Das Fitnessgerät „Icaros“ ist für Schlaganfall-Patienten bestens geeignet, weil sie darauf auch ihre eigentlich gelähmte Seite verwenden müssen und ihre Einschränkungen vergessen können.

Innovatives Projekt der Selbsthilfegruppe 

Wie Schlaganfall-Patienten fliegen lernen

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Seit 20 Jahren unterstützt die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe Betroffene in ihrer schwierigen Situation. Zum Jubiläum wird ein innovatives Projekt angegangen: Ein ungewöhnliches Therapiegerät soll angeschafft werden.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Nach seinem Schlaganfall wollte Frank Fischer eigentlich nicht mit Menschen in Kontakt treten. Vor fünf Jahren traf es den Penzberger aus heiterem Himmel, seither ist er halbseitig gelähmt. „Ich bin vom Typ her eigentlich ein offener Mensch, aber danach habe ich mich erst mal einge-igelt“, sagt Fischer. Dann erfuhr er per Zufall über ein Inserat von der Selbsthilfegruppe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und rief deren Leiter, Douglas Paterson, an. „Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe“, sagt Fischer heute. „Ich konnte aktiv sein, von meinen Erfahrungen erzählen. Das ist für mich eine richtige Therapie geworden.“

Douglas Paterson,  Gründer der Selbsthilfegruppe

Vor 20 Jahren gründete Paterson die Gruppe als selbst Betroffener (siehe Kasten), seit 2008 hält er zusammen mit Fischer regelmäßig Vorträge. „Ich habe das Problem gesehen: Wenn man Prospekte auslegt, gehen die Leute einfach daran vorbei. Man kommt nicht an die Patienten heran. Mit den Vorträgen schaffen wir es, 400 bis 500 Betroffene anzusprechen.“ Weil sie auf persönliche Erlebnisse zurückblicken können, sind ihre Schilderungen authentisch.

Ein Trend der vergangenen Jahre: Immer häufiger sind junge Leute betroffen. „Deshalb gehen wir in unseren Überlegungen mehr in Richtung digitale Möglichkeiten“, sagt Paterson. Neben einer ausgebauten Internetpräsenz geht es hier um eine neue Therapiemöglichkeit, die die Gruppe gerne umsetzen möchte: „Icaros“ heißt diese.

Es handelt sich dabei um ein Fitnessgerät einer Münchner Startup-Firma – gedacht als Trainingsmöglichkeit für jeden. Paterson und Fischer sehen aber die Vorteile für Schlaganfall-Betroffene. Der Patient bekommt dabei eine Brille aufgesetzt, die ihm eine virtuelle Realität vorspielt. Dabei liegt er auf dem Gerät, das ihm das Gefühl des Fliegens vermittelt. Eigentlich spielt man dabei ein Spiel. Fischer hat das Ganze ausprobiert. „Man vergisst dabei die Behinderung. Und man muss auch die eigentlich gelähmte Seite verwenden“, erklärt Paterson. „Das Gerät bietet einiges, was für unsere Zwecke geeignet ist.“ Und nicht nur das: Auch für Menschen mit Knie- oder Hüftoperationen könnte es als begleitende Therapie nützlich sein.

Derzeit angewandte Programme seien oft zu schwer für die Patienten. „Icaros kann man stufenweise aufbauen.“ Fischer erklärt es folgendermaßen: „Als Schlaganfall-Patient kommt man schnell an seine Grenzen, die Frustration ist hoch.“ Beim Icaros-Programm können Tempo und Schwierigkeitsgrad angepasst werden, die Betroffenen hätten eher Erfolgserlebnisse.

Patersons Vision: dass an der Buchbergklinik in Bad Tölz und der Rehaklinik in Bad Heilbrunn je ein solches Gerät angeschafft wird. Dafür sucht die Selbsthilfegruppe nun Sponsoren. Denn der Preis für ein Gerät liegt bei rund 10 000 Euro. „Das ist ein erreichbares Ziel“, sagt der Sindelsdorfer. „Das Gerät könnte vielen Menschen helfen. Wir könnten im Laufe der Zeit selbst Programme dafür gestalten.“

Spenden: Wer die Selbsthilfegruppe unterstützen will, kann sich bei Douglas Paterson melden, Telefon 0 88 56/8 33 05

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