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Klare Ansage in der Demmel-Stube des Gasthofs zur Post: Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel (47) will im März nächsten Jahres Landrat werden. 

Kommunalwahl 2020

Das will Anton Demmel als Landrat verändern: „Es muss Schluss sein mit Nichtstun“

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Die CSU möchte am 23. Mai den Königsdorfer Bürgermeister Anton Demmel als Landratskandidat nominieren. Der 47-Jährige, der 2015 im Clinch mit Amtsinhaber Josef Niedermaier aus der Freie-Wähler-Fraktion in Kreistag ausstieg, gab sich bereits bei seiner Vorstellung am Dienstagvormittag kämpferisch.  

Königsdorf– Noch vor wenigen Tagen zierte sich der Königsdorfer Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf die Frage, ob er 2020 als Landrat kandidieren will, antwortete Anton Demmel: „Warten wir die Klausur der Kreis-CSU Ende Januar ab. Dann sehen wir weiter.“ Nun ist es offiziell: Der Diplom-Finanzwirt wird Amtsinhaber Josef Niedermaier (Freie Wähler) herausfordern. Das gaben CSU-Kreisvorsitzender Martin Bachhuber und Demmel am Dienstag in einem Pressegespräch bekannt.

Ob’s Zufall war? Ausgerechnet die Demmel-Stube, benannt nach dem 1899 in Königsdorf geborenen „Hoicher-Maler“ Georg Demmel, hatte Bachhuber reservieren lassen. Der Landtagsabgeordnete spannte die Medienvertreter nicht auf die Folter, sondern verkündete eine Personalentscheidung, die CSU-Kreisvorstand und -Kreistagsfraktion am Wochenende in ihrer Klausur im Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching am Ammersee getroffen haben: Anton Demmel wirft bei der Landratswahl 2020 „den Hut in den Ring“, so Bachhuber. Nominiert werden soll der 47-Jährige in der Kreisvertreterversammlung am 23. Mai.

Der Königsdorfer Rathauschef war 2015 im Zuge des Trinkwasserstreits zwischen der Gemeinde und der Kreisbehörde aus der Kreistagsfraktion der Freien Wähler ausgetreten. Demmel warf seinem Freie-Wähler-Fraktionskollegen, Landrat Josef Niedermaier, vor, eine klärende dritte Meinung im Trinkwasserstreit verhindert zu haben. Demmels Fazit: „Wenn dies der Weg ist, miteinander umzugehen, dann bin ich im System Niedermaier falsch.“ Im Herbst 2017 wechselte er das Parteibuch – und im selben Atemzug zur Kreistagsfraktion der Christsozialen. „Als Nicht-Fraktionsmitglied im Kreistag kann man nichts bewegen“, erklärte Demmel seinerzeit. Er wolle sich jedoch im Kreistag engagieren. Und: „Ich bin unzufrieden mit der Kreispolitik unter der Führung von Landrat Josef Niedermaier. Die Probleme werden immer mehr, die Lösungen immer weniger.“

„Toni, wie schaut’s denn aus als Landratskandidat?“

„Toni, wie schaut’s denn aus als Landratskandidat?“ Bachhuber machte kein Geheimnis aus der Tatsache, dass er die Initiative ergriff. Ein „ehrliches Bekenntnis“ des Kreisvorstands- sowie der Kreistagsfraktion in Herrsching hätte seinen Vorstoß „eindrucksvoll“ unterstrichen: Gut 90 Prozent der Klausurteilnehmer hätten sich für Demmel als Landratskandidat ausgesprochen.

Der 47-Jährige, einst Eishockeyspieler bei den Tölzer Löwen und später beim TuS Geretsried, betonte am Dienstag: „Ich geh’ aufs Eis, um zu gewinnen.“ Er schloss auch mit einem Lächeln aus, dass er nach wenigen Metern kalte Füße bekommt. Der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl hatte vier Wochen, nachdem er im Frühjahr 2013 als Landratskandidat der CSU präsentiert worden war, die Notbremse gezogen. Schließlich sprang Sabine Lorenz in die Bresche. Die Geretsriederin holte 23,4 Prozent der Stimmen, Niedermaier errang bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, obwohl es mit Klaus Koch (Grüne) und Gabriele Skiba (SPD) noch zwei weitere Bewerber gab.

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Demmel, der seit 2008 Bürgermeister in Königsdorf ist, zog rückblickend eine positive Bilanz. Als er das Amt übernahm, sei die Gemeinde verschuldet und die Prognosen wenig rosig gewesen. Mittlerweile seien wichtige Infrastrukturmaßnahmen erfolgt, statt eines Schuldenbergs habe Königsdorf vier Millionen Euro im Sparstrumpf. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Demmel – und betonte: Das sei nicht die Leistung eines Alleingängers, sondern eines Teams, eines „starken Gemeinderats“.

„Probleme in unserem Landkreis werden nicht gelöst, sondern erklärt“

2015 sei ihm der Gedanke gekommen: Der Entwicklungsspielraum der 3000-Einwohner-Gemeinde sei an seine Grenzen gestoßen. „Königsdorf braucht eine Neuausrichtung“, in seinen Augen gehört dazu ein Personalwechsel an der Rathausspitze. „Mit 47 Jahren stehe ich in der Mitte des Lebens“, so Demmel, er habe nach reiflicher Überlegung entschlossen, sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Er wolle als Landrat dafür sorgen, dass Projekte zur „Entscheidungsreife“ kommen. Nach seiner Meinung werden „Probleme in unserem Landkreis nicht gelöst, sondern erklärt“. Die richtigen Voraussetzungen bringe er mit: Diplom-Finanzwirt, zwölf Jahre im Tölzer Rathaus angestellt, Dozent an der Bayerischen Verwaltungsschule, seit 2008 Bürgermeister. Er wolle, dass in der Kreisbehörde „konzeptionell besser gearbeitet wird, als das bisher der Fall ist“. Demmel nannte den ÖPNV als Beispiel: Der Landkreis könne von der Landeshaupstadt lernen, er müsse sich rasch „besser aufstellen“ als zu warten, bis „das Chaos“ endgültig eintrete. Es müsse „Schluss sein mit dem Nichtstun“, im Kreis „liegt etwas im Argen“, selbst die Pflichtaufgaben würden nicht erledigt.

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Ihm sei es wichtig, „mit offenen Karten zu spielen“, das heißt, rechtzeitig vor der Kommunalwahl im März 2020 „für klare Verhältnisse zu sorgen“. Er werde im Mai nächsten Jahres definitiv aus dem Bürgermeisterzimmer ausziehen – egal, ob er die Landratswahl gewinnt oder nicht. Und wenn’s nicht klappt: Dann geht’s zurück ins Tölzer Rathaus, als Beamter habe er einen „Rückkehranspruch“. Aber mit diesem Thema beschäftige er sich nicht: „Was wird wenn? Das ist eine Frage, die ich mir nicht stelle.“ Er gehe ins Rennen, um als Erster die Ziellinie zu überqueren. Punkt.

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Wer erscheint den Königsdorfer Christsozialen als geeignet, im Mai 2020 die Nachfolge Demmels als Bürgermeister anzutreten? „Das verraten wir Ihnen am Donnerstag“, kündigte Ortsvorsitzender Johann Stöger am Dienstag an. Mutmaßlich wieder bei Weißwurst und Brezn in der Demmel-Stube.

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