Damals noch politisch unverdächtig: 2013 war Attila Hildmann beim „Tölzer Veg“ in der Wandelhalle zu Gast.
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Damals noch politisch unverdächtig: 2013 war Attila Hildmann beim „Tölzer Veg“ in der Wandelhalle zu Gast.

Der „Tölzer Veg“ beruft sich auf Attila Hildmann

Werbung mit Verschwörungstheoretiker?

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Bekannt wurde er einst als veganer Koch. Doch insbesondere seit Ausbruch der Corona-Pandemie macht Attila Hildmann (39) vor allem als Verschwörungstheoretiker von sich reden. Nun wird er im Grußwort zur „Tölzer Veg“ erwähnt.

  • Die deutschen Behörden haben seit geraumer Zeit Attila Hildmann im Visier
  • Der bekannte vegane Koch verbreitet Verschwörungstheorien und rassistisches Gedankengut
  • Im Grußwort zur aktuellen „Tölzer Veg“ wird er jedoch von Kurdirektorin Brita Hohenreiter erwähnt

Bad Tölz – Attila Hildmann verbreitete zum Beispiel, Juden wollten „die deutsche Rasse auslöschen“ und Angela Merkel plane zusammen mit Bill Gates einen „Völkermord“. Während etwa „Kaufland“ und „Vitalia“ Produkte von Attila Hildmann aus den Regalen nahmen und auch der Verlag seiner Kochbücher sich von ihm distanzierte, beruft sich die Stadt Bad Tölz weiter auf Hildmanns prominenten Namen. Im Programmheft der von der Tourist-Info veranstalteten veganen Wochen „Tölzer Veg“ heißt es im Grußwort von Kurdirektorin Brita Hohenreiter gleich im ersten Satz: „als wir in Bad Tölz 2013 – auf Anregung eines örtlichen Biomarktes – mit einer ,Vegan-Challenge‘ nach Attila Hildmann starteten. . .“ Der Tölzer Kurier fragte nach.

Frau Hohenreiter, wie kommt es, dass mit dem Namen Attila Hildmann für den Tölzer Veg geworben wird?

Ich gebe offen zu: Das ist uns durchgerutscht. Der „Tölzer Veg“ sollte ja eigentlich schon im Frühjahr stattfinden. Doch wegen der Corona-Pandemie haben wir ihn auf Herbst verschoben. Die Programmhefte fürs Frühjahr mussten wir einstampfen. Jetzt für den Herbst wurde dieses Programmheft komplett überarbeitet, alle Veranstaltungsdaten und viele Details wurden geändert – aber aufs Vorwort hat keiner mehr geschaut. Im Frühjahr war es ja noch unbedenklich, sich auf Attila Hildmann zu berufen. Man kann auch nicht verleugnen, dass er 2013 mit dem „Tölzer Veg“ in Bad Tölz begonnen hat. Das Vorwort wurde leider nicht mehr überarbeitet. Solche Fehler passieren nun einmal, da muss ich meine Mitarbeiter in Schutz nehmen.

Wann haben Sie denn selbst den Namen Attila Hildmann im Programmheft entdeckt?

Am Sonntag – bei der Auftaktveranstaltung zum „Tölzer Veg“. Das große Glück ist, dass Vorworte kaum gelesen werden. Deswegen das ganze Heft einzustampfen, das geht jetzt nicht mehr. Die Veranstaltung läuft ja bereits.

Aber mit Attila Hildmann werben wollen Sie nicht mehr?

Er ist mittlerweile auf so unangenehme Art aufgefallen, das kann man auf keinen Fall unterstützen. Wir haben zum Beispiel auch in der Kurbücherei seine Kochbücher aus dem Sortiment genommen. Aber als er 2013 bei uns war, da konnte man das alles ja noch nicht ahnen. Da war er einfach der Gründer einer neuen Bewegung, er war ein netter Mann, der auch sehr sympathisch die Kochshow moderiert hat. Mit dem Wissen von heute hätten wir ihn natürlich nicht eingeladen.

Noch eine andere Frage zum „Tölzer Veg“: Im Programm stehen auch Veranstaltungen wie „Waldbaden“, „Tanz in den Tag“ oder eine „Duftführung durch Tölz“: Werfen Sie da nicht völlig verschiedene Dinge in einen Topf mit der veganen Ernährung?

Genau das tun wir, und das ist auch unsere Philosophie. Wir wollen nicht in erster Linie eine Ernährungskampagne starten – es soll keiner zur veganen Ernährung umerzogen werden –, sondern es geht um ein ganzheitliches Angebot mit Bewegung in der Natur, Entspannung in der Natur und Ernährung aus der Natur.

Wird wird der „Tölzer Veg“ unter den erschwerten Corona-Bedingungen gut angenommen?

Wir sind sehr zufrieden. Die Eröffnungsveranstaltung am Sonntag war mit 64 Personen sehr gut besucht. Aufgrund des Hygienekonzepts hätten wir nicht viel mehr Menschen im Kurhaus unterbringen können. Die zwei Kurse, die wir im Rahmen des Programms „BKK Provita“ anbieten, sind mit sechs und sieben Teilnehmern ausgebucht. Die Kasse unterstützt die Teilnahme mit 150 bis 160 Euro. Ansonsten sind vor allem die Kochkurse extrem gefragt.

Lesen Sie auch: Spätestens seit dem Volksbegehren „Artenvielfalt“ im vergangenen Jahr ist der Begriff Biodiversität in aller Munde. Doch nicht für alle ist das Wort positiv belegt. Viele Land- und Forstwirte fühlen sich seitdem als Alleinschuldige an den Pranger gestellt – eine Situation, auf die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen nun gezielt reagiert.

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