Griff zur Flasche: Als es im Beruf und privat Probleme gab, ertränkte sie Klaus P. im Alkohol
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Griff zur Flasche: Als es im Beruf und privat Probleme gab, ertränkte sie Klaus P. im Alkohol.

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Weihnachtsaktion: Der lange Weg eines trockenen Alkoholikers zurück ins Leben

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Auf dem Höhepunkt seiner Sucht trank Klaus P. deutlich mehr als 20 Dosen Bier am Tag. Seit knapp zwei Jahren ist der Mann aus dem Südlandkreis trocken. Der Weg zurück in ein normales Leben gestaltet sich trotzdem schwierig.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Klaus P. (Name geändert) hatte alles: Einen gut bezahlten Job als Fachinformatiker für Systemintegration. Ein schönes Auto. Eine glückliche Beziehung. Heute lebt der Mann aus dem Südlandkreis im „Jodquellenhof“ in Bad Tölz. In dem ehemaligen Sterne-Hotel kommen viele Menschen vorübergehend unter, die keine bezahlbare Wohnung finden. So auch Klaus P. Dabei will der Mittdreißiger nach einem erfolgreichen Entzug sein Leben endlich wieder in den Griff bekommen. Im Moment könnte er aber nicht einmal die Kaution für eine Wohnung entrichten – geschweige denn sich ein Bett kaufen. Seine Hoffnungen ruhen nun auf der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur.

Wer für die Weihnachtsaktion von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur spenden möchte, findet hier die Kontoverbindungen.

Der Absturz des Fachinformatikers kam schleichend. „Es fing mit einem gemütlichen Feierabendbier an“, sagt Klaus P. Im Laufe der Zeit griff er immer öfter zur Flasche: Als es in der Beziehung zu der Mutter seines ersten Kindes kriselte, zum Beispiel. Oder als er sich als IT-Dienstleister selbstständig machte und die Geschäfte nicht so gut liefen wie erwartet. Es begann ein Teufelskreis. Als die Aufträge ausblieben, hatte Klaus P. viel freie Zeit. Zu viel. „Ich konnte morgens schon ein Bier trinken.“ Irgendwann hatte Klaus P. durchschnittlich drei bis vier Promille im Blut. Morgens suchte er den Weg zwischen dem Bahnhof und dem Schulzentrum nach leeren Energy-drink-Dosen ab. Die Jugendlichen lassen viele dort liegen, sagt der trockene Alkoholiker. „Das Pfand reichte immer für ein paar Biere.“

Ein Schlüsselerlebnis änderte Ende 2018 alles. Klaus P. erlitt damals einen Krampfanfall auf offener Straße, kam ins Krankenhaus – und erkannte, dass es so nicht weitergeht. „Wenn ich dauerbetrunken sein muss, um leben zu können, kann ich nicht für meine Kinder da sein.“ Der inzwischen zweifache Vater machte einen Entzug. „Seit dem 28. Januar 2019 bin ich trocken.“

Erwerbsunfähig wider Willen

Im Leben zurück ist er trotzdem noch lange nicht – vor allem, weil er von der Rentenkasse als erwerbsunfähig eingestuft worden ist. Beantragt hat Klaus P. diesen Status nie. Er will ihn auch nicht, sagt er. Von der Erwerbsunfähigkeitsrente, die auf den Hartz-IV-Satz aufgestockt wird, kann er kaum leben. Sich eine Arbeit zu suchen, traut er sich nicht. Würde er arbeitslos werden, wäre das Jobcenter nicht mehr für ihn zuständig, weil er als erwerbsunfähig eingestuft worden ist. Klaus P. hätte keinen Anspruch mehr auf Sozialleistungen.

„Das ist Perlen vor die Säue“, sagt Robert Pölt von der Wohnungslosenhilfe der Caritas Bad Tölz, wo Klaus P. schon länger in Beratung ist. Der Mittdreißiger sei körperlich und geistig völlig fit, habe seine Sucht im Griff und könnte aus Sicht von Pölt ganz normal arbeiten. Dass die Rentenkasse ihn für erwerbsunfähig erklärt hat, versteht Pölt nicht. „Das kennen wir eigentlich nur andersherum.“ Eigentlich ist es selbst für sehr kranke Arbeitnehmer häufig gar nicht so einfach, als erwerbsunfähig eingestuft zu werden.

Eine Dach über dem Kopf und eine Tür zum zumachen reichen ihm

Wegen der Corona-Pandemie wurde das entsprechende Gutachten von der Rentenkasse für Klaus P. auf der Grundlage von Akten erstellt. „Ich weiß aber nicht, welche Akten das sein sollen.“ Anrufe und Briefe brachten bislang nichts. „Und Geld für einen Anwalt hat er nicht“, sagt Barbara Stärz, ebenfalls von der Wohnungslosenhilfe der Caritas. Sie und Pölt vermittelten den Fall Klaus P. an die Heimatzeitung und hoffen auf Spenden für ihren Klienten. „Er hat sich selbst in eine Problemlage gebracht, aber sich auch aus eigener Kraft wieder rausgezogen“, betont Pölt.

Spenden würden es Klaus P. unter anderem ermöglichen, eine Kaution zu bezahlen, sollte er eine geeignete Wohnung finden. „Ich bin nicht anspruchsvoll“, sagt der Mittdreißiger. Ein Dach über dem Kopf, eine Tür zum Zumachen und ein eigenes kleines Bad – mehr brauche er nicht. Wichtig sei ihm lediglich die Nähe zu Bad Tölz, damit er seine kleine Tochter weiterhin jedes Wochenende sehen kann. Außerdem hilft er fünfmal pro Woche beim Mittagstisch der Caritas mit, um seinen Tagen zumindest ein wenig Struktur zu verleihen. „Daran klammere ich mich.“

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