Regelmäßig gemeinsam etwas Besonderes zu machen, das positive Momente schafft: Das ist ein Tipp der Mitarbeiterinnen der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle im Landkreis.
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Regelmäßig gemeinsam etwas Besonderes zu machen, das positive Momente schafft: Das ist ein Tipp der Mitarbeiterinnen der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle im Landkreis.

Caritas

Wenn Familien am Limit sind: Erziehungsberater bekommen derzeit mehr Anfragen als sonst

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Kinder, Jugendliche, deren Eltern sowie die Lehrer stehen im zweiten CoronaLockdown unter größerem Druck als zu Beginn der Pandemie. Das berichten die Mitarbeiter der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle der Caritas im Landkreis. Sie plädieren dafür, auf allen Ebenen den Druck rauszunehmen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn es mit Kindern zu Hause Probleme gibt und extern Rat gesucht wird, wenden sich Eltern an die Ökumenische Erziehungsberatungsstelle, die die Caritas in Tölz, Kochel, Lenggries, Geretsried und Wolfratshausen anbietet. In der Regel sind es „klassische“ Probleme, etwa wenn Eltern sich trennen oder Kinder in der Pubertät Probleme in der Schule und in ihrem Umfeld haben.

In Corona-Zeiten hat sich das jedoch geändert, vor allem jetzt. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle bekommen vor allem seit Beginn des zweiten Lockdowns wesentlich mehr Anfragen, berichten die beiden Sozialpädagoginnen Eva Dietl und Claudia Gebbert. „Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 war es noch ganz anders“, sagt Dietl. Die meisten Familien hätten diese Zeit noch als „positive Phase des Innehaltens“ wahrgenommen.

Das habe sich nun aber schlagartig geändert, berichten die beiden. Gebbert zufolge sind die Anfragen „markant gestiegen“. Viele Familien würden sich zum ersten Mal überhaupt an eine Beratungsstelle wenden. Und in 90 Prozent der Fälle gehe es um Probleme in Bezug auf die Schule.

Dietl und Gebbert ist eines wichtig: Sie möchten Lehrern keinen Vorwurf machen. Vielmehr wollen sie auf den Druck hinweisen, unter dem alle – Schüler, Lehrer, Eltern – derzeit stünden. „Auch die Lehrer sind durch die zusätzlichen Anforderungen an ihren Kapazitätsgrenzen“, sagt Dietl. „Sie können es kaum schaffen, unter den momentanen Bedingungen die jungen Menschen aufzufangen.“ Seit Beginn des Schuljahres herrschte der Druck, möglichst schnell Noten zu machen, weil jeder einen zweiten Lockdown erwartete.

In erster Linie seien es Mütter, die beim Team der Erziehungsberatungsstelle Rat suchen. Das Gespräch kreise meistens um die Frage, wie man jetzt Struktur in den Alltag bringe. Dietl und Gebbert gliedern die Probleme in verschiedene Bereiche: „Erst- und Zweitklässler haben Schule, Unterricht und Lernen generell noch nicht so verinnerlicht und tun sich schwer, zu Hause zu lernen“, sagt Gebbert. Viele Schüler in der Pubertät hätten schon vor dem Lockdown Schulprobleme gehabt, vor allem wegen des hohen Notendrucks. „Sie reagieren dann mit zum Beispiel mit Aggressivität im Klassenzimmer, körperlichen Beschwerden wie Bauchweh zu Hause oder bekommen richtige Angstattacken“, weiß Dietl. Jetzt, im Homeschooling, hätten sich manche „total im Zimmer verkrochen und sind im Internet versumpft“, so Dietl. „Das besorgt die Eltern sehr.“

Ältere Jugendliche, die etwa auf den Abschluss zusteuern, würden sich dagegen jetzt große Sorgen um die berufliche Zukunft machen: „Sie können derzeit keine Praktika machen, wissen nicht, ob sie studieren können oder der lang gehegte Traum vom Jahr im Ausland ist geplatzt“, sagt Dietl. Denn vielen diene der Aufenthalt im Ausland auch zur Orientierung im Beruf. „Da entsteht ganz schnell Frust und Verunsicherung.“

Generell, sagen die beiden Sozialpädagoginnen, seien Kinder und Jugendliche sehr feinfühlig und würden beispielsweise auch spüren, wenn sich die Eltern Sorgen machten um die finanzielle Zukunft. Eine Folge des Ganzen sei zum Beispiel Leistungsabfall in der Schule.

Was also tun? Eine Patentlösung gibt es jedenfalls nicht. „Oft ist es zu Hause auch so, dass die Eltern die Lehrer ersetzen wollen“, sagt Dietl. Das klappe aber meistens nicht, vor allem bei Kindern in der Pubertät: „Sie sind gerade in einer Lebensphase, in der sie sich von zu Hause abnabeln und selbstständig werden wollen.“

Die beiden Sozialpädagoginnen plädieren deshalb dafür, „den Druck rauszunehmen“. Diesen Appell richten sie an alle, auch ans Kultusministerium. Sie raten, dass man sich derzeit auf „Werte, die wirklich wichtig sind“, konzentrieren solle: „Das ist eine große Chance, sich auf allen relevanten Ebenen zu überlegen, was Familien brauchen, um aus der Krise als gewachsene und bereichernde Menschen für die Gesellschaft zu gehen.“

Dietl empfiehlt, die Themen derzeit „positiv zu besetzen“. Soll heißen: „Gemeinsam Dinge machen, die Freude bereiten, was Kreatives zum Beispiel.“ Das schaffe schöne Erlebnisse und Erinnerungen. Zudem sollte man relevante Themen der Corona-Zeit immer wieder besprechen und auch dabei den Fokus auf das Positive legen. „Es geht im Allgemeinen nicht um die Schuldfrage“, sagt Gebbert, „sondern darum, wie man gemeinsam eine Lösung findet.“

Hilfe finden: Das Team der Ökumenischen Erziehungsberatungsstelle berät derzeit in erster Linie am Telefon. Termine unter 0 80 41/79 31 61 30 oder via Mail an die Adresse eb-toelz@caritasmuenchen.de.

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