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Steigender Pegel: Das Wasser reichte am Montagnachmittag nah an die Tölzer Isarpromenade heran.

Steigende Pegel

Wetterkapriole führt zu Winter-Hochwasser der Isar in Bad Tölz

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Lang anhaltender starker Regen ließ am Montag im Landkreis Isar und Loisach anschwellen. Für den Monat Februar ist das ein sehr seltenes Phänomen.

Bad Tölz-Wolfratshausen Lang anhaltender starker Regen ließ am Montag im Landkreis Isar und Loisach anschwellen. Im Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim beobachtete man die Lage den ganzen Tag über genau. Die Prognosen für die Hochwasserlage änderten sich immer wieder – je nach den ständig aktualisierten Daten des Deutschen Wetterdienstes.

Am Vormittag hatte man noch damit gerechnet, dass am Abend in Bad Tölz 340 Kubikmeter pro Sekunde (cbm/s) durch die Isar rauschen würden. Weil es im Lauf des Tages kälter wurde und die Schneefallgrenze sank, gab es später Entwarnung.

Loisach-Pegel soll am Dienstag Höhepunkt erreichen

Am späten Nachmittag kalkulierte Tobias Lang vom WWA noch mit einem Spitzen-Durchfluss von etwa 225 cbm/s in Bad Tölz, der gegen 22 Uhr erreicht werden sollte. Dabei rechnete er mit einem maximalen Zufluss von 180 cbm/s in den Sylvensteinsee. Der Abfluss wurde von Montagmorgen bis zum Mittag von 12 auf 80 cbm/s erhöht und dann den Rest des Tages auf diesem Niveau gehalten. „Wir machen aus der schnellen hohen Hochwasserspitze eine lange flache Welle“, erklärte Lang.

Für die Loisach prognostizierte Karlheinz Daamen vom Hochwassernachrichtendienst, dass in Schlehdorf und Kochel am Dienstag die Hochwasser-Meldestufe 1 erreicht würde – weiter flussabwärts, etwa in Beuerberg, dann knapp nicht mehr. Dort ist der Loisachpegel im Laufe des Montags bis etwa 16 Uhr um gut einen Meter auf etwa 4,20 Meter angestiegen.

„Sehr, sehr ungewöhnlich“, so Lang, ist dabei nicht die Dimension des Hochwassers, sondern der Zeitpunkt mitten im Winter. Anfang Februar ist normalerweise eine hochwasserarme Periode. Doch das, was um diese Jahreszeit sonst als Schnee liegen bleibt, kam seit der Nacht zum Montag als Regen herunter.

Was die Stadtwerke mit Baggern angefangen haben, erledigt die Natur nun selbst

Dazu kam, dass in höheren Lagen kaum verfestigter Schnee lag, der den Regen aufsaugen hätte können. Stattdessen ließ sich die dünne lockere Schneedecke vom Regen wegschwemmen und kam als Schneeschmelze zu den Regenmassen hinzu, wie Lang erläutert. Solche Konstellationen seien um diese Jahreszeit bislang eher aus Mittelgebirgslagen („Weihnachtshochwasser“) bekannt.

Auf einen niedrigen Wasserpegel hatten WWA und Tölzer Stadtwerke gesetzt, als sie vergangene Woche eine Großaktion für den Kies-Abtransport aus der Isar in die Wege leiteten. Wie berichtet sollte Kies, der sich in Bad Tölz im Flussbett angesammelt hatte, aus Hochwasserschutzgründen per Lkw flussabwärts Richtung Pupplinger Au weggefahren werden. Das, so hat es nun den Anschein, erledigt die Kraft des Wassers von allein.

Am Montagvormittag öffneten die Stadtwerke in Absprache mit dem WWA die Schleusen des Isarkraftwerks, sodass die Isar ungehindert hindurchfließen und den Kies mitreißen kann. Das bedeutet auch, dass der Stausee verschwunden ist – und das Isarkraftwerk momentan keinen Strom produziert. Voraussichtlich bis Mittwoch soll diese sogenannte Staulegung andauern, so Stadtwerke-Chef Walter Huber.

Hochwasser-Gefahr: Isarpromenade und Wohnmobil-Stellplatz in Bad Tölz gesperrt

„Vielleicht können wir uns die Restarbeiten für den Abtransport jetzt ganz sparen“, hofft Huber. „Der Vorteil ist, dass der Kies jetzt schon einmal aufgelockert ist und schneller weggespült werden dürfte.“ Eventuell müsse der Abtransport per Lkw im Herbst fortgesetzt werden.

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Die Stadt Bad Tölz bereitete sich ab dem frühen Nachmittag auf das Erreichen eines Isarpegels von 2 Metern und damit der ersten Hochwasser-Meldestufe vor. „Das bedeutet, dass die Isarpromenade und der Wohnmobilparkplatz an der Königsdorfer Straße überschwemmt werden könnten“, erklärte gegen 14.30 Uhr Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach. Auch wenn sich die Prognosen hier ebenfalls später relativierten; Die Isarpromenade wurde im Bereich des Ernst-Thissen-Stegs gesperrt. Und die Wohnmobilisten wurden auf die Risikolage hingewiesen. Neu ankommende Camper wurden an der Königsdorfer Straße nicht mehr zugelassen und gebeten, den Parkplatz an der Wee-Arena anzufahren.

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Dass im Sylvensteinspeicher aktuell Bauarbeiten laufen, beeinträchtigte die Hochwassersteuerung laut Lang übrigens nicht. Hier werden auf der Ostseite, also bei der Sylvensteinwand, Antriebe und Schütztafeln ausgetauscht und erneuert.

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