Mühlberger (CSU) und Bomhard (FWG) besteuerten. Bomhard: „Und wenn der Verkehr wirklich so enorm zunimmt wie befürchtet, kann man ihn ja mit Poller stoppen.“ Versetztes Parken und Verkehrsüberwachung wurden als weitere „Erziehungsmaßnahmen“ aufgezählt.

Eine Maßnahme, die An-der-Hofwies-Anwohner Anton Reiserer ins Gespräch brachte, ist wohl nicht empfehlenswert. Er wies auf die durchgängig niedrigen Straßenbreiten im ganzen Wohnviertel hin, vor allem am engen Schlauch an der Osterleiten-Abfahrt zum „Schuss“. Das sei immens gefährlich für Fußgänger. Seiner Lösung (Gehwege) widersprach aber auch Brückenöffnungs-Gegner Mario Lössl vehement. Damit würden die jetzt für Fußgänger, Radler und Fahrzeuge nutzbaren Wege erst zu reinen Autostraßen. Auch Franz Mayer riet dringend ab. Im Winter, so ein Anlieger, werde es aber dennoch unglaublich eng werden.

Lössl hatte eine andere Anregung: Die Stadt könne doch jetzt schon Einfluss auf die Navi-Hersteller nehmen, damit „Schuss“ und Ruhlandstraße bei Staus nicht automatisch als Umleitung empfohlen werden. Ein anderer Anlieger hatte dazu einen Rat parat: Wird das Quartier als Anliegerstraße gemeldet, wird es automatisch aus den Navi-Systemen gelöscht.

Mehrere Redner, darunter Anneliese Linseisen, machten die Linksabbiegespur von der Umgehungs- zur Gaißacher Straße zum Hauptverantwortlichen für das Verkehrsdilemma. „Der Linksabbieger gehört weg.“ Dafür gab’s viel Beifall.

Die Osterleiten-Anlieger Christine Lax und Susanna Kiening verliehen den wenigen Öffnungs-Befürwortern eine Stimme. „Den Verkehr, den sie nicht haben, haben wir obendrauf“, meinte Lax und erinnerte daran, dass auch die Osterleite einmal sehr beschaulich gewesen sei. Nämlich vor der Schaffung der Fußgängerzone Marktstraße. Susanna Kiening legte Wert darauf, dass die Stadträte nicht nur einigen 100, sondern 19 000 Einwohner, gerecht werden müssen. Die auch am Mittwochabend viel beklagte Zunahme von Lärm und Verkehr ist nach Kienings Meinung vor allem hausgemacht: „Sie und alle müssen weniger fahren.“

Andreas Büchl aus der Gaißacher Straße fand es am Ende des Abends interessant, dass sich vor allem Zugezogene zu Wort gemeldet hätten. Er störte sich daran, dass nur formuliert worden sei, „was nicht geht, und nicht das, was machbar ist“. An den Schleichweg Bahnbrücke glaubte er kein bisschen. Man könne zum Beispiel nicht von der Gaißacher Straße nach links zur Flinthöhe abbiegen, und in der Kolpingsstraße kürze man in der Regel auch nicht ab, sondern stehe erst einmal. „Das gibt sich nichts.“

Das Schlusswort hatte Camilla Plöckl, die resümierte: „Wenn, ich betone, wenn wir die Brücke für Autos öffnen, dann muss es sehr vorsichtig geschehen.“ Und sie forderte angesichts des großen Bürgerinteresses, dass das Thema nicht nur im Bauausschuss, sondern im Stadtratsplenum diskutiert wird.

Von Christoph Schnitzer

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