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Symbolbild

Asklepios-Stadtklinik

Wieder Lücke in der Geburtshilfe

Bad Tölz –  Neuer Rückschlag für die Geburtshilfe-Abteilung: Einer von drei Belegärzten, Dr. Wolfgang Oettle, hört zum Jahresende im Krankenhaus auf. Damit lastet die Arbeit wieder auf zwei Schultern - nicht haltbar als  Dauerzustand.

Die Asklepios-Stadtklinik ist bei werdenden Müttern beliebt. Einmal mehr hat das Krankenhaus an der Schützenstraße heuer die 500er-Marke bei der Zahl der Geburten überschritten. Dem steht aber ein unübersehbarer Mangel an Ärzten gegenüber. Nach dem überraschenden Tod von Dr. Bernhard Schwaiger hatten die Frauenärzte Dr. Stephan Krone und Dr. Wolfgang Oettle die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe alleine weiterführen müssen – neben der Arbeit in der jeweils eigenen Praxis. Die Situation brachte die Mediziner an die Belastungsgrenze.

Entwarnung schien es dann im Oktober zu geben, als mit Dr. Florina Rummel eine Nachfolgerin nicht nur für Schwaigers Praxis, sondern auch für die Belegarzt-Stelle gefunden war (wir berichteten).

Dr. Wolfgang Oettle: Nur noch bis Jahresende Belegarzt an der Stadtklinik

Ab Januar aber steht das Krankenhaus wieder vor exakt demselben Problem wie vorher: Wie die Asklepios-Klinik gestern bekannt gab, hat Oettle seinen Vertrag, der zum Jahresende ausläuft, nicht verlängert. Die Zusammenarbeit sei somit nach zehn Jahren beendet. „Das tut mir selbst sehr weh“, sagt der Gynäkologe auf Rückfrage des Tölzer Kurier. „Ich verliere damit einen Teil meiner Identität. Aber Gesundheit und Familie gehen vor.“ Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung „sehe ich mich nicht in der Lage weiterzumachen“.

Die Arbeit sei schon zu dritt zu viel. Und in der Zeit, als es nur zwei Belegärzte waren, „da gab es Zeiten, wo ich gar nicht mehr gewusst habe, wie wir es schaffen sollen“. Er habe so gut wie kein Privatleben mehr gehabt. „Urlaube wurden gestrichen oder verkürzt, meine Nerven lagen blank.“ Aufgrund der Überlastung habe er auch fürchten müssen, dass ihm Fehler unterlaufen. „Ich hätte gerne schon früher gekündigt und kann den Vertrag nur mit Müh und Not erfüllen. Ich bin heilfroh, wenn ich es überstanden habe.“ Denkbar sei für ihn nun allenfalls noch, in bestimmten Situationen in der Geburtshilfe-Abteilung auszuhelfen. „Aber nur, wenn es ganz klare Grenzen gibt.“

Klinik-Geschäftsführer Joachim Ramming gibt sich in einer Pressemitteilung trotz allem optimistisch. „Wie es aktuell aussieht, werden wir mit zwei Belegärzten in das Jahr 2016 starten“, erklärt er. „Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Herausforderung meistern werden.“ Schließlich sei die Abteilung nach dem plötzlichen Tod von Dr. Schwaiger „bereits zwischen März und Oktober erfolgreich von zwei Gynäkologen geführt worden“. Ramming räumt aber ein: „Ein Dauerzustand soll das nicht sein. Wir streben ein Modell mit mindestens drei Belegärzten an und sind zuversichtlich, dass wir dieses Ziel auch erreichen.“ Derzeit würden verschiedene Lösungsmöglichkeiten geprüft. „Darunter auch der Aufbau einer eigenen Hauptabteilung und die Intensivierung der Zusammenarbeit mit umliegenden Kliniken.“ Als Grund- und Regelversorger habe die Klinik den Anspruch, die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe aufrechtzuerhalten.

Wie schwierig die Suche nach geeignetem Personal ist, hatte Ramming aber erst vor wenigen Wochen gegenüber dem Tölzer Kurier erklärt. „Der Markt ist leergefegt“, sagte er damals. So gebe es in Deutschland derzeit 80 Geburtshilfe-Abteilungen, die keinen Chef finden.

Andreas Steppan

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