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Lob für Jäger und Förster: Mit enormem Aufwand wurden die Wildfütterungen geräumt. Das Wild nimmt’s, wie man sieht, dankbar an. Für Publikum ist die Schau-Fütterung in Vorderriß derzeit allerdings nicht zugänglich.

Interview

Wegen Schneelage: Wildtiere dürfen nicht geschossen werden und auch Hundehalter sollten Rücksicht nehmen

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Bei dieser Schneelage wäre es ein grober Verstoß gegen den Tierschutz, Wildtiere zu schießen. Die Untere Jagdbehörde hat deshalb dazu aufgerufen, den Jagdbetrieb einzustellen.  Auch Wanderer, Tourengeher Hundebesitzer werden zur erhöhten Rücksichtnahme aufgefordert. 

Bad Tölz-Wolfratshausen –Die schweren Schneemassen haben die Menschen auf Trab gehalten. Während sich das Leben in den Städten und Dörfern wieder normalisiert, darf das Wild nicht aus den Augen verloren werden. Warum, das erklärt  Rudolf Plochmann, Leiter des Tölzer Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten.

Die Jagdbehörde hat dazu aufgerufen, die Jagd einzustellen. Warum dieser Schritt?

Die Jagd wurde bereits vergangene Woche eingestellt. Die Witterung war so extrem, dass man diese verbieten musste. Die Tiere müssen in Ruhe gelassen werden, damit sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Es wäre keine gute Idee, sie jetzt zu stören.

Was bedeutet das für den Wildbestand?

Das Rotwild hätte noch Jagdzeit, aber diese Tiere stehen an den Fütterungsstellen, dort darf ohnehin nicht gejagt werden. Beim Rehwild wären noch vier bis fünf Tage Jagdzeit gewesen, das Gamswild hat sowieso Schonzeit. Wir befinden uns ohnehin am Ende der Jagdzeit. Die Auswirkungen sind daher sehr gering.

Wie wichtig sind die Wildfütterungen in dieser Zeit?

Das Rotwild weiß, dass es dort etwas zu fressen bekommt. Würde es nichts bekommen, würde es einen gewaltigen Schaden im Wald anrichten und etwa Rinden abfressen. Aber hier muss ich ein großes Lob an die Berufsjäger und die Forstmitarbeiter aussprechen: Sie haben es jederzeit geschafft, zu den Fütterungsstellen zu kommen. Mit Spezialfahrzeugenhaben sie die Wege geräumt und aufwendig die Stellen freigeschaufelt. Sie haben die Situation mit Bravour bewältigt.

Lawinengefahr für Gämsen

Was könnte die Situation für das Wild verschärfen?

Normalerweise müsste sich die Lage in ein paar Wochen entspannen. Die größten Winterverluste an Wild gibt es aber normalerweise durch Lawinen. Die Gams geht dorthin, wo eine Lawine runtergekommen ist. Denn dort kommt das Altgras wieder zum Vorschein. Damit befindet sie sich aber im gefährlichen Bereich auf der Südseite und könnte in eine erneute Lawine geraten. Die zweite Gefahr ist die, wenn es im ausgehenden Winter noch einmal heftig schneit, also Ende Februar oder Anfang März. Dann sind die Tiere schon sehr geschwächt. Die Lage jetzt ist angespannt, aber nicht hochdramatisch. Die Tiere haben noch Fettreserven vom Herbst. Problematisch ist es nur für Tiere, die von vornherein geschwächt waren oder krank sind.

Haben andere Tiere im Wald auch mit dem Schnee zu kämpfen?

Viel größere Probleme haben eigentlich Tiere wie etwa der Mäusebussard, der Kauz oder der Fuchs. Alle die, die sich normalerweise von Mäusen ernähren. Denn die Mäuse laufen natürlich nicht über den Schnee, die bewegen sich unterhalb davon. Sie sind somit für die Tiere nicht erreichbar.

Landratsamt ruft Wanderer, Tourengeher und Hundebesitzer zu erhöhter Rücksichtnahme auf

Normalerweise wird das Wild im Winter von den Jägern gefüttert. Doch was ist schon normal in diesem Januar? Derzeit liegt der Schnee so hoch, dass sowohl Jäger als auchWildtiere nur noch schwer zu den Fütterungen gelangen. Diese besondere Situation nimmt die Untere Jagdbehörde im Landratsamt zum Anlass, Bürger und Jäger zu erhöhter Rücksichtnahme aufzufordern. 

Von Natur aus ist das Wild auf die Wintermonate gut vorbereitet: Es fällt in die sogenannte Winterstarre. „Hirsche und Rehe reduzieren im Winter ihre Körpertemperatur, um Energie einzusparen“, schreibt Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts. Das Herz der Tiere schlägt nur noch 30- bis 40-mal statt 60- bis 70-mal pro Minute. Die Reaktionsfähigkeit ist stark gemindert. Teilweise stehen die Tiere reglos in der Landschaft. Werden die Tiere gestört und zur Flucht gezwungen, fährt der Körper den Stoffwechsel wieder hoch. Das Resultat: Das Wild verbraucht unnötig Energie und äst notgedrungen Knospen und Baumrinde – und richtet so Schäden im Wald an. 

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Deshalb appelliert das Landratsamt eindringlich an Wanderer, Schneeschuhgeher und Tourenskifahrer, ausschließlich die vorhandenen Wege, Pisten und Wege zu nutzen und die Bereiche von Wildfütterungen zu meiden.Hundebesitzer werden aufgefordert, darauf zu achten, dass ihre Tiere keinem Wild nachjagen. „Hunde können sich auf dem verfestigten Schnee leicht fortbewegen, das schwerere Wild bricht ein und ist dann leicht zu greifen.“ 

Das Landratsamt dankt ausdrücklich allen Jägern, die ordentliche Fütterungen betreiben. Das ist momentan angesichts der Schneelage schwer genug. Und es klappt oft nur, wenn schon im Herbst ausreichend Vorrat zu den Fütterungen gebracht wurde. Es gibt aber auch Reviere, wo nicht gefüttert wird und wo die Jäger unbedingt möglichst viel Wild erlegen wollen, teils, um den Abschussplan zu erfüllen. Dieses Verhalten kritisiert die Behörde mit scharfen Worten: „Es ist eingrober Verstoß gegen den Tierschutz, wenn man jetzt bei dieser Schneelage auf Wildtiere schießt“, schreibt Schmid. Der Jagdberater des Landratsamts, Vollrad von Poschinger, ergänzt: „Die Abschusspläne sollen grundsätzlich so früh wie möglich im Jahr erfüllt werden, um dem Wild im Winter seine Ruhe gewähren zu können.“

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