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Eine Krone aus Getreideähren wird in Wackersberg zu Erntedank d urchs Dorf getragen. Die Prozession, die am Sonntag nach dem 8.30-Uhr-Gottesdienst in St. Nikolaus beginnt, ist in südlichen Landkreis eine Besonderheit. 

Bilanz zu Erntedank 

Wenigstens hat’s nicht gehagelt

Am heutigen Sonntag feiern die Christen in Bayern Erntedank. Wir haben uns umgehört, wie im Landkreis heuer die Ernte ausgefallen ist. Die Antwort: durchwachsen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– „Unsere Sonnenäckler sind allgemein sehr zufrieden“, berichtet Adriane Schua. „Kartoffeln, Gelbe Rüben, Salat – alles Gemüse, was auf den Äckern wächst, hat eine ganz ordentliche Ernte gebracht“, sagt die Vorsitzende der Solidargemeinschaft Oberland und Beauftragte für die Sonnenäcker. Auf einem Sonnenacker, den es in Dorfen bei Wolfratshausen und seit diesem Jahr auch in Peretshofen gibt, können Hobbygärtner gegen eine Gebühr jeweils für ein Jahr ihr eigenes Gemüse anbauen.

Thomas Grimm hat das in Peretshofen zum ersten Mal ausprobiert und zeigt sich nach „einem spannenden Jahr total zufrieden“: „Neben viel Salat und Bohnen hatten wir Zucchini, Hokkaido und Wirsing. Jetzt hoffen wir noch auf viele Kartoffeln.“ Die Chancen dafür stehen offenbar ziemlich gut. Jedenfalls bewertet Bio-Landwirt Josef Brunner, „Tölzer Land“-Erzeuger und Mitglied der Solidargemeinschaft Oberland, seine Kartoffelernte heuer als „durchschnittlich bis überdurchschnittlich“.

Gemessen an einem „ungewöhnlich guten Jahr 2016“ findet Sebastian Girmann die Ernte 2017 dagegen „ziemlich durchwachsen“. Der Vorsitzende der Genossenschaft „Biotop Oberland“ führt dies auf die Trockenperiode im Frühjahr zurück. „Da mussten wir viel bewässern.“ Besonders spüre man den Rückgang bei „Lagerkulturen“ wie Rote Beete, Kohlarten wie Weiß- und Blaukraut, Karotten und Pastinaken. „Aber es ist alles noch im Rahmen“, fasst der Gartenbauingenieur zusammen.

Zu dieser Einschätzung kommt auch Urs Regnet. Das wechselhafte Wetter habe den Kürbis-Ertrag „sehr gemindert“, erklärt der Vorsitzende des Vereins Kür-Biss in Gelting. Besonders betroffen seien Sorten, „die es gern warm haben“, beispielsweise Muskat- und Butternut-Kürbisse. „Unter zwölf Grad fallen diese Sorten in eine Wachstumsdepression. Dann braucht es längere warme Phasen, bis sie sich erholen.“ Die Ernte des Vereins wird ausschließlich auf dem Kürbismarkt in Wolfratshausen verkauft, der dieses Jahr am 7. Oktober stattfindet.

Eine Freude war die Ernte dieses Jahr für die Imker im Landkreis, erklärt Frank Meinert. „Insgesamt schaut’s großartig aus“, sagt der Vorsitzende des Imkervereins Geretsried. Mit „30 bis 35 Kilogramm pro Volk“ beziffert er den Ertrag. 2016 seien es durchschnittlich nur 22 Kilogramm gewesen. Die Steigerung ist umso erstaunlicher, als aufgrund der kühlen Witterung die Obstblüten erfroren waren. Dafür sonderten Blattläuse und andere Insekten heuer viel zuckriges Sekret ab, das von den Bienen aufgenommen wurde. „So haben wir wenig Blütenhonig, dafür aber satt herzhaften, dunklen Waldhonig ernten können“, sagt Meinert.

Mit gemischten Gefühlen denkt Hans Sonner an den Sommer auf seinen Erdbeerplantagen zurück. „Die erste Blüte war total kaputt. Vor allem in Königsdorf und Gelting war es extrem, die Felder in Bad Tölz und Iffeldorf waren weniger betroffen“, berichtet der Königsdorfer. Die ersten 14 Tage der Ernte habe man dort wegen Kälte und Regen eingebüßt, rund ein Drittel der sonst üblichen Ernte. „Aber man darf nicht jammern“, so Sonner. „Hagel wäre schlimmer gewesen, der macht alles kaputt.“

Das sieht Martin Jost genauso. „Ich bin froh, dass es keinen Hagel gegeben hat. Der kann zu einem Totalausfall führen“, sagt der Gaißacher Obstbauer, dessen Apfelbäumen die Kälte ebenfalls zusetzte. „Aber die Ernteausfälle haben sich in Grenzen gehalten.“ Das anschließende feucht-warme Klima habe sich positiv auf die Fruchtgröße ausgewirkt. Vor allem die Sorte Gala sei heuer von besonders guter Qualität. „Deshalb sind wir alles in allem mit der Ernte sehr zufrieden.“ (Rudi Stallein) 

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