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Mit gutem Draht zum Publikum: Werner Schmidbauer, zum ersten Mal seit 23 Jahren allein auf Tournee, hatte die Zuhörer im Tölzer Kurhaus am Freitagabend rasch auf seiner Seite.

Konzertkritik

Werner Schmidbauer begeistert mit Herz und Humor im Kurhaus

Auf Solopfaden ist Werner Schmidbauer derzeit unterwegs. Jetzt begeisterte er 500 Zuhörer im Tölzer Kurhaus.

Bad Tölz„Für mi a ganz schön ungewohnte Besetzung“, sagt Werner Schmidbauer und sieht sich, nur mit einer Ukulele in der Hand vor dem Mikrofon, auf der ansonsten leeren Bühne um. Den Lachern im vollbesetzten Kursaal sollen an diesem humorvollen Freitagabend noch viele folgen.

Schmidbauer spielt darauf an, dass er das erste Mal seit 23 Jahren alleine auf Tour ist – ohne seinen Freund Martin Kälberer, mit dem er jahrelang als Duo unterwegs war. Solo-Album und Tour heißen nun „Bei mir“. Dass Schmidbauer ganz bei sich ist und dass er mit Herz und Humor und toller Musik an die 500 Leute begeistern wird, ist ab der ersten Sekunde des Abends klar.

Seine Bühnenpräsenz ist beeindruckend. Die Lieder erzählen von Grantlern in der See-Sauna oder von der Wichtigkeit des Moments. Sie sind gesellschaftskritisch und politisch. Auch musikalisch ist der 56-Jährige großartig. Er begleitet sich auf der Ukulele und verschiedenen Gitarren. Sein Gitarrenspiel ist so volltönend, als würden da noch mindestens eine weitere Gitarre und ein Cajón Melodie und Rhythmus begleiten. Allein: Er steht als Einmann-Entertainer auf der Bühne.

Das aber reicht locker aus, für drei Stunden Unterhaltung. Die Fans im Saal und auf der Galerie lachen mit Schmidbauer, halten mit ihm zusammen inne und singen bei fast allen Liedern mit. Seine bairischen Texte gehen ans Herz.

Es fühlt sich schon nach wenigen Minuten an, als stünde mit dem Bad Aiblinger ein Freund auf der Bühne, den man lange nicht gesehen hat. Schmidbauer spart nicht mit Anekdoten aus seinem Leben in Bad Aibling, mit seinen Kindern oder – ein großes Thema – von seiner Reise im vergangenen Jahr. „Ich habe mir damit einen Jugendtraum erfüllt“, berichtet der Musiker. Lachend nimmt er sich und das Publikum mit, er weiß, was folgt, ist ein Klischee: „Ich wollte mir immer einen VW-Bus kaufen. Dann sagst du einfach ‚Pfiad’s euch‘ und fährst Richtung Süden. Das fühlt sich manchmal so richtig John-Wayne-mäßig an – obwohl ich nicht sicher bin, ob der VW-Bus gefahren ist.“

Mit viel Augenzwinkern erzählt Schmidtbauer dem gebannten Publikum vom Freiheitsgefühl beim Sonnenuntergang an Portugals Stränden und davon, dass es nach diesem Sonnenuntergang in Einsamkeit dann „aber schon auch wirklich ganz schön finster wird an so einem Strand“.

Fließend ist der Übergang zum nächsten Song, denn dieser Moment habe ihm gezeigt, dass er meistens doch lieber „Da wo de Leit san“ wäre – so heißt das Lied. Zum Ende des Abends lässt Schmidbauer das Publikum noch näher an sich und seine Familie heran und holt seinen Sohn Valentin mit auf die Bühne. Der 30-Jährige ist ganz der Vater, nur ohne Dialekt. Als Liedermacher lebt er in Berlin. Werner und Valentin Schmidtbauer performen zusammen Lieder, sind merklich stolz aufeinander. Mit tosendem Applaus und zwei Zugaben geht ein grandioser Abend zu Ende.

Nora Linnerud

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