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Nur mit Tourenski kommt man normalerweise zu dieser Jahreszeit auf den Scharfreiter (2102 Meter) im Karwendel. Heuer reichen Bergschuhe.  

Tourismus

Winter-Wanderland statt Winter-Wonderland

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Winter zeigt sich von seiner grünen Seite. Die Hüttenwirte sind trotzdem recht zufrieden: Statt Skifahrern und Tourengehern kommen Wanderer. Ein paar weiße Flocken wären dennoch gerne gesehen.

Eigentlich rollt zwischen den Jahren ein Auto nach dem anderen ins Tölzer Land. Die Skier warten geduldig im Dachgepäckträger, der Fahrer ist genervt vom Stau und kommt bei der Parkplatzsuche zwischen den Schneebergen ins Schwitzen. Heuer warten die Skier geduldig im Keller. Kein Schnee weit und breit. Die Hüttenwirte nehmen’s größtenteils gelassen. Dank des Sonnenscheins strömen die Besucher trotzdem in die Berge: „Winter-Wanderland“ statt „Winter-Wonderland“.

„Das schöne Wetter ist definitiv ein Ausgleich für den fehlenden Schnee“, sagt Ursula Grottenthaler von der Gästeinformation Lenggries. Deren geführte Touren seien „sehr gut besucht“. Besonders die Abendwanderungen würden als schönes Erlebnis wahrgenommen. Und „die Führung durch Alt-Fall im abgelassenen Sylvensteinsee ist natürlich ganz was Besonderes“, sagt Grottenthaler.

Der Blick aus dem Fenster bestätigt Hannes Zintel, dass es richtig war, den Betrieb am Blomberg umzustrukturieren. „Wenn man den Leuten was bietet, kommen sie auch“, sagt Zintel. Im Fall vom Blomberg heißt das: Statt der Winterrodelbahn hat der Blombergblitz geöffnet. „Es kommen viele Wanderer, die oben spazierengehen, einkehren und mit dem Lift wieder runterfahren.“

Mit Schnee könnte Zintel zwar den doppelten bis dreifachen Umsatz machen, doch das wäre auch mehr Aufwand. „Ich muss keinen Schnee machen und nichts präparieren. Der Parkplatz war am Sonntag trotzdem brechend voll.“ Wenn es so weiter gehe, komme man mit einem guten blauen Auge davon. „Im Herbst würden wir uns so einen Altweibersommer wünschen“, sagt Zintel.

An der Tutzinger Hütte, die noch bis zum 6. Januar geöffnet hat, geht der Schnee keinem ab. „Wir profitieren davon, dass kein Winter ist“, sagt Hüttenwirtin Elke Hofmann. Viel Zeit zum Telefonieren hat sie nicht, sie muss wieder zu ihren Gästen. „Zu uns kann man auch mit Kindern gut laufen“, sagt Hofmann. Der Weg von Benediktbeuern zur Hütte sei komplett schneefrei. An der Benediktenwand selbst liegen noch ein paar Schneereste. „Der Weg ist trotzdem gut begehbar.“

Auch Anne Bauer, Wirtin der Kirchsteinhütte, kann sich nicht über weniger Betrieb beklagen. „Es ist ganz gut was los und die Leute genießen die Sonnenterrasse“, sagt sie. Bauer freut sich zwar, dass sie sich zwei Monate Schneeräumen gespart hat, doch „die Natur bräuchte den Schnee“. Und der Kirchsteinhütte würde es ebenfalls gut tun. „Wenn es noch zwei Wochen so schön bleibt, wird unsere Wasserversorgung knapp“, sagt Bauer.

Zur Stie-Alm werden die Vorräte im Winter eigentlich mit der Bergbahn raufgefahren und mit dem Skidoo zur Hütte transportiert. Momentan kann Wirtin Veronika Obermüller alles mit dem Auto vor die Tür fahren. „Ich würde den beschwerlicheren Weg gerne in Kauf nehmen“, sagt Obermüller.

An der Stie-Alm kommen zwar einige Wanderer und Kletterer vorbei, aber „das ist nicht vergleichbar mit dem Skibetrieb“, sagt Obermüller. Ihre Silvestergäste kommen trotzdem aufs Brauneck. „Die machen jetzt eben einen Wanderurlaub draus.“

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