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Liedtexte auf dem Bildschirm, aber Probleme mit dem Ton: Chorgesang via Internet ist kaum möglich.

Evangelische Kirchengemeinde

Wenn der Kuckuck aus dem Internet schallt: Sängerrunde versucht Chor online

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Kann man über eine Online-Plattform einen Chor bilden und singen? Sänger aus Bad Tölz hatten jetzt mit einigen Tücken zu kämpfen - und nahmen es mit Humor.

Bad Tölz – Videokonferenzen übers Internet sind schwer im Kommen. Weltweit wurde zuletzt keine App so oft heruntergeladen wie die Konferenz-Plattform „Zoom“. Doch die moderne Technik hat ihre Grenzen: Dies musste die Tölzer Sängerrunde erfahren, die sich am Donnerstagabend auf Einladung des evangelischen Dekanats zusammengefunden hatte. Akustisch war es eher keine Sternstunde des Chors – dafür aber umso amüsanter.

Normalerweise trifft sich die Sängerrunde im Kurpark. Doch dies ist momentan aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Not macht erfinderisch: Dekanatskantorin Elisabeth Göbel verlegte das offene Singen kurzerhand ins Internet. Für die meisten Beteiligten ist dies eine völlig neue Erfahrung.

Kurz vor 19 Uhr werden auf dem Bildschirm die ersten Gesichter sichtbar. „Jetzt bist du da“, schallt es durch die Lautsprecher. „Und jetzt bist du wieder weg.“ In diesem Stil geht es weiter. „Wer spricht da?“ Die vielsagende Antwort auf dem schwarzen Bildschirm: „Ich.“ Siegbert Waegner verfolgt das Auftauchen und Verschwinden der Gesichter gelassen: „Ich trinke in der Zwischenzeit meinen Tee.“ Nach zehn Minuten sind tatsächlich acht Leute auf dem Bildschirm zu sehen.

„Für uns ist das ein Experiment“, sagt Göbel. „Ich weiß nicht ob’s klappt, aber schön, dass Sie sich alle darauf einlassen.“ In diesem Moment ist ein markerschütterndes metallisches Pfeifen zu hören. „Wenn ganz viel Rückkopplung kommt, müsste ich sie bitten, auf stumm zu stellen. Dann muss jeder für sich selbst singen.“

Auf dem Bildschirm werden Liedtexte sichtbar. Erst mal soll sich die Runde an „Alle Vöglein sind schon da“ versuchen: „Da kann nichts schiefgehen“, sagt Göbel. Sie legt auf ihrem Akkordeon los. Es dauert einige Sekunden, bis der Ton bei allen Teilnehmern ankommt. Einer nach dem anderen steigt in den Gesang ein, alle singen durcheinander. Als Göbel ihr Akkordeon schon längst zur Seite gestellt hat, singt Siegbert Waegner noch immer aus voller Kehle.

Die Runde kommentiert das allgemeine Tohuwabohu mit schallendem Gelächter. Göbel gibt sich kämpferisch: „Bei Ihnen kommt der Ton offenbar mit Verzögerung an – stört mich nicht.“ Waegner stimmt ihr zu: „Einfach ignorieren.“ Eine andere Teilnehmerin empfiehlt: „Kurze Strophen singen, dann fällt die Zeitverzögerung nicht ins Gewicht.“

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Weiter geht’s mit „Grüß Gott, du schöner Maien“. Die Schwierigkeiten bleiben. Als alle fertig sind, kalauert Waegner: „War das gerade die die zweite Strophe – oder die Kata-Strophe?“ Lachend fügt er hinzu: „Wenn’s heute mit dem Singen nicht hinhaut, können wir es auf die Regierung schieben.“

Eisern – und gut gelaunt – kämpfen sich die Sänger weiter durch das Programm. Das nächste Lied klingt, als ob ein ganzer Schwarm an stotternden Kuckucks am Singen ist: „Kuckuck – Kuckuck – Kuckuck – Kuckuck – schallt’s – schallt’s – schallt’s – aus – aus – dem – dem – Wald – Wald – Wald – Wald.“

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Nach einer halben Stunde hat auch die letzte Teilnehmerin ihre technischen Probleme mit ihrem PC gelöst, für einen Moment sind auf dem Bildschirm neun Gesichter zu sehen, dann verabschiedet sich die erste Teilnehmerin: „Tut mir leid, ich hab leider eine ganz instabile Internet-Verbindung. Ich muss euch verlassen.“ Unterdessen fängt es in Tölz zu regnen an. „Es ist ein Vorteil, dass wir im Internet sind“, stellt Göbel fest. „Draußen könnten wir jetzt nicht mehr singen.“ Nach einer Dreiviertelstunde ist das Experiment beendet. „Wie ist die Stimmung?“, fragt Göbel in die Runde. „Sollen wir das wiederholen?“ Nach ein paar Sekunden Pause, kommt ein vielstimmiges „Ja – ja - ja “ aus den Lautsprechern. Waegner sagt: „Morgen mache ich so was Ähnliches mit meinen Enkeln. Da war das eine gute Übung. Auf meinem Bildschirm ist Platz für 50 weitere Leute.“ Eine andere Sängerin stimmt zu: „Das machen wir wieder. Hier gibt’s viel zu lachen.“ 

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