Gerichtsunterlagen
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Vor Gericht musste sich nun zum wiederholten Mal ein junger Tölzer verantworten.

Fahren ohne Führerschein

Wer nicht lernen will, muss sitzen: Notorischer Schwarzfahrer muss ins Jugendgefängnis

  • vonRudi Stallein
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Trotz offener Bewährung beging ein 21-jähriger Tölzer weitere Straftaten. Dafür wurde er nun fast zwei Jahre ins Jugendgefängnis.

Bad Tölz/Wolfratshausen – Der Angeklagte bittet um eine Pause. Tränen rinnen ihm in den Mund-Nasenschutz. Er kann jetzt nicht reden. Sein letztes Wort muss warten. Gerade hat der Staatsanwalt beantragt, ihn für zwei Jahre ins Jugendgefängnis zu stecken. Erst in dem Moment scheint der junge Mann (21), in der Realität aufgeschlagen und sich seiner prekären Situation bewusst geworden zu sein.

Trotz offener Bewährung hatte er weiter Straftaten begangen, war mit Autos und Motorrädern in der Stadt und in der Umgebung herumgekurvt: Ohne oder mit ungültigen Kennzeichen und ohne Haftpflichtversicherung. Und immer ohne gültigen Führerschein.

„Ich war jung und dumm“, sagte der Angeklagte

Nun musste sich der Tölzer wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Gebrauch eines Fahrzeugs ohne Haftpflichtversicherung sowie Urkundenfälschung vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Er wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Während der Verhandlung war der 21-Jährige selbstsicher aufgetreten. Zwar räumte er die Taten, die man ihm vorwarf, größtenteils ein. Aber er hatte auch für alles eine Entschuldigung, konnte jede Tat erklären („Ich habe gedacht, ich darf wieder fahren“), fand immer neue Ausflüchte. Schuld waren meist andere. „Ich war jung und dumm“, antwortete er auf die Frage des Staatsanwalts, warum er ständig ohne Führerschein gefahren sei und seine Bewährung aufs Spiel gesetzt habe. „So geht’s nicht“, stellte Richterin Friederike Kirschstein-Freund später fest.

Die Auflagen, die an seine Bewährung geknüpft waren, interessierten den 21-Jährigen nicht

Die Fahrten, die ihm zur Last gelegt wurden, hatten im Zeitraum zwischen Mitte August 2019 und August 2020 stattgefunden. Erst im Januar 2019 war er wegen schweren Diebstahls, Unfallflucht und weiteren Delikten vom Amtsgericht Heilbronn zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt worden. Zur Bewährung ausgesetzt, weil das Gericht damals zu einer positiven Sozialprognose gelangt war. Auch deshalb, weil er in Ludwigsburg in einem betreuten Wohnen einziehen konnte. Doch den Platz kündigte der Heranwachsende nur sechs Wochen später. Auch andere Auflagen, an die seine Freiheit geknüpft worden war, interessierten ihn wenig. Weder kontaktierte er den Bewährungshelfer, noch nahm er die Beratungsgespräche mit der Caritas wahr. 80 Sozialstunden ließ er in 800 Euro Geldauflage umwandeln, gezahlt hat er nicht. „Man hatte die Hoffnung, dass sie ein rechtschaffenes Leben führen“, so die Richterin. „Aber das war weit gefehlt.“

„Ich weiß, ich habe viel Scheiß gebaut. Und ich habe die Chance, die ich bekommen habe, nicht genutzt“, zeigte sich der Angeklagte einsichtig, nachdem er sich wieder gefangen hatte. Inzwischen habe er sein Leben im Griff. Mit neuer Freundin, neuer Arbeit, neuer Wohnung. „Ich hoffe, dass mir eine zweite Chance gegeben wird, damit ich zeigen kann: Ich kann auch anders.“

„Ihr ganzes Verhalten ist von völliger Gleichgültigkeit geprägt“, sagte die Richterin

Den Wunsch erfüllte ihm das Gericht nicht. „Ihr ganzes Verhalten ist von völliger Gleichgültigkeit geprägt – gegenüber Regeln und gegenüber anderen Menschen, die sie mit reinziehen“, betonte Richterin Kirschstein-Freund in ihrer Urteilsbegründung. „Für eine Bewährung hätte ich mir Auflagen überlegen müssen, mir wäre keine eingefallen.“ Alles, was man ihm bisher an die Hand gegeben habe, habe er mit „enormer Rückfallgeschwindigkeit“ ignoriert.

Die Richterin empfahl dem 21-Jährigen, Berufung einzulegen und bis dahin in Vorleistung zu treten, insbesondere den Führerschein zu machen, um weitere gleich gelagerte Straftaten zu verhindern. „Dann geben Sie dem Berufungsgericht vielleicht Grund, um über eine Bewährung nachzudenken“, so die Richterin. „Aber heute geht es nicht.“

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