So sieht das neue Herzkatheterlabor im Tölzer Krankenhaus aus: Chefarzt Prof. Dr. Hans Ulrich Kreider-Stempfle und Oberärztin Dr. Rima Lange stehen gerade am Untersuchungstisch. 
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So sieht das neue Herzkatheterlabor im Tölzer Krankenhaus aus: Chefarzt Prof. Dr. Hans Ulrich Kreider-Stempfle und Oberärztin Dr. Rima Lange stehen gerade am Untersuchungstisch. 

Corona-Auswirkungen 

Optimale Versorgung in Klinik zum Teil nicht genutzt

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Bereits Anfang April warnten die Ärzte der Asklepios-Klinik Bad Tölz davor, aus Angst vor einer Corona-Infektion notwendige Therapien bei Herzkrankheiten hinauszuzögern. Trotzdem mieden die Patienten vorübergehend das Krankenhaus – obwohl kaum Covid-19-Patienten behandelt wurden.

Bad Tölz – „Leider hatten wir in der Corona-Hochphase im März und April schon vereinzelte Fälle, in denen Patienten trotz akuter Erkrankung erst sehr spät in die Klinik kamen oder sehr spät einen Arzt kontaktierten und damit gravierende Folgen für ihre Gesundheit riskierten“, sagt Sprecher Christopher Horn auf Nachfrage. Auch allgemein sei die Zahl der Patienten in der Notaufnahme vorübergehend zurückgegangen. Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen zum Beispiel bedürfen aber einer sofortigen Behandlung, betont Horn.

Das Tölzer Krankenhaus ist dafür nach eigenen Angaben bestens gerüstet: Seit drei Jahren gibt es einen 24-Stunden Herzkatheter-Bereitschaftsdienst an der Stadtklinik. Seit Anfang des Jahres sorgt zudem ein hochmodernes Herzkatheterlabor zusätzlich „für eine optimale Versorgung der Patienten mit Infarktsymptomen“.

Einige kamen trotz akuter Erkrankung erst sehr spät in die Klinik 

„Bei einem drohenden oder bereits eingetretenen Herzinfarkt erfolgt die unmittelbare Aufnahme in unser Herzkatheterlabor zur Diagnostik und, falls erforderlich, zur sofortigen interventionellen Therapie rund um die Uhr“, erklärt Prof. Hans Ulrich Kreider-Stempfle, Chefarzt eines Teams von interventionellen Kardiologen am Tölzer Krankenhaus. Das neue Labor setzt laut Konzernangaben auf High-Tech und eine patientenfreundliche Umgebung. „Direkt über dem Untersuchungstisch haben die Ärzte und Pflegekräfte auf vier großen Monitoren alle laufenden Anwendungen und Untersuchungsschritte hochauflösend im Blick“, heißt es in einer Pressemitteilung. Ein weiterer Vorteil: die Bedienung direkt vom Untersuchungstisch aus. So können die Ärzte dem Patienten die Befunde rasch zeigen. Die Untersuchungszeit verkürze sich dank der modernen Technik ebenfalls.

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Besonders erwähnenswert ist aus Sicht der Klinik die Erweiterung der Diagnosemöglichkeiten durch das neue Labor. Möglich macht das unter anderem die integrierte Messung des intravaskulären Ultraschalls. Das neue Labor biete zudem einen besseren Einblick in die Koronargefäße. „Dank eines deutlich größeren Blickfeldes lassen sich die Aortenklappe und ein Großteil des Aortenbogens oder sämtliche Koronargefäße in nur einer Ansicht visualisieren und somit besser darstellen“, freut sich Prof. Kreider-Stempfle.

Seit drei Jahren gibt es einen 24-Stunden Herzkatheter-Bereitschaftsdienst an der Klinik

Jetzt müssen sich die Patienten nur noch trauen, ins Krankenhaus zu kommen, wenn sie Infarktsymptome haben. Vor einer Ansteckung mit Covid-19 im Tölzer Krankenhaus muss sich Horn zufolge niemand fürchten: „Durch eine strikte Trennung der Bereiche zur Versorgung von Covid-Fällen besteht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko für andere Patienten.“ Außerdem wurden in Tölz ohnehin nur „vereinzelt“ Corona-Patienten behandelt.

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Wie berichtet kehren die Krankenhäuser in Bayern inzwischen schrittweise zum Regelbetrieb zurück. Neben dringenden, nicht aufschiebbaren Eingriffen sind nun auch wieder Operationen und Behandlungen möglich, die längerfristig geplant wurden. Ungeachtet der schrittweisen Rückkehr zum Normalbetrieb sei die Stadtklinik auch weiterhin gut auf die Versorgung von Covid-19-Patienten vorbereitet.

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