Auf die Großwetterlage und Statistiken stützen sich der Tölzer Meteorologe Kai Zorn und Ivo Brück, Experte für Langzeitprognosen, bei ihren Einschätzungen.

Wetterprognosen

Zorn und Haslinger: Wir haben’s kommen sehen

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Sowohl Meteorologe Kai Zorn als auch Naturdeuter Sepp Haslinger nehmen für sich in Anspruch, mit ihren Winter-Prognosen Recht behalten zu haben.

Bad Tölz/Benediktbeuern – Einen Winter ohne Schnee hatte Wetterkerzen-Mann Sepp Haslinger prognostiziert. Weil es aber an weißer Pracht nicht mangelte, muss sich der 75-jährige Benediktbeurer jetzt wieder einiges anhören. Er selbst ist jedoch überzeugt, Recht behalten zu haben. Das nimmt auch der Tölzer Meteorologe Kai Zorn für sich in Anspruch, der ebenfalls eine Winter-Vorschau für den Tölzer Kurier gemacht hatte – allerdings auf wissenschaftlicher Basis. Das Wetter-Berechnungsmodell CFS hatte eine Kältewelle im Januar kommen sehen.

Grundsätzlich, sagt Zorn, sei es nicht möglich, monatelang im Voraus das Wetter für einen bestimmten Monat oder gar Tag vorherzusagen. Nur anhand der Großwetterlage und von Statistiken könne man eine Wahrscheinlichkeit erstellen und eine Tendenz vorhersagen.

Der vergangene Winter, sagt Zorn, sei einer der kältesten im Tölzer Land gewesen. „So eine Kältewelle wie Anfang und Mitte Januar hatten wir seit 1987 nicht mehr“, sagt der gebürtige Lenggrieser, dem selbst bei Schnee und Kälte das Herz aufgeht. Langfrist-Modelle hatten diese Entwicklung im Herbst kommen sehen, sagt Zorn. „Nur das amerikanische NOAA-Modell lag dieses Mal ziemlich daneben.“

Generell, sagt Zorn, werde es im Sommer und Winter künftig immer etwas wärmer werden. „Einen dauerhaft schlechten Sommer wird es künftig nicht mehr geben“, sagt der Meterologe von wetter.com mit Blick auf den Klimawandel. Dauerhaft kalte und regnerische Sommer gab es im Tölzer Land zum Beispiel von 1977 bis 1981. „Jetzt jammert man ja schon, wenn es mal einen Monat lang schlecht ist.“

Für den Tölzer Kurier hat Zorn zusammen mit Ivo Brück, einem Experten für Langzeit-Prognose, wieder ein Video gedreht. Darin heißt es, dass der Sommer heuer durchwachsen werde. „Im Volksmund heißt es ja: ,Wenn der Winter kalt ist, kommt ein heißer Sommer‘. Aber das stimmt nicht“, sagt Ivo Brück in dem Video. „Wenn die Winter anfangen, wieder kälter zu werden, werden die Sommer auch nicht mehr so heiß und schön.“

Zorn und Brück haben Langzeit-Modelle angeschaut und gehen von einem durchwachsenen Sommer aus, der nicht dauerhaft heiß sein wird. „Schöne Tage gibt es wohl im Juni und von Ende Juli bis Ende August“, sagt Zorn. „Aber es ist nicht davon auszugehen, dass es bis weit in den Herbst hinein warm sein wird.“

Glaubt weiter felsenfest an die Aussagekraft der Wetterkerze: Der Benediktbeurer Josef Haslinger.

Und auch jetzt, im März, hat der Frühling noch nicht endgültig Einzug gehalten. „Der schönste Tag dieser Woche wird wohl der Donnerstag“, sagt Zorn. „Aber die Temperaturen werden schon noch mal in den Keller gehen, und Schnee ist auch noch mal drin.“

In seinem Video teilt Zorn auch einen Seitenhieb gegen „Wetterkerzen-Mann“ Sepp Haslinger aus, der mit seiner Prognose falsch gelegen habe. Das sieht der ehemalige Hüttenwirt selbst aber völlig anders. „Es hat nur selten geschneit – den ganzen Winter über vielleicht an fünf Tagen“, fühlt er sich bestätigt. Wegen der Kälte sei der Schnee dann lange liegen geblieben. „Dann sagen die Leute: Es hat doch den ganzen Winter Schnee gehabt. Aber meine Aussage bezieht sich nur auf die Menge der Niederschläge. Und meine Aussage hat 100-prozentig gestimmt.“ Als Beweis führt Haslinger an, dass zu keinem Zeitpunkt Lawinengefahr bestanden habe. „Am Brauneck konnte man nur dank Kunstschnee skifahren“, konstatiert Haslinger. „Aber der Schnee hätte niemals ausgereicht, um auf Schnablern Holz ins Tal zu transportieren.“

Im Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte meint Haslinger, die Wetterkerze weise eine Trefferquote von 95 Prozent auf. Nur vor einem Jahr, da habe seine Prognose eines schneereichen Jahrhundert-Winters überhaupt nicht zugetroffen, räumt er ein. „Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es schon mal so verkehrt war.“ Kritik von Meteorologen weist der Benediktbeurer rundweg zurück: „Die sollen sich erst mal an die eigene Nase fassen.“

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