Die Tölzer Markstraße ist wegen Corona wie leergefegt.
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Die gute Stube von Bad Tölz ist die historische Marktstraße.

Thema in der Stadtratssitzung

Wer sind wir? – Bad Tölz sucht eine Stadtmarke

Versuche gab es viele in der Vergangenheit. Nun nimmt Bad Tölz einen neuen Anlauf, um eine Marke zu schaffen und sich als Ort zu profilieren sowie im kommunalen Wettbewerb abzusetzen. Wirtschaftsförderin Sandra Kern stellte in der jüngsten Sitzung des Stadtrats die Initiative vor.

Bad Tölz - In jüngerer Vergangenheit sei man immer wieder etwa von Investoren und Projektentwicklern gefragt worden, wofür Bad Tölz stehe und in welche Richtung man sich in den kommenden Jahren entwickeln werde. Es gehe nicht darum, die eigene Stadt neu zu erfinden, sondern das Bestehende zu analysieren und die Stärken herauszuarbeiten. Mit diesem Wissen könne eine Marke geformt werden, die als Leitfaden und Orientierung für Investoren, Unternehmen, aber auch kommunalen Aufgaben dient. In der Außenwirkung werde die Anziehungskraft der Stadt durch eine Marke gestärkt, nach innen wirke sie identitätsstiftend für die Bürger.

Gäste wollen wissen, ob Tölz sich eher an 75-plus-Gäste richtet oder an junge, dynamische Familien

Es gibt einen bedeutenden Unterschied zu früheren Markenprozessen in Tölz. Es soll um die ganze Stadt gehen, nicht nur um den Tourismus. Bürgermeister Ingo Mehner sprach von der „Stadtmarke“. Peter von der Wippel (FWG) freute sich, dass nun auch Aspekte wie Wirtschaft, Handel, Leben und Tradition herausgearbeitet würden.

Sie könne sich nichts Rechtes vorstellen unter einer städtischen Marke, bat Doris Bigos (Grüne) die City-Managerin um ein Beispiel. Sandra Kern nannte Garmisch-Partenkirchen, ohne ins Detail zu gehen. Gabriele Frei (CSU) verdeutlichte es an dem Beispiel, dass es die Gäste ja wissen wollten, ob Tölz sich eher an 75-plus-Gäste richten wolle oder an junge, dynamische Familien. „Für Investoren ist das enorm wichtig.“

Auf der Suche nach der DNA der Stadt

Willi Streicher (SPD), der aus dem Marketing kommt, begrüßte den Markenprozess, der enorm wertvoll sein könne. Man erfahre dabei, „wer wir sind und was unsere DNA ist“. Dabei bekomme man immer wieder den Spiegel vorgehalten und sehe, ob man noch auf dem richtigen Weg sei. Michael Lindmair (FWG) befürwortete den Markenprozess „hundertprozentig“. Eigentlich sei er sogar regionsbezogen dringend nötig. Das dauere aber bestimmt noch mindestens zehn Jahre. Darum solle Tölz das im Alleingang angehen. So ein Markenprozess könne mit seinen Erkenntnissen übrigens durchaus auch schmerzhaft sein, merkte der Zweite Bürgermeister an.

„Tölz, i mog di“, „Freude am Leben“, Herzerl, Wappen und Löwen, „da haben wir schon einen ziemlichen Verhau“, erinnerte Johanna Pfund (Grüne) an frühere oft touristisch geprägte Anläufe, sich eine Marke zu geben. Sie empfahl eine Stadtratsklausur, um sich über die Ziele klar zu werden.

Externe Nürnberger Firma begleitet Markenprozess

Auf Nachfrage von Moritz Saumweber (Grüne) erklärte Bürgermeister Ingo Mehner, dass in einer Kommission mit Bürgermeister und Verwaltung auch vier Stadträte der Fraktionen sitzen sollen.

Der Auftrag für einen Markenprozess mit dem externen Dienstleister „Brand Trust“ aus Nürnberg wurde gegen die Stimme von Johannes Gundermann (Grüne) beschlossen. Kosten: 54 000 Euro. Allerdings, das machte Sandra Kern klar, werde in den Folgejahren bei der Umsetzung (etwa neues Werbematerial, Fotoproduktionen, Aktualisierung der Webseiten) mit weiteren Kosten im „niedrigen sechsstelligen Bereich“ zu rechnen sein.

Was eine Marke bedeuten kann, davon berichtete CSU-Fraktionssprecher René Mühlberger. Er sei als Feuerwehr-Führungskraft viel in Deutschland unterwegs gewesen. Wenn er von Tölz gesprochen habe, habe er oft einen wissenden Gesichtsausdruck bei seinen Gesprächspartnern erlebt. Tölz, das sei für sie das Alpamare und der Bulle von Tölz gewesen. „Aushängeschilder der Vergangenheit“, nannte sie Mühlberger. Jetzt gehe es um die Zukunft.

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