Reger Betrieb herrscht im Jugendafé. Die Besucherzahl ist vergangenes Jahr deutlich angestiegen. Foto: arp/A

Jugendförderung: Werte und Vertrauen vermittelt

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Bad Tölz - Die Tölzer Jugendförderung erntet im Finanzausschuss viel Lob für ihren Beitrag zur Integration.

Einen „enormen Anstieg“ gab es vergangenes Jahr bei der Besucherzahl im Tölzer Jugendcafé. Bis zu 90 Jugendliche pro Tag hätten die Räume an der Hindenburgstraße an den 218 Öffnungstagen aufgesucht, berichtete Sozialplaner Armin Ebersberger im Finanzausschuss des Stadtrats. Dies habe auch daran gelegen, dass die Stadt mit ihrer Jugendarbeit zahlreiche junge Flüchtlinge erreiche.

„Das Thema Asyl war die dominierende Herausforderung“, sagte Ebersberger in seinem Jahresbericht. Die Jugendförderung leiste mit ihrer Arbeit „einen großen Beitrag zur Integration“ – und zwar nicht nur der Asylsuchenden, sondern von Mädchen und Buben aus noch viel mehr Nationen, die in der Stadt leben.

Die Angebote der Jugendförderung könnten eine wichtige Hilfestellung sein, „um sich in unserem Wertesystem zurechtzufinden“, so Ebersberger. „Allein schon bei Spiel- und Sportangeboten bekommt man viel davon mit, wie unsere Werte funktionieren, zum Beispiel ,Fair Play‘ oder der angemessene Umgang mit Sieg und Niederlage.“

Die vier Mitarbeiter der Jugendförderung hätten „große Bereitschaft gezeigt, sich auf die neue Situation einzulassen“. Dabei hätten sie auch das „Kunststück“ vollbracht, „in dieser Gemengelage und unter dem damit verbundenen öffentlichen Druck die ,eigene‘ Klientel nicht aus dem Auge zu verlieren.“

Um in Kontakt zu Mädchen und Buben aus Flüchtlingsfamilien zu kommen, verlegte das Team sein Angebot der offenen Jugendarbeit einmal pro Woche direkt in die Asylunterkunft im ehemaligen „Jodquellenhof“, wo es jeden Dienstagnachmittag Spiel-, Sport- und Mitmachaktionen gab. „Dort haben wir unsere Zielgruppe sehr großzügig ausgelegt“, berichtete Ebersberger. „Nicht nur 8- bis 18-Jährige durften mitmachen – auch wenn mal Kinder mit 4 oder 5 Jahren dabei waren, war es in Ordnung.“ Und anfängliche Befürchtungen, Eltern könnten ihre Kinder bloß bei den Spielenachmittagen „parken“, erwiesen sich als unbegründet. Im Gegenteil: „Die Mamas waren auch dabei.“ So sei das Ziel erreicht worden, ein Vertrauensverhältnis zu den neu angekommenen Familien aufzubauen.

Neben dem Jugendcafé hat die Jugendförderung mit dem Bürgerhaus an der General-Patton-Straße eine weitere Anlaufstelle für die Jugendlichen. Hier wurden an 167 Öffnungstagen im Schnitt 25 Besucher registriert.

Darüber hinaus stellte die Jugendförderung viele Projekte auf die Beine, etwa Theater, Mädchentreff oder Tanzturniere. Großen Erfolg hatte laut Ebersberger auch das „Open Haus Sport“. Dieses Projekt bietet regelmäßige Sportangebote an: Boxtraining in der Lettenholzschule, Klettern im Bürgerhaus, Freestyle in der Jahn-Turnhalle sowie „Dance & Talk“ für Mädchen im Jugendcafé. Dazu gehört auch, dass die Jugendförderung Schnuppertrainings bei Sportvereinen organisiert – mit dem Hintergedanken, die Mädchen und Buben für eine mögliche Mitgliedschaft zu begeistern. Dabei sei es nur bisweilen etwas mühsam, einen gemeinsamen Termin zu finden, sagte Ebersberger auf Rückfrage von Sportreferent Ingo Mehner (CSU). Von Seiten der Vereine gebe es aber „großes Wohlwollen“. Die Vereine seien bei der Integration von Asylbewerbern ohnehin „sehr engagiert“ und „daher selbst schon an ihren Kapazitätsgrenzen“.

Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann wollte wissen, ob die Jugendförderung auch am Tölzer Skaterplatz aktiv ist. „Der war nie in Verantwortung der Jugendförderung“, antwortete Ebersberger. Der Skaterplatz sei jedenfalls „wahnsinnig gut besucht“. Dort „aufsuchende Jugendarbeit“ zu betreiben, sei zwar eine Idee, die sich aber derzeit wegen der personellen Kapazitäten nicht umsetzen lasse. Sowohl Wiedemann als auch Dritter Bürgermeister Christof Botzenhart lobten das Engagement und den Ideenreichtum der Jugendförderung.

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