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Tölzer Sternsinger (v. li.): Julia Wurzer, Bianca Kiendl und Lisa Hake beteiligen sich seit Jahren an der Tradition.

Sternsinger

Wenn die Könige Feueralarm auslösen

Bad Tölz - Als Kaspar, Melchior und Balthasar gewandet ziehen ab heute wieder Kinder durchs Tölzer Land. Sie sind stundenlang unterwegs, und das bei jedem Wetter. Doch die Sternsinger erfüllen ihren Dienst gern – wegen der glücklichen Gesichter, des guten Zwecks und der vielen Süßigkeiten.

Die Rolle des Kaspar ist nicht besonders beliebt. „Es gibt immer Streit, wer sich schwarz anmalen muss, da ist man dann total dreckig“, sagen Julia Wurzer, Lisa Hake und Bianca Kiendl. Doch der Vorteil der aufwändigeren Schminke liegt ebenso auf der Hand: „So wird man nicht erkannt“, sagen die Schülerinnen lachend.

Auch heuer wieder sind die drei dabei, wenn die Sternsinger-Tradition gepflegt wird. Julia (16) wird als einer der Heiligen Drei Könige auftreten, Lisa (17) und Bianca (18) sind Betreuer. Jede Menge Erfahrung haben sie alle – bis zu sieben Jahre lang sind sie rund um den Dreikönigstag mit Liedern und Sammelbüchsen unterwegs. „Es ist lustig, und wir bekommen Schokolade“, beschreibt Julia ihre Motivation. Insgesamt sind es um die 25 Sternsinger, die noch bis Mittwoch in Bad Tölz durch die Straßen gehen. „Wir haben mindestens 150 Besuchswünsche. Darüber hinaus schauen wir, so viel wie möglich zu schaffen“, erklärt Pastoralassistent Josef Weiher.

In Lenggries klingeln die Kinder an jeder Haustür. „36 Sternsinger haben wir heuer“, sagt Stephanie Weindl, die zum vierten Mal die Leitung der Aktion übernommen hat. „Wir sind an den vier Tagen lange unterwegs, aber es macht Spaß“, sagt sie. Zum einen sehen die Sternsinger den ganzen Ort, zum anderen freuen sich die Menschen. „Manche warten schon auf uns und wären traurig, wenn wir nicht kommen“, sagt Weindl.

Es sind nur wenige, bei denen Caspar, Melchior und Balthasar nicht so willkommen sind. „Wir werden immer mal wieder weggeschickt, aber das ist ganz selten“, berichtet Weindl. Diejenigen würden dann sagen, dass sie nicht katholisch oder gar nicht gläubig seien.

Mancher mag auch Sorge haben, Fremde ins Haus zu lassen, die sich als Betrüger entpuppen. Solche falschen Sternsinger, die die Spenden in die eigenen Taschen leiteten, waren vergangenes Jahr in Bad Heilbrunn, Bad Tölz und Lenggries unterwegs. Die Original-Könige, die für notleidende Kinder in aller Welt sammeln, haben einen Ausweis vom Kindermissionswerk dabei.

Hubertus Klingebiel rechnet die Arbeit der Kinder sehr hoch an. In Benediktbeuern ziehen rund 30, in Bichl 20 und in Kochel 25 Sternsinger los. „Ich kenne wenig Aktionen, die so sinnvoll sind wie diese“, sagt der Benediktbeurer Diakon. Das gesammelte Geld geht vollständig an den guten Zweck. „Toll, was da zusammenkommt“, sagt Klingebiel. Süßigkeiten dürfen die Sternsinger selbst behalten.

Im Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern wurde gestern der Aussendungsgottesdienst gefeiert – nicht wie sonst erst am Dreikönigstag. „Am 7. Januar geht ja die Schule schon wieder los“, sagt Pfarrer Ludwig Scheiel. Und die 30 bis 40 Kinder können noch einen Erholungstag gebrauchen, nachdem sie von morgens bis abends durch die Gemeinde gegangen sind.

Angst, den Text zu vergessen haben Julia Wurzer, Bianca Kiendl und Lisa Hake nicht. „Wir Heiligen Drei König, wir kommen von fern“ – das haben sie schließlich schon oft geprobt. Zum Problem wird da schon eher die Technik. „Von unserem Weihrauch ist schon oft der Feueralarm losgegangen, in Ämter nehmen wir ihn schon gar nicht mehr mit rein“, sagt Lisa. Ob mit oder ohne Weihrauch: Die Sternsinger sind immer froh, wenn sie ins Haus gebeten werden. „Wenn wir den ganzen Tag durch die Kälte gehen, ist es sehr schön, wenn wir uns da kurz aufwärmen können.

Susanne Weiß

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