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16 Gedichte von Herbert W. Franke (2. v. li.) waren im Planetarium zu hören.

Lesung

Weltraumgedichte und Sphärenklänge im Planetarium

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Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Doch die Uraufführung des „Astropoeticon“ mit Science-Fiction Autor Herbert W. Franke im Planetarium  Bad Tölz überraschte.

Bad Tölz – Im Tölzer Planetarium gehen die Lichter aus. Das Publikum versinkt in den kuschlig weichen Sesseln. In der Kuppel erscheinen abstrakte Weltraum-Bilder und eine Simulation des Sternenhimmels über Tölz. Aus den Lautsprechern dringen Sphärenklänge. Der Eglinger Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke liest mit ruhiger Stimme seine Weltraumgedichte vor. Wie wird das Publikum auf diese fast schon meditative Uraufführung reagieren? Entsteht eine Schlafwagen-Atmosphäre? Nicken die Zuhörer ein? Ist irgendwann womöglich nur noch ein gleichmäßiges Schnarchen zu hören?

Planetariums-Leiter Albert Maly-Motta war im Vorfeld etwas mulmig zu Mute, wenn er an die Uraufführung dachte. Er plädierte dafür, die Lesung sicherheitshalber möglichst kurz zu halten, um eine Blamage zu verhindern. Doch nach 22 Minuten stand fest: Maly-Mottas Sorgen waren unbegründet. Das Experiment glückte. Keiner der 25 Zuhörer musste gegen Schlaf ankämpfen. Im Gegenteil: Die Mischung aus Gedichten, meditativer Musik und Bildern erwies sich als ebenso ungewöhnlich wie spannend. Und nicht nur Maly-Motta hätte sich gewünscht, dass die Lesung noch etwas länger gedauert hätte.

„Astropoeticon“ im Planetarium Bad Tölz: Premiere geglückt, Fortsetzung denkbar

Die Geschichte des „Astropoeticon“ reicht bis 1979 zurück. Damals war Weltraum-Maler Andreas Nottebohm zu Franke gekommen. Er wollte ein Buchprojekt verwirklichen und bat Franke, für jedes der Motive ein Gedicht zu schreiben. Franke stimmte zu, wählte eine außergewöhnliche Form. Er verzichtete auf Reime und verwendete eine sehr reduzierte Sprache ohne ganze Sätze. „Die Sprache soll dazu dienen, Assoziationen zu erzeugen“, erläuterte der Autor. 40 Jahre lang lagen die Werke bei den Akten, ehe sie nun wieder an die Öffentlichkeit gelangten.

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In einem der 16 Gedichte philosophiert Franke über den Flug einer Raumsonde: „Ziel im Ungewissen, die Sonnensegel aufgespannt, der Heimathafen jenseits von Raum und Zeit, Sensoren ins Leere gerichtet, Signale aus dem Dunkelfeld, Schaltkreis in Wartestellung, Eiskristalle in den Zellen ohne Blut, die Erinnerung getilgt, die Vergangenheit erloschen. Dasein zwischen Traum und Tod. Ob es ein Erwachen gibt?“ In einem weiteren Gedicht machte sich Franke Gedanken über Schwarze Löcher: „Katastrophe im Hyperraum, schwarze Löcher in die Leere gerissen. Das Ende oder doch ein Beginn? Der Weg zur anderen Seite, Brücke zu fremden Räumen – und drüben?“

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Nach der Lesung gab der Autor Einblick in die Entstehungsgeschichte der Gedichte: „Wenn man in der Nacht in der freien Natur den Sternenhimmel über sich sieht, steigen Gefühle auf, die nichts mit unserer Existenz und unserer Erde zu tun haben.“ Erfrischend offene Antworten gab Pressesprecherin Susanne Päch in der Diskussionsrunde. So wollte einer der Zuhörer wissen, nach welchen Kriterien sie die Musik zu den Weltraumgedichten ausgewählt habe. „Zum einen sollten sie zu den Texten passen“, antwortete Päch. „Und zum anderen sollte sie nicht zu viel kosten.“

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Nach dem gelungenen Experiment mit den Gedichten könnte sich Franke vorstellen, das Projekt weiter zu entwickeln. „Denkbar wäre beispielsweise, dass Musiker zu den Texten und Bildern improvisieren.“

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