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Über ihre Gefühle und Sorgen tauschen sich die jungen Teilnehmer der Trennungs- und Scheidungskindergruppe mit den Sozialpädagogen Christian Hoffmann und Jessica Rusch aus.

„Manchmal bin ich sauer auf meine Eltern“

Wie Scheidungskinder dem Weihnachtsfest entgegenblicken

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Wenn sich die Eltern trennen, geht das an keinem Kind spurlos vorbei. In der Trennungs- und Scheidungskindergruppe der ökumenischen Beratungsstelle in Bad Tölz beschäftigen sich die Kinder in zehn Treffen mit mit ihren Gefühlen und Sorgen – gerade in der Weihnachtszeit. Wie es ihnen ergeht, berichten die sieben- bis elfjährigen Kurs-Teilnehmer Robert, Andreas, Peter und Max (Namen geändert).

Wie feiert Ihr Weihnachten?

Peter: Bei uns wechseln sich Mama und Papa jedes Jahr mit dem Weihnachten-Feiern ab. Dieses Jahr bin ich beim Papa. Mit der Mama feiere ich dann am 26. Dezember.

Max:Also, bei uns kommen Freunde aus München.

Andreas:Wir fahren zu Bekannten und feiern mit denen. Meine Mama und mein Stiefvater kommen mit. Ein paar Tage später feiere ich dann mit meinem Papa.

Wie empfindet Ihr diese Situation?

Peter:Für mich ist das normal. Das letzte Mal haben wir gemeinsam Weihnachten gefeiert, als ich ein Jahr alt war. Inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, mit Papa und Mama zu feiern.

Wie habt Ihr die Trennung Eurer Eltern erlebt?

Max: Ich hab’ erst gar nicht verstanden, was da los ist. Sie haben sich immer richtig gestritten. Die Mama hat die Türe zugeschlagen, damit der Papa nicht reinkommt. Ich hab’ gesagt, ich mach dem Papa aber die Türe auf.

Robert: Ich hab’ von der Trennung meiner Eltern gar nichts mitgekriegt, weil da war ich ja erst ein Jahr alt. Ich weiß nur, was mir mein Bruder und meine Mutter dazu erzählt haben.

Andreas:Ich hab’ den Streit gar nicht mitgekriegt. Als ich auf die Welt gekommen bin, waren meine Eltern schon getrennt. Für mich war das ganz blöd. Meine Mama hat gesagt, ich soll bei ihr bleiben. Und mein Papa hat gesagt, ich soll zu ihm gehen. Ich mag meine Mama und meinen Papa sehr gerne. Da war ich oft traurig, weil ich mich nicht entscheiden konnte.

Wie verbringt Ihr den Urlaub?

Andreas:In den Weihachtsferien fliege ich mit meiner Mama und meinem Stiefvater irgendwohin. Das finde ich irgendwie blöd. Ich fände es besser, wenn mein richtiger Papa dabei wäre. Den meisten Kindern geht es da bestimmt ähnlich.

Robert: Ich will, dass sich meine Mama wieder mit meinem Papa verträgt.

Peter: Das geht nicht. Mein Papa hat wieder geheiratet. Und zweimal trennen ist blöd.

Andreas:Im Moment vertragen sich meine Eltern relativ gut. Meine Eltern müssen ja nicht unbedingt wieder zusammenkommen. Ich würde mir aber wenigstens wünschen, dass wir mal wieder was gemeinsam unternehmen, zum Beispiel einen Urlaub in Griechenland. Das wär’ schön.

Seid Ihr auf Eure Eltern manchmal sauer?

Peter:Manchmal bin ich schon sauer auf sie. Einmal haben sich meine Eltern bei der Übergabe 20 Minuten lang gestritten.

Robert: Ja, ich bin sauer. Manchmal stören sie mich.

Andreas:Wenn sich meine Eltern streiten, bin ich wütend auf sie. Meistens geh ich dann in mein Zimmer und versuche mich abzulenken.

Max: Meine Eltern streiten auf Englisch. Und dann versteck’ ich mich irgendwo.

Andreas: Einmal habe ich mich im Klo versteckt, als sich meine Eltern gestritten haben und hab’ zugesperrt. Dann hab’ ich die Türe nicht mehr aufgekriegt. Ich bin auf den Klodeckel gestiegen, und er ist eingebrochen. Meine Mutter schimpft manchmal auf Englisch oder in anderen Sprachen, damit ich die ganzen Beleidigungen nicht verstehe.

Was habt Ihr in diesem Kurs gelernt?

Andreas:Wenn man sich ärgert, kann man gegen einen Boxsack hauen oder gegen den Wutball. Man soll nicht gegen die Tür hauen, weil die kann kaputt gehen. Wenn ich was nicht gut finde, kann ich das auf einen Zettel schreiben, den ich zerreiße oder vergrabe.

Hat Euch der Kurs geholfen?

Andreas: Ja, schon. Aber so richtig weitergebracht hat er mich nicht. Meine Eltern sind ja noch immer getrennt.

Robert: Mir hat der Kurs gut gefallen. Ich will da bleiben.

Was empfiehlst Du Kindern, wenn sich Eltern trennen?

Robert: Die Kinder sollen sagen: Geht weg, Ihr feigen Nüsse.

Andreas: Die Kinder sollten auf alle Fälle an diesem Kurs teilnehmen.

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