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Kann man bald nur noch Beträge bis 5000 Euro bar bezahlen? Die Bundesregierung denkt über ein entsprechendes Gesetz nach. 

Wenn Bares nicht mehr Wahres ist

Bad Tölz-Wolfratshausen-  Die Bundesregierung erwägt ein sogenanntes Bargeld-Limit. Was genau bedeutet das für die Bevölkerung?

Eine Obergrenze für Bares: Das bedeutet, dass Waren nur noch bis zu einem Wert von 5000 Euro bar bezahlt werden dürfen. Alles, was darüber liegt, soll nur noch per Überweisung möglich sein.  Die geplante Regelung soll Schwarzarbeit, Geldwäsche und letztlich auch eine sogenannte Terrorfinanzierung verhindern. „Im Moment sind das aber lediglich Pläne im politischen Bereich, wir haben noch keine Informationen darüber“, sagt Willi Streicher, Pressesprecher der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. „Wir kommen erst ins Spiel, wenn es irgendwann einmal Gesetz werden sollte.“

Im Moment jedenfalls müsse sich der Kunde noch keine Gedanken darüber machen, und auch auf seine Einlagen habe er immer Zugriff. Grundsätzlich gebe es Bereiche, wo es sinnvoll sei, nicht mit Bargeld zu bezahlen, sagt Streicher. „Es ist halt praktischer und auch sicherer.“ Dass das Bargeld grundsätzlich abgeschafft wird, hält Streicher allerdings nicht für denkbar.


"Das wäre ein Grund zum Auswandern"


Während er das Ganze noch gelassen sieht, sagt Antiquitätenhändler und Restaurator Manfred Schwarzwälder: „Das wäre ein Grund zum Auswandern.“ In seiner Branche laufe das meiste über Barzahlung. „Wir kaufen ja oft von privat, das ist dann so wie auf dem Flohmarkt. Jemand erbt etwas von der Großmutter, wir fahren hin, verhandeln und kaufen es“, erklärt der Tölzer. „Wenn ich da sagen würde, dass ich das Geld morgen überweise, komme ich nicht ins Geschäft.“ Umgekehrt ist es ihm auch lieber, wenn er selbst bar bezahlt wird. „Früher haben wir noch nicht mal Schecks von Leuten angenommen, die wir nicht gekannt haben, das war uns viel zu unsicher.“ Allzu oft komme es allerdings nicht vor, dass er Ware über 5000 Euro verkaufe. Deswegen wäre er von der geplanten Regelung nur ganz am Rande betroffen. Grundsätzlich glaubt er aber, dass das Gesetz sowieso nicht kommt, hält es für „ein bisschen Angstmacherei“. Dass es deswegen weniger Straftaten geben soll, ist aus seiner Sicht nicht sehr wahrscheinlich: „Die wirklichen Verbrecher haben doch längst andere Schlupflöcher gefunden. Das ginge alles mal wieder auf Kosten des kleinen Mannes.“

"Staat macht viel Sinnloses"

„Mir ist zwar klar, was die Regierung damit bezwecken will,“ sagt Ulrich Fottner, Inhaber des gleichnamigen Tölzer Möbelhauses, „aber was haben meine Möbel mit dem Terror zu tun?“ Letzteres sagt er natürlich mit einem Augenzwinkern. Weil er aber glaubt, dass es sowieo nicht „die richtigen Leute“ treffen würde, stellt sich ihm schon die Frage nach dem Warum. „Aber der Staat macht viel Sinnloses, da kann ich manchmal bloß drüber lachen.“ Freilich hätte dieses Gesetz, so es in Kraft treten würde, nicht viel Auswirkung auf sein Geschäft. „Die meisten Leute überweisen die Rechnung oder zahlen kleinere Beträge mit Karte.“ Für Fottner auch die bessere Alternative. Denn: „Würde jemand eine 20 000-Euro-Küche bar bezahlen, würde er eher nervös werden. „Da käme schon der Gedanke auf, dass es sich um Falschgeld handeln könnte.“

Auch beim Autohaus Gerg in der Jachenau sieht man einem möglichen Gesetz zur Bargeldobergrenze gelassen entgegen. „Uns betrifft das nicht. Die meisten Autos werden geleast oder finanziert, bei uns geht so gut wie nichts über Barzahlung.“ Anders sieht es aus, wenn man privat ein Auto verkaufen will. „Der eine will das Auto nicht hergeben ohne Geld, der andere nicht überweisen ohne Auto“, vermutet Antiquitätenhändler Schwarzwälder. „Das wäre dann so ein Bereich, wo das Bargeld lacht.“ 

Ines Gokus  

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