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Ein Positivbeispiel für ein barrierefreies Freizeitangebot ist das Alpenwarmbad Benediktbeuern.

Ferien für alle

Wenig Werbung um Urlauber mit Handicap

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Viele Menschen suchen im Internet nach barrierefreien Urlaubs- und Freizeitangeboten im Landkreis. Doch weil sich manche Anbieter scheuen, als behindertengerecht für sich zu werben, bleibt die Informationslage lückenhaft.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Behinderung oder diverse Einschränkungen im Alter sind kein Grund, auf Urlaubsreisen und Freizeitaktivitäten zu verzichten. Allerdings haben die betroffenen Menschen besondere Bedürfnisse und wollen oder müssen sich vorab genau informieren, inwieweit welche Einrichtungen für sie nutzbar sind. Einen Überblick für den ganzen Landkreis will in dieser Hinsicht der „Freizeitkompass Barrierfrei“ bieten. Initiator Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises, bedauert allerdings, dass bisher zu wenige Betreiber ihre Angebote dort eintragen.

Schon vor acht Jahren hat Seifert die Seite www.freizeitkompass-barrierefrei-toelzerland.de mit Hilfe des Beuerberger Programmierers Ulrich Maier online gestellt. Seifert räumt ein, dass das Internet-Angebot einige Zeit „vor sich hindümpelte“. Jetzt aber hat er eine erstaunliche Entwicklung beobachtet. Verzeichnete die Seite anfangs gerade einmal rund 1000 und im Jahr 2016 dann 3000 Besucher pro Monat, stieg das Interesse heuer sprunghaft an: „Jetzt, Mitte 2017, sind wir bei der doch stolzen Zahl von 20.000 Besuchern pro Monat angekommen.“

Die Nachfrage ist also offensichtlich vorhanden. Jetzt ist es Seifert ein Anliegen, dass die Internetnutzer, die auf die Seite gelangen, dort auch nicht enttäuscht werden. Denn noch immer bietet die Seite nicht das breite Informationsspektrum, das sich der Behindertenbeauftragte wünschen würde. „Hotels und Pensionen sind es definitiv noch zu wenige“, stellt er fest.

Viele Inhaber von Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben seien zurückhaltend, hat der Benediktbeurer beobachtet. Dabei sei es gar nicht nötig, zu 100 Prozent barrierefrei zu sein, um sich auf der Seite einzutragen. „Manchmal haben die Bäder zum Beispiel nur eine Türbreite von 70 Zentimeter. Das ist zwar nicht behindertengerecht. Aber für jemanden, der Multiple Sklerose hat und aus dem Rollstuhl aufstehen kann, um durch die Tür zu gehen, ist das egal.“ Die Arten der Einschränkungen seien individuell sehr verschieden. Es gehe einfach darum, Interessierten möglichst viele Infos zugänglich zu machen. Auch sei nicht immer ein teurer Umbau nötig, um Fortschritte zu erzielen. „Mit einem Kontraststreifen auf dem Boden für 100 Euro oder einem Aufkleber auf einer gläsernen Automatiktür macht man Sehbehinderten das Leben schon leichter.“

Seifert schätzt, dass einige Einrichtungen sich auch scheuen, als „behinderten- oder seniorengerecht“ für sich zu werben. Ihm gefallen daher Bezeichnungen wie „Urlaub für alle“ besser. Seifert verweist auch darauf, dass gerade Senioren eine durchaus zahlungskräftige Zielgruppe seien, die in Zukunft noch größer werde.

Und wie ist es um die Behindertenfreundlichkeit der Tourismusregion bestellt? Da sieht Seifert im Landkreis Licht und Schatten. „Super“ sei zum Beispiel, dass das Panoramarestaurant auf dem Brauneck barrierefrei sei, Toiletten und Aussichtsplattform seien gut zugänglich. Er selbst könne auch mit der Bergbahn hinauffahren. Doch für breitere Rollstühle seien die Gondeln schon zu eng. „Für Rollstuhlfahrer ab 100 Kilogramm Lebensgewicht ist die Nutzung nicht mehr möglich.“ Positivbeispiele seien zudem der Behindertenlift in der Lenggrieser „Isarwelle“, und Benediktbeuern könne stolz auf den barrierefreien Umbau des „Alpenwarmbads“ sein. Umso mehr wünscht sich Seifert, dass solche Angebote auf seiner Internetseite entsprechend publik gemacht werden.

Übersichten über behindertengerechte Einrichtungen bieten allerdings auch einzelne Kommunen auf ihren Internetseiten, etwa auf www.bad-toelz.de unter dem Stichwort „Bad Tölz für alle“ und auf benediktbeuern.de unter „Barrierefreier Urlaub“. Seifert hofft, bald einen besseren Überblick über den ganzen Landkreis bieten zu können.

Einrichtungen und Betriebe können sich selbst auf www.freizeitkompass-barrierefrei-toelzerland.de eintragen oder Ralph Seifert kontaktieren, Telefon 08857/697746, E-Mail: ralph-seifert@t-online.de

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