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Inzidenz im Tölzer Land knackt Rekordwert: Mutter fordert Maskenpflicht im Unterricht

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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Immer mehr positive Befunde: Bei knapp 300 lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag im Landkreis. dpa
Immer mehr positive Befunde: Bei knapp 300 lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Donnerstag im Landkreis. © dpa

Nie war die Inzidenz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen höher als derzeit. Bei knapp 300 lag sie am Donnerstag. Da die bayerische Krankenhausampel weiter auf Grün steht, hat der hohe Wert keine Konsequenzen. Genau die fordert aber eine Mutter.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Sabina Kieslich ist Mutter eines Zehntklässlers an der Geretsrieder Realschule. Die ist mit aktuell 32 positiven Fällen in 13 verschiedenen Klassen besonders belastet. Aber auch an zahlreichen anderen Schulen – von der Grund- bis zur Berufsschule – wird die Liste der positiven Befunde immer länger.

Hohe Inzidenzen in Bad Tölz-Wolfratshausen: Mutter besorgt um Schulkind

Wurden im vergangenen Schuljahr noch alle Kinder einer Klasse in Isolation geschickt, wenn es einen positiven Fall gab, sind es jetzt nur noch die unmittelbaren Kontaktpersonen. „Das ist nicht richtig, wie das läuft. Wir Eltern schicken unsere Kinder gesund zur Schule und müssen erwarten, dass diese infiziert heimkommen und unter anderem Geschwisterkinder, Eltern und weitere Kontaktpersonen anstecken“, so Kieslich. „Ich habe Angst um meinen Sohn.“

Corona in Bayern: Mutter fordert Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht

Bei der Regelung, die ganze Klasse in Quarantäne zu schicken, sei es zudem möglich gewesen, eben auch die ganze Klasse im Distanzunterricht zu betreuen. „Jetzt sitzen die zwei, drei Betroffenen zu Hause und müssen schauen, wie sie alleine klarkommen“, sagt Kieslich. Sie fordert als sofortige Schutzmaßnahme die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht.

Das sieht allerdings die Vorgabe des bayerischen Kultusministeriums so generell nicht vor. Die zuständige Kreisverwaltungsbehörde könnte laut der aktuellen bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung zwar „zusätzliche Schutzmaßnahmen insbesondere bei einem regional hohen Ausbruchsgeschehen“ ergreifen. Und ja, es gebe derzeit eine steigende Anzahl von Fällen an den Schulen. Ob die Ansteckung aber wirklich im Unterricht passiere oder in der Freizeit und nur durch die stetigen Testungen in der Schule offenkundig werde, sei unklar.

Video: Das Corona-Update für Bayern

Durch die Testungen sei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in einer Schule deutlich geringer als im privaten Bereich. Zudem können positive Kinder schneller ermittelt und so Infektionsketten unterbrochen werden. „Wir versuchen mit den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, die Basis für einen langfristigen und vor allem sicheren Präsenzunterricht zu schaffen“, sagt Landrat Josef Niedermaier auf Anfrage. Man versuche, möglichst allen gerecht zu werden, „und nicht hypernervös zu reagieren“.

Corona: Auch jenseits der Schulen steigt das Infektionsgeschehen

Er verstehe, so Niedermaier weiter, dass die Lockerung der Regeln für Verunsicherung bei einigen Eltern sorge. „Letztes Schuljahr wurde alles radikal streng gehandhabt, dieses Jahr sind die Lockerungen genauso radikal. Das ist dem Vertrauen in die Politik nicht gerade förderlich. Allerdings hat man dazugelernt und kann die Risiken auch für Kinder nach wissenschaftlichen Grundlagen neu bewerten.“

Aber auch jenseits des Infektionsgeschehens an Schulen und Kindertageseinrichtungen steigt die Zahl der positiven Befunde drastisch. Zuletzt waren die Neuinfektionen so hoch, dass das Gesundheitsamt beim Bearbeiten der Fälle und Weitermelden ans Robert-Koch-Institut nicht mehr tagesaktuell hinterherkam.

Derzeit haben die Labore beispielsweise 699 positive Fälle an die Behörde gemeldet. Registriert beim RKI sind aber nur 576, weil das Gesundheitsamt vor der Weitermeldung Kontakt zu jedem Fall aufnehmen muss. Die Ermittlung der weiteren Kontaktpersonen verzögert sich entsprechend. „Wir haben schon letzte Woche personelle Unterstützung bei der Regierung angefordert, wie es die Vorgaben des Ministeriums auch vorsehen, um das in den Griff zu bekommen“, sagt Niedermaier. „Bislang gab es lediglich die Zusage von eineinhalb Stellen.“

Das eine oder andere Fest hat zu einer Fülle an Corona-Ansteckungen geführt

Natürlich betrachtet er die steigenden Infektionszahlen mit Sorge. „Das ist nicht lustig. Manche scheren sich aber auch um gar keine Vorsichtsmaßnahmen mehr.“ Generell „fordere ich noch einmal alle Ungeimpften auf, endlich was zu tun“.

Nach wie vor ist das Infektionsgeschehen im Landkreis diffus. Es habe sich aber schon gezeigt, dass das eine oder andere größere Fest eine Fülle von Ansteckungen nach sich gezogen habe. Oft erfahre das Landratsamt erst im Nachgang davon. „Wir gehen dem nach, um möglichst alle Kontaktpersonen zu erwischen.“ Niedermaier ruft noch einmal zur Vernunft auf: „Wenn sich jemand infiziert, dann seid’s ehrlich und sagt Euren Kontakten Bescheid, was los ist!“

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