Stau auf der Umgehungsstraße (B472) in Bad Tölz.
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Tägliche Geduldsprobe für Pendler und Ausflügler: Auf der B 472 kommt es praktisch jeden Nachmittag auf dem Weg in Richtung Flinthöhe zu langen Rückstaus.

Lage spitzt sich zu

Wenn der Verkehrskollaps zum Alltag wird - Bad Tölz leidet unter Dauerstau

Die Verkehrsprobleme in Bad Tölz haben sich in den vergangenen Tagen zugespitzt – durch ein Zusammenspiel von Baustellen-Häufung, Ferienzeit und Corona-Folgen.

  • Autofahrer leiden in Bad Tölz zurzeit unter noch längeren Staus als ohnehin schon üblich.
  • Grund dafür ist der starke Ausflugsverkehr in Kombination damit, dass zuletzt einige Ausweichstrecken durch die Stadt durch Baustellen blockiert waren.
  • Das Staatliche Bauamt Weilheim hat versucht, durch eine Nachregulierung der Ampelsteuerung auf der Flinthöhe die Lage zu entspannen.

Bad Tölz – Berufspendler wie Dominik Manthey sind leidgeprüft. Aktuell aber haben sie es noch schwerer als sonst. Der 32-jährige Tölzer fährt täglich in einer Fahrgemeinschaft mit einem Kollegen zur Arbeit nach Murnau. „Wenn wir heimfahren, brauchen wir von Murnau nach Tölz genauso lang wie dann durch Tölz“, schildert er. Am Nachmittag stehe man auf der B 472 praktisch immer im Stau. „Das kann sich eine halbe Stunde hinziehen.“ 30 Minuten mit dem Auto durch die Stadt habe er jüngst auch bis zur General-Patton-Straße benötigt, nachdem er am Wochenende einige Erledigungen in der Innenstadt gemacht hatte, für die er das Auto brauchte. „Normalerweise schaue ich, dass ich alles mit dem Radl oder Fuß mache, weil ich das Verkehrschaos nicht zusätzlich verschärfen will und ich ohne Auto meist sowieso schneller bin.“

Als Teil des Problems hat Manthey ausgemacht, dass bei hohem Verkehrsaufkommen viele Ortsfremde Schleichwege suchen, so auch die Stadt blockieren und die Lage dadurch verschärfen, dass sie sich auch noch verfransen. „Man sollte an der Umgehung Schilder aufstellen nach dem Motto: ,Ja, hier ist Stau, aber durch die Stadt dauert es genauso lang.‘“ Darüber hinaus wünscht sich Manthey eine bessere, intelligente Ampelsteuerung auf der Flinthöhe.

Autofahrer braucht zwei Stunden für den Weg von Gaißach nach Bad Tölz

Schilderungen wie diese gingen nach einem Aufruf auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier zuhauf ein. „Ich fahre jeden Tag von Benediktbeuern nach Holzkirchen und zurück“, schreibt Verena Schönsteiner. „Im Winter und zur Coronazeit habe ich 35 Minuten gebraucht, mittlerweile sind es 50 Minuten bis eine Stunde oder mehr, je nach Wetter.“ Ein anderer Nutzer berichtet, dass er am späten Dienstagnachmittag von Gaißach bis zur Wilhelm-Dusch-Straße in Bad Tölz zwei Stunden benötigt habe.

Der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner bestätigt die Beobachtungen: „Wir stellen jeden Spätnachmittag erhebliche Rückstaus fest“, sagt er. Besonders heftig ist es auf der B 472, aus Richtung „Treibhaus“ kommend zur Flinthöhe, und auf der Auffahrt von der B 13 aus Richtung Süden kommend. „Man sieht einfach, wie stark der Verkehr in diesem Bereich immer am Kippen ist“, sagt Kufner.

Zwei Baustellen in Bad Tölz sorgen für zusätzliche Verkehrsprobleme

Will heißen: Schon normalerweise ist die Region an der Grenze der Verkehrsbelastung. Gar nichts geht dann mehr, wenn dann auch noch zusätzliche Faktoren hinzukommen. Und die häufen sich gerade, wie auch Martin Herda, der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt Weilheim, feststellt.

