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In 125 Städten und Gemeinden Bayerns gibt es schon eine Sicherheitswacht. Die Polizei wünscht sich mehr solche ehrenamtlichen Streifengänger. Die Bürgermeister im Landkreis reagieren jedoch zurückhaltend.

Sicherheitswacht

Wenig Begeisterung für Bürger auf Streife

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Bürger, die ehrenamtlich durch den Ort patrouillieren und nach dem Rechten sehen: So eine „Sicherheitswacht“ wünscht sich die Polizei in mehr Städten und Gemeinden. Auf diese Weise Präsenz zu zeigen, helfe, das Sicherheitsgefühl der Menschen zu verbessern, heißt es. Unter den Bürgermeistern im Landkreis herrscht da eher Skepsis.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Das Gewaltverbrechen von Höfen war für die Polizei mit ein Anlass, Sicherheitswachten anzuregen. Gerade den brutalen Doppelmord hält der Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel aber für ein schlechtes Beispiel für den Einsatz von ehrenamtlichen Hilfspolizisten. „Man kann nur hoffen, dass eine Sicherheitswacht nie solchen Kriminellen begegnen würde. Denn gegen Gewaltverbrecher von dieser Dimension hätten die Ehrenamtlichen keine Mittel, etwa Waffengewalt, zur Verfügung.“

In Zusammenhang mit Höfen seien es vielmehr die Profis von der Polizei gewesen, die hervorragende Arbeit geleistet hätten – nicht nur bei der Aufklärung, sondern auch bei der Betreuung und Beratung der Bürger. „Das hat viel Sicherheitsgefühl zurückgebracht.“

Eher könnte sich Demmel vorstellen, dass sich eine Sicherheitswacht um eher alltägliche Themen kümmert, etwa Betrunkene, sie sich daneben benehmen, oder Vandalismus. „Aber das funktioniert bei uns auch ohne offiziellen Charakter sehr gut. Der Jugendbeauftragte oder der Mesner gehen schon mal abends durchs Dorf.“

Konkret im Gespräch war die Einführung einer Sicherheitswacht bereits in Wolfratshausen. „Die Polizei hat das vorgeschlagen, als es um die Frage des Sicherheitsdienstes für die Asyl-Gemeinschaftsunterkünfte ging“, berichtet Bürgermeister Klaus Heilinglechner. „Die Polizei hat angeboten, die Ausbildung zu übernehmen.“ Das Stadtoberhaupt stellte das Thema zunächst zurück – bis nun das bayerische Sozialministerium bewilligte, zumindest vorübergehend einen professionellen Sicherheitsdienst für die Gemeinschaftsunterkunft an der Heimgartenstraße abzustellen, der auch in der Einrichtung am Loisachbogen nach dem Rechten schauen soll. Diese Lösung ist Heilinglechner deutlich lieber. Denn die Bürger-Sicherheitswachten sieht er mit gemischten Gefühlen. „Es kann sein, dass sie eine abschreckende Wirkung haben“, sagt er. „Andererseits würden da Ehrenamtliche Aufgaben es Staates übernehmen. Und die Leute, die sich dafür melden, müssten schon ganz genau durchleuchtet werden.“

Das sieht der Tölzer Rathauschef Josef Janker ähnlich. „Für polizeiliche Aufgaben ist die Polizei da“,, sagt er. „Es wäre besser, die Polizei zu verstärken und personell besser aufzustellen.“ Eine Sicherheitswacht dagegen habe im Ernstfall gar nicht die nötigen Befugnisse, um viel auszurichten. „Man sieht es ja schon an unseren Verkehrsüberwachern. Sie dürfen theoretisch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten. Aber wenn sie einen Radler sehen, der die Marktstraße hinunterbrettert, könnten sie höchstens ,Stopp!‘ rufen. Anhalten muss er deshalb nicht. Bei Radfahrern, die sich sowieso um nichts scheren, wäre die Erfolgsquote gering.“

Grundsätzlich gelte: „Die Polizei ist für die Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig“, wie auch Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller klarstellt. „Daran würde auch eine Sicherheitswacht nichts ändern.“ Trotzdem könne im Einzelfall „eine Ergänzung der polizeilichen Arbeit“ sinnvoll sein. „Wir beobachten die aktuellen Diskussionen sehr genau und werden uns dieses Themas über kurz oder lang auch in Geretsried annehmen.“

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