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Die Anwesenheit eines Wolfs im Landkreis wurde vor zwei Jahren nachgewiesen. Jetzt ist offiziell, dass ein Tier im Landkreis Traunstein aufgetaucht ist.

Willkommen, Wolf?

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Die Staatsregierung hat einen neuen „Aktionsplan Wolf“ veröffentlicht. Mit diesem sind aber sowohl Almbauern als auch Naturschützer nicht zufrieden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf wieder im Landkreis ankommt. Vorzwei Jahren wurde offiziell die Aktivität eines Tiers in St. Heinrich (Gemeinde Münsing) bestätigt – und vor wenigen Tagen das zweite Mal in Oberbayern, diesmal im Kreis Traunstein. Passend dazu hat die Staatsregierung am Montag ihren neuen „Aktionsplan Wolf“ veröffentlicht. Mit dem aber sind weder Almbauern noch Naturschützer im Landkreis zufrieden.

Die Staatsregierung sieht vor, dass unterschieden wird, wo im alpinen Raum Herdenschutzmaßnahmen – zum Beispiel mit Zäunen – mit tragbarem Aufwand möglich sind und wo nicht. In letzteren Bereichen soll eine „Entnahme“ von Wölfen möglich sein. Wie Georg Mair aus Gaißach, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) erklärt, soll dazu im Frühjahr eine Expertenkommission die Almweiden begutachten.

Aus Sicht von Friedl Könauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, stellt der Aktionsplan nichts anders dar als einen „Versuch, den gesetzlichen Schutz des Wolfs auszuhebeln“. Nach seiner Lesart sind „nicht schützbare“ Gebiete faktisch „wolfsfreie Zonen“.

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Die Interpretation des AVO-Vorsitzenden Mair sieht da ganz anders aus: Man gebe „nicht schützbare“ Gebiete praktisch „der Aufgabe preis“, denn: „Die Aktivität der Wölfe wird sich auf diese Gebiete konzentrieren.“ Bis es aber zum tatsächlichen Abschuss komme, sei in der Praxis zuerst „ein umständlicher Prozess“ nötig, der sich vom Nachweis des Wolfsvorkommens bis hin zur Behandlung von Widersprüchen vor Gericht reichen könne. Nach ein bis zwei Übergriffen von Wölfen auf sein Vieh aber „resigniert der Tierhalter“, meint Mair.

Im Bereich Fall und Jachenau habe es bereits verdächtige Rehrisse gegeben. Dazu, dass ein Bauer seine Almgebiete aufgibt, sei aber noch nicht einmal ein gerissenes Tier nötig. Mair erinnert daran, dass 2017 eine Reihe von Panikreaktionen und Abstürzen von Vieh am Staffel einen Jachenauer Bauern veranlassten, sein Vieh im Tal zu lassen. „Das geht schneller, als man denkt“, so Mair.

Ein Rückgang der Almwirtschaft aber „wäre jammerschade“. Dadurch werde die Stallhaltung befördert – und letztlich auch das Artensterben. Denn ohne Almwirtschaft gebe es in einem Gebiet, das ohnehin zu 70 bis 80 Prozent aus Wald bestehe, noch mehr Wald. Die Weiden als Lebensraum für Insekten würden verschwinden.

Zur Artenvielfalt gehört auch der Wolf, das räumt Mair ein. „Aber der Wolf ist nur eine Art und gefährdet den Lebensraum vieler anderer Arten.“ Zudem sei der Wolf „in keiner Weise gefährdet“, meint Mair. „Deutschland ist mit 100 Rudeln das wolfsreichste Land Europas. Und die Population wird stark zunehmen.“ Da die Reviere in Ostdeutschland besetzt seien, sei eine Ausbreitung in den Alpenraum unvermeidlich. Der aber sei wegen dichter Besiedlung, Tourismus und Almwirtschaft als Wolfs-Lebensraum ungeeignet.

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Selbst bei den Gebieten, die die Expertenkommission als schützbar einstuft, hat Mair Zweifel an der Umsetzbarkeit. Laut Aktionsplan seien Zäune von 90 Zentimetern ausreichend. Die Erfahrung zeige aber, dass das nicht genüge. Der französische Fachmann Laurent Garde empfehle gar Zäune von zwei Metern Höhe mit Stacheldraht oben drauf, „wie in einer Kaserne“. Mair glaubt nicht, „dass man solche Riesenbarrieren in der Natur wirklich haben möchte“ – davon abgesehen, dass sie in FFH-Gebieten, um die es sich bei den Weidegebieten überwiegend handele, gar nicht erlaubt seien.

Auch der Einsatz von Herdenschutzhunden sei in einer Gegend, in der viele Wanderer unterwegs sind, „sehr problematisch“. Mair: „Das sind offiziell Kampfhunde.“

Drastische Szenarien, wie sie der AVO zeichne, will Krönauer so nicht stehen lassen. Herdenschutzhunde etwa seien „keine gefräßigen Monster“, „sondern das müssen geprüfte Hunde sein, auch was ihre Eigenschaften gegenüber dem Menschen betrifft“.

Auch so zu tun, „als könne man nicht mehr auf die Almen gehen, wenn der Wolf da ist“, hält der Schlehdorfer für überzogen. Die Behauptung, der Wolf sei eine Gefahr für den Tourismus, sei daher „bodenlos“. Der Wolf sei so scheu, „da muss man schon großes Glück haben, einen zu sehen“.

Eine Koexistenz zwischen Wolf und Almwirtschaft hält Krönauer für möglich. „Es stört mich, wenn gesagt wird: ,Entweder Alm oder Wolf.‘“ Man müsse sich anschauen, „was bisher faktisch passiert ist“. Er wolle kein gerissenes Kalb oder Schaf gering schätzen, sagt Krönauer. „Aber im Vergleich dazu ist die Zahl der Verluste durch Abstürze oder Blitzschläge wesentlich höher. Da muss man die Kirche mal im Dorf lassen.“

Es obliege nicht dem Menschen zu befinden, welcher Lebensraum geeignet sei und welcher nicht. „Das entscheidet die Natur selbst.“ In einer Region, in der es zu große Rotwildbestände gebe, könne der Wolf dem natürlichen Gleichgewicht sogar gut tun.

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