Grausame Realität: Dieses totgebissene Reh fotografierte Jagdpächter Anton Krinner. Es soll sich um eines der harmloseren Bilder handeln.

Jäger sind besorgt

Wildernde Hunde: „Katastrophe“ für Rehe

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Viele Rehe, Hasen und Wiesenbrüter im Landkreis sterben jedes Jahr einen grausamen Tod, wenn sie von wildernden Hunden zerfleischt werden. Jäger wie Anton Krinner machen deshalb immer häufiger von ihrem Recht Gebrauch, die nicht angeleinten Hunde zu erschießen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Dieses Bild wird Jagdpächter Anton Krinner niemals vergessen: Der Körper der Rehgeiß ist zerfetzt. Die ungeborenen Kitze liegen im Blut der Mutter auf dem Boden. Auf der Flucht vor zwei Hunden war das hochträchtige Tier in Panik in einen Maschendrahtzaun in der Nähe von Baumberg (Gemeinde Bad Heilbrunn) gerannt und hatte sich darin verfangen. Die Hunde kannten keine Gnade mit ihrem hilflosen Opfer. „Der Anblick ging einem bis ins Mark“, sagt Krinner.

Fast zwölf Jahre ist dieser Zwischenfall in Bad Heilbrunn nun her. An der Aktualität der Thematik hat sich nichts geändert: Wildernde Hunde stellen nach wie vor ein großes Problem im Landkreis dar. Krinner spricht sogar von einer „Katastrophe“.

Allein in den vergangenen vier Monaten seien fünf Rehe und eine Hirschkuh in seinem 1500 Hektar großen Revier, der Heilbrunner Jagd, gerissen worden. Jetzt im Frühjahr dürften die Zahlen noch steigen: Viele Tiere sind hochträchtig, können also noch schlechter fliehen. Krinner verweist zudem auf eine hohe Dunkelziffer: Viele Rehe, Hasen oder Wiesenbrüter verkriechen sich zum Sterben im Gebüsch, werden also von den Jägern nicht entdeckt. „Das ist die Realität“, sagt Krinner. Als Vorsitzender der Hegegemeinschaft Isarwinkel, zu der 33 Reviere gehören, unterhält er sich mit vielen Jägern und weiß: „Dieses Problem kennen alle.“

Umso wütender machen ihn viele Hundehalter. „Die sind völlig uneinsichtig“, schimpft Krinner. Wenn er die Spaziergänger darauf anspreche, warum sie ihre Vierbeiner nicht an die Leine nehmen würden, hagle es freche Antworten. Oder den Standardsatz: „Mein Hund wildert nicht.“

Diese Aussage hat auch Daniela Seeger schon oft zu hören bekommen. Erst im vergangenen Jahr behauptete ein Spaziergänger, sein Hund sei völlig harmlos. „Im selben Moment rannte ein Hase übers Feld – und weg war der Hund.“ Immer wieder erinnert Seeger Hundehalter an die Anleinpflicht, die seit 2014 in ihrer Heimatgemeinde Wackersberg für alle Kampfhunde und Vierbeiner ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern gilt – und stößt in der Regel auf Unverständnis. Fast genauso oft stößt sie hinter ihrem Haus zwischen Lehrbienenstand und Waldherralm oder auf ihren Spaziergängen auf totgebissene Rehe. Deshalb lässt Seeger nicht locker – auch, wenn sie sich damit unbeliebt macht, wie sie sagt.

Wie berichtet stellte die Wackersbergerin im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Bürgermeisters und verschiedenen Landwirten zehn Schilder auf, unter anderem am Waldrand und am „Altwirt“. Sie zeigen die Bilder von zwei totgebissenen Rehböcken aus der Region. „Wollen Sie, dass unsere Rehe so enden?“, steht unter den Fotos. Oben fordert Seeger: „Hunde bitte an die Leine“. Ihre Bilanz nach einem knappen Jahr: „Die Leute registrieren die Schilder zwar. Sie sind ihnen aber egal.“

Ähnlich düster ist die Einschätzung von Anton Krinner. „Wir Jäger haben resigniert.“ Die einzige Möglichkeit, die Hundehalter zur Vernunft zu bringen, sieht er inzwischen darin, vermehrt vom sogenannten Jagdschutzparagrafen Gebrauch zu machen. Der gibt den Jägern das Recht, wildernde Hunde zu töten. Genau genommen seien sie sogar dazu verpflichtet – zum Schutz der Rehe, Hasen und der anderen Tiere. „Viele Jäger trauen sich bloß nicht so recht, weil das Thema ein heißes Eisen ist.“ Krinner selbst hält die sieben Jäger in seinem Revier aber inzwischen ganz klar dazu an, von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Zwei bis drei Hunde, schätzt er, werden in der Heilbrunner Jagd jedes Jahr erschossen, weil sie beim Wildern erwischt werden.

Eine harte Linie, die auch Krinner nicht leicht fällt. Er selbst hat seit 45 Jahren Hunde und weiß: Sie können nichts für ihren Jagdinstinkt, er ist angeboren. „Aber anders lernen es die Hundehalter anscheinend nicht.“

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