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Allzeit einsatzbereit: Dadurch sammeln sich bei den Polizisten im Landkreis reichlich Überstunden an.

Inspektionen unterbesetzt

Zu wenig Polizisten, zu viele Überstunden

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Bad Tölz-Wolfratshausen - In der Tölzer Inspektion sind zehn Stellen nicht besetzt. Jeder Mitarbeiter schiebt im Schnitt 89 Überstunden vor sich her.

„Chronisch unterbesetzt“ sei die bayerische Polizei. Das gibt Landtagsabgeordneter Florian von Brunn (SPD) in einer Pressemitteilung bekannt. 2472 Vollzeit-Beamte fehlten zum 1. Februar bayernweit. In Bad Tölz sind es zehn Stellen, die zur Sollstärke von eigentlich 50 Vollzeitkräften fehlen, in Kochel ist ein Mitarbeiter zu wenig beschäftigt. In Wolfratshausen fehlen sogar elf Beamte, in Geretsried sind es fünf. „Ja, es ist durchaus eng“, sagt der Tölzer Polizeichef Bernhard Gigl. Nicht jeder Pensionist sei ersetzt worden, man habe viele Abgänge hinnehmen müssen. „Und es wird eher noch mehr. Die geburtenstarken Jahrgänge kommen langsam ins Rentenalter.“

Das Problem: Vor einigen Jahren gab es ein ziemliches Loch beim Nachwuchs. „An den Einstellungen wurde gespart, und die Auswirkungen bekommen wir jetzt zu spüren“, sagt Gigl. Jede Dienststelle leide unter dieser Entwicklung. Aktuell seien viele Beamte in der Grenz- und Schleierfahndung im Einsatz. „Das ist gerade politisch brisant. Aber normale Inspektionen tun sich schwer, neues Personal zu bekommen.“

Die Konsequenz: Die Polizisten sammeln jede Menge Überstunden an. In der Tölzer Inspektion sind es im Schnitt 89 pro Mitarbeiter. „Wir sind ja 24 Stunden im Einsatz“, sagt Gigl. Dazu kommen Einsatztrainings und andere Aufgaben, durch die Überstunden anfallen. Auch die sieben Beamten in Kochel haben rechnerisch je 48 Überstunden angehäuft.

Unsicher fühlen müsse sich im Isarwinkel aber niemand. „Es ist nicht vergleichbar mit Regionen wie Waldkraiburg oder Traunstein“, so Gigl. Dort, im Grenzbereich, gebe es regelmäßig Einbruchsserien. Der Isarwinkel eigne sich eher weniger für solche Straftaten. „Wir haben keinen direkten Autobahnanschluss, die Gefahr für Täter ist größer, dass sie in eine Kontrolle kommen. Außerdem ist die Anonymität nicht so groß“, sagt Gigl. Während er sich natürlich über die niedrige Kriminalitätsrate freut, sieht er auch die Kehrseite: „Das nimmt uns natürlich auch die Argumente, mehr Personal anzufordern.“

In nächster Zeit sei keine Besserung in Sicht, sagt Gigl. Das Problem kann sich laut Reinhold Merl, Personalratsvorsitzender der Polizei für das Gebiet Oberbayern, eher noch verschärfen – durch eine „Pensionierungswelle“. Selbst wenn nun viele Beamte neu angestellt würden, käme die Entlastung laut Merl zu spät. Denn „bevor die neu angeworbenen Polizisten in die Dienststellen versetzt werden, durchlaufen sie eine dreijährige Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei.“

Die Debatte ins Rollen gebracht hatte Landtagsabgeordneter Florian Streibl (Freie Wähler). Die Staatsregierung mache den Menschen vor, man könne mit Kräften der bayerischen Polizei die Grenzen sichern. Dies sei „dreist“. Er forderte, dass „rasch die personellen Ressourcen der Polizei verbessert werden. Die Staatsregierung scheint damit leider überfordert zu sein.“

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