Eine Rolle hätten zuletzt zum Beispiel zwei Baustellen in Bad Tölz gespielt: Die Osterleite war bis vergangene Woche halbseitig gesperrt, in der Gaißacher Straße wurden ebenfalls Tiefbauarbeiten durchgeführt – an beiden Stellen im Auftrag der Telekom. „Das sind zwei Verkehrsbeziehungen, über die sich normalerweise viele von Westen kommende Autofahrer einen Weg durch die Stadt suchen“, so Herda. „Sie blieben nun auf der B 472.“ Dadurch sei es auch zu einer Überlastung der Linksabbiegerspur Richtung Holzkirchen gekommen. Davon wiederum war die Folge, dass Autos, die nach links abbiegen wollten, nach hinten noch auf der Geradeausspur warten mussten und nun diese blockierten. Letztlich habe sich der Verkehr dann nachmittags bis zur Krankenhaus-Ausfahrt (Arzbacher Straße) zurückgestaut, im Extremfall noch zwei Kilometer darüber hinaus.

Bei der Ampelanlage auf der Flinthöhe in Bad Tölz wird nachgesteuert

Das Staatliche Bauamt habe deswegen die Steuerung der Ampelanlage auf der Flinthöhe noch einmal angepasst. Weil zudem die Osterleite wieder voll freigegeben wurde, habe sich die Situation mittlerweile wieder „deutlich verbessert“, so Herdas Eindruck. Auch das Ende der Baustelle in der Gaißacher Straße war für Freitag angekündigt.

Weniger Bedeutung für den Stau auf der B 472 misst Herda dagegen der Sperrung der Kreisstraße Töl 7 zwischen Tölz und Königsdorf bei. Die ausgeschilderte Umleitung führt zwar über B 11 und B 472, aber Herda meint, dass die meisten Autofahrer, die nach Tölz wollen, schon vor dem Staubereich die Bundesstraße verlassen.

In der Innenstadt wiederum hemmte in den vergangenen Tagen eine weitere Baustelle auf einer wichtigen Achse den Verkehr: Die Stadtwerke schließen seit Montag in der S-Kurve der Lenggrieser Straße einen erneuerten Kanal aus einer Gries-Gasse an die Hauptleitung an. „Und die liegt unter der Lenggrieser Straße“, sagt Stadtwerke-Chef Walter Huber und räumt ein: „Ja, das tut weh.“ Denn dafür nötig ist eine halbseitige Straßensperrung mit Ampelregelung. So eine Anbindung „geht aber relativ schnell“, versichert er.

Viele fahren noch immer lieber mit dem Auto als mit dem ÖPNV

Von allzeit freier Fahrt kann freilich dennoch keine Rede sein. „Es ist immer in der Urlaubszeit festzustellen, dass die Verkehrsbelastung in diesem Bereich extrem hoch ist“, stellt Herda fest. Besonders brisant sei die Zeit, in der in anderen Bundesländern schon Ferien sind, die meisten hiesigen Berufstätigen aber noch arbeiten.

Heuer verschärfe die „Sondersituation“ die Lage, dass „viele aus der Region im Urlaub daheim bleiben“. Das bringt für die Ausflugsziele erhebliche Verkehrsbelastungen mit sich - in Wallgau wurde nun sogar deswegen demonstriert. Noch dazu werde der ÖPNV coronabedingt noch immer nicht so stark angenommen – viele fahren aus Sorge vor Ansteckung weiter lieber mit dem Auto. Stadtwerke-Chef Huber bedauert außerdem, dass zu wenige Menschen für inerstädtische Kurzstrecken auf Fahrrad oder E-Bike umsteigen.

Vorläufig bleibt es also beim allnachmittäglichen Stau auf der B 472. Im Normalzustand reicht er aber „nur“ bis zur Auffahrt „Tölz-Süd“. Für eine spürbare Verbesserung der Lage setzen viele Autofahrer auf den Bau der Tölzer Nordspange.

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