Amtsgericht

Wegen schlechter Noten: Schüler täuscht Raubüberfall vor

Ein 19-jähriger Tölzer muss wegen Vortäuschens einer Straftat 32 Stunden Sozialdienst verurteilt. Weil er nach schlechten Noten Angst vor der Reaktion seiner Eltern hatte, hatte er sich eine haarsträubende Geschichte ausgedacht, um von seinen Schulproblemen abzulenken.

Bad Tölz/Wolfratshausen Der junge Mann hatte Schwellungen an der Stirn, eine Schürfwunde an der rechten Wange und war ziemlich aufgeregt, als er zwei Polizisten erzählte, was ihm widerfahren war. In der Schulgasse in Bad Tölz sei er kurz zuvor ausgeraubt worden. Drei Burschen hätten ihn überfall, ihm Geldbeutel und Handy abgenommen, berichtete der 19-jährige Tölzer. Die Polizei setzte unverzüglich ein Verfahren wegen schwerem Raub in Gang, suchte in der Stadt nach den vermeintlichen Tätern. Doch schon bald musste das „Opfer“ eingestehen: „Die Geschichte war erfunden.“ Vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Wolfratshausen musste er sich nun wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten. Er wurde zu Sozialdienst verurteilt.

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In der Verhandlung erzählte der Angeklagte leicht beschämt, was ihn zu den falschen Angaben im März 2018 getrieben hatte. Er habe in der Schule so schlechte Noten gehabt, dass er die Probezeit nicht bestanden habe und die Schule verlassen musste. „Ich hatte Angst, meine Eltern zu enttäuschen“, sagte der Tölzer, der 2016 die Mittlere Reife erworben hatte, auf der weiterführenden Schule aber bei zwei Anläufen versagte. Der vermeintliche Überfall habe seine schlechten schulischen Leistungen in den Hintergrund rücken sollen. Nach dem Motto: Hauptsache, dem Buben ist nichts passiert, alles andere ist nicht so wichtig.

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Damit das Ganze möglichst echt aussah, habe er sich selbst mit einen Stein gegen die Schläfe geschlagen und sich Schürwunden in die Wange gerieben. „Ich habe nicht daran gedacht, was ich damit in Gang setze. Ich weiß heute, dass es ein großer Fehler war“, zeigte sich der Angeklagte einsichtig.

Richter Urs Wäckerlin fand deutlichere Worte. „Das war ein riesengroßer Scheiß, den sie hier gebaut haben“, hielt der Jugendrichter dem 19-Jährigen unmissverständlich vor. „Die Polizei hat wirklich Besseres zu tun, als Straftaten nachzugehen, die Schüler vortäuschen, um ihre Eltern zu besänftigen.“ Weil durch solche falschen Anschuldigungen möglicherweise andere Leute in Verdacht gerieten und im schlimmsten Fall ins Gefängnis müssten, obwohl alles erfunden und erlogen gewesen sei, sei das Verhalten des Angeklagten „eine Straftat“, machte Wäckerlin deutlich. Er verurteilte den Tölzer zu 32 Stunden Sozialdienst.

Rudi Stallein

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