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Suchen ein neues Zuhause: Diese Fundkatze wartet mit ihrem Jungen bei Hans Fichtner auf eine neue Bleibe – und kostet dem Tierheim jeden Tag Geld.

Verein beschwert sich

Zu wenig Geld fürs Tölzer Tierheim

Bad Tölz - Kommunen müssen für die Versorgung von Fundtieren aufkommen. Zwischen Gemeinden und dem Tölzer Tierheim kommt es darüber aber seit Jahren immer wieder zu Unstimmigkeiten. 

Die Situation ist ziemlich verfahren – und das seit Jahren: Auf der einen Seite ist beim Betrieb des Tierheims Maria Much in Bad Tölz in der Zeit von 2010 bis 2014 ein Minus von rund 150.000 Euro aufgelaufen. Hans Fichtner, der Vorsitzende des Tölzer Tierschutzvereins, klagt: „Die Gemeinden zahlen einfach nicht für die Fundtierversorgung. Die größten Schuldner sind Bad Tölz, Lenggries und Kochel.“

Andererseits erklären gerade die drei angesprochenen Kommunen, dass sie sehr wohl ihren Verpflichtungen nachkämen und dass das Tierheim seit 2012 keine Rechnungen mehr an sie gestellt hat. Diesen langen Zeitraum erklärt Fichtner mit „einfach zu viel täglicher Arbeit“. Er bemängelt zudem, dass die Kommunen bei den für das Jahr 2012 gestellten Rechnungen zu viel weggestrichen hätten.

„Wenn ich vom Tierschutzverein eine Rechnung bekomme, dann wird die genauso auf Ordnungsmäßigkeit geprüft wie jede andere Handwerker-Rechnung. Wenn alles passt, dann bezahlen wir“, erklärt dazu der Kochler Bürgermeister Thomas Holz. Freilich fügt er im selben Atemzug an: „Wenn ich heute eine Rechnung aus dem Jahr 2012, also von vor vier Jahren bekomme, dann wandert die erst einmal ungelesen in die Ablage.“ Auch Franz Schöttl, der Zweite Bürgermeister von Lenggries, erklärt: „Die letzte Rechnung, die wir bekommen und bezahlt haben, ist von 2012. Seither ist keine Rechnung mehr gekommen. Wenn nichts kommt, zahlen wir auch nichts.“

Kommunen müssen für die Fundtiere aufkommen, die in ihrem Gemeindegebiet aufgegriffen werden – laut Gesetz sechs Wochen lang. „Wir zahlen sowieso schon freiwillig für drei Monate“, sagt der Tölzer Bürgermeister Josef Janker. Bis zum Jahr 2011 hatte die Stadt eine freiwillige Pauschale von 5000 Euro jährlich bezahlt. „Aber diese Vereinbarung hat damals Herr Fichtner aufgekündigt. Jetzt machen wir halt eine Einzelabrechnung, obwohl mir ein jährlicher Pauschalbetrag lieber wäre, weil er mit weniger Aufwand und vor allem weniger Ärger verbunden ist.“ Wegen der Höhe der Pauschale hatte Janker „eine abgeschlossene Jahresrechnung“ verlangt. Freilich hätte er die leicht erhalten können. Da die Stadt Mitglied im Tierschutzverein ist, hätte ein Vertreter der Stadt nur zu Hauptversammlungen gehen müssen. Dann hätte sie, wie jedes andere Mitglied auch, Einsicht in die Jahresrechnung erhalten, so Fichtner.

In erster Linie wegen des Geltinger Tierheims, das kurz vor der Pleite stand, war in der Bürgermeister-Dienstbesprechung im Februar einstimmig beschlossen worden, dass alle Kommunen 25 Cent pro Einwohner und pro Jahr Zuschuss an die Tierheime zahlen (wir haben berichtet).

„An diesem Grundsatz rüttelt auch keiner“, sagt Stefan Fadinger, der Gaißacher Bürgermeister und stellvertretende Sprecher des Gremiums. „Das ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“, empört sich Fichtner. Zudem verweist er auf steigende Ausgaben, da er seinen Aushilfen jetzt ja auch den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde bezahlen müsse: „Und außerdem weiß ich davon offiziell nichts. Das habe ich so auch nur der Presse entnommen.“

Michael Grasl, der Münsinger Rathauschef und Sprecher der Landkreis-Bürgermeister, hat schon versucht, beide Seiten an einen Tisch zu bekommen. Ohne Resultat, da Fichtner „in Verhandlungen etwas schwierig“ sei.

Nun besteht eine Chance auf Verbesserung der verfahrenen Situation: Noch im Juni soll bei der Dienstbesprechung der Landkreis-Bürgermeister ein Experte des Bayerischen Gemeindetags eine Mustervereinbarung präsentieren über die bereits angesprochenen 25 Cent pro Einwohner und Jahr. „Dann kann jede Gemeinde selbst entscheiden, mit wem sie eine Vereinbarung über die Fundtierversorgung abschließt“, erklärt Grasl. Der Zuschuss könne auch individuell erhöht werden. So haben die Städte Wolfratshausen und Geretsried bereits beschlossen, pauschal 50 Cent jährlich zu bezahlen. Aber davon hat das Tölzer Tierheim nichts. Das Geld geht an die Geltinger Einrichtung.

Fichtner will nun einen neuen Weg beschreiten: „Ich fahre unseren Tierschutzverein doch nicht an die Wand. Da in der Satzung kein Wort steht, dass wir ein Tierheim betreiben müssen, werden wir dieses ausgliedern.“ Er plant, für den Betrieb des Heims eine gemeinnützige GmbH zu gründen. „Dann kann jeder sehen, wie schlecht es finanziell um unser Tierheim bestellt ist.“

Die Hauptversammlung des Tölzer Tierschutzvereins findet am Dienstag, 28. Juni, um 19 Uhr im Café am Wald statt.

Ewald Scheitterer

